Kampagne startetDrei von zehn Pflegepersonen sind noch ungeimpft

Fast ein Jahr nach der ersten Corona-Impfung im Land sind nach immer drei von zehn Pflegende nicht geimpft. Der Berufsverband spricht von einem "Verständnisproblem" als Hauptursache.

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Auf Intensivstationen ist die Impfquote im Personal höher als auf Stationen für Langzeitpflege.
Auf Intensivstationen ist die Impfquote im Personal höher als auf Stationen für Langzeitpflege. © APA/Barbara Gindl
 

In Österreich sind rund 130.000 Personen in der Pflege aktiv und drei von zehn Pflegenden noch nicht gegen das Coronavirus geimpft, schätzt der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV). Die Kampagne "Sicher leben, sicher pflegen" soll "durch den Informationsdschungel" rund um die Covid-Impfung helfen, kündigte ÖGKV-Präsidentin Elisabeth Potzmann an. Man wolle in Dialog treten und offen sprechen, auch in sozialen Medien, aber auf Basis wissenschaftlicher Daten.

Falsche Propaganda habe zu einer großen Verunsicherung vor allem bei jenen geführt, die den Corona-Impfstoffen ohnehin skeptisch gegenüberstanden. "Ängste vor Folgeschäden sind noch immer vorherrschend", dazu komme, dass die "immer schnellere Informationslage" den Überblick erschwere, sowie "ein gewisser Vertrauensverlust gegenüber der Politik", berichtete ÖGKV-Vizepräsidentin Tamara Archan bei einem Pressegespräch. Pflegerinnen und Pfleger seien "seit 21 Monaten im Dauereinsatz", die Lagerbildung zwischen Geimpften und Ungeimpften samt Schuldzuweisungen sei eine zusätzliche Belastung.

Keine genauen Daten zu Impfstatus

Genaue Daten zum Impfstatus liegen keine vor, es gibt punktuelle Erhebungen. In manchen Häusern liege die Quote bei 90 Prozent, anderswo noch darunter. Generell sei die Impfbereitschaft im Akutbereich höher, während in der Langzeitpflege eher eine größere Zurückhaltung zu beobachten sei, meinte Potzmann.

Das größte Spital Österreichs habe bei den Pflegeberufen eine Durchimpfungsrate von über 90 Prozent, sagte Sabine Wolf, Direktorin des Pflegedienstes im AKH in Wien. Einen massiven Anstieg habe es ab dem Frühjahr 2021 gegeben, durch viel Aufklärungsarbeit, aber auch die persönliche Erfahrung im Intensiv- und Intermediate-Care-Bereich mit der Versorgung schwerstkranker Covid-Patienten: "Diese Erfahrung, die in dieser Welle drei gemacht worden ist, hat viele motiviert, doch auch für sich die Impfung in Anspruch zu nehmen."

Pauschal kann man Unterschiede bei der Impfbereitschaft offenbar nicht oder nicht nur an den verschiedenen Einsatzgebieten festmachen. "Es hängt viel von der Aufklärung und einem Impfangebot ohne große Hürden ab", betonte Anastasia Knoll von den Wiener Sozialdiensten. "Das beobachten wir auch im mobilen Bereich." In der Intensivpflege stelle er eine hohe Bereitschaft fest, so Benjamin Pertl, Intensivpfleger aus Tirol. Dort sehe man "täglich das Leid der Patienten".

Impfpflicht großes Fragezeichen

Wie sich die Impfpflicht auswirken wird, sei noch nicht abschätzbar. Ziel der Kampagne sei jedenfalls, "dass Pflegepersonen nicht in die Situation kommen, dass sie wegen einer Impfung den Beruf verlassen müssen und wollen. Das können wir uns als Gesellschaft auch gar nicht leisten", betonte Potzmann. Als nächster Schritt soll die Aktion mehrsprachig werden und sich mit Vertrauenspersonen direkt an einzelne Communitys wenden.

Beim ungeimpften Pflegepersonal im AKH sei ein relativ hoher Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund feststellbar, sagte Wolf, den Bedarf an Erklärung über Ansprechen in einer anderen Kultur müsse man wichtig nehmen. Das AKH habe eine Umfrage unter ungeimpften Mitarbeitern gestartet, um in Erfahrung zu bringen, "was sie noch benötigen würden bis zur Impfpflicht, und im Moment ist die Zahl noch einstellig, aber es gibt schon welche, die sagen: Nein, geht für sie gar nicht". Aber "das sind keine Personen mit Migrationshintergrund".

Wolf betonte: Ungeimpft zu sein, dürfte häufig "wirklich ein kulturelles, ein Verständnisproblem sein", hier könne man mit Aufklärung durchkommen. "Und es gibt ein paar Hardliner, und die bleiben dabei." Angesichts der fast 3.500 Mitarbeiter seien letztere an ihrem Haus aber im Verhältnis eine sehr kleine Zahl.

Kommentare (10)
STEG
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Valneva Chef Lingelbach

wartet auch nicht auf den eigenen Impfstoff, sondern hat sich mit dem Impfstoff von Biontech Pfizer boostern lassen.

GirlfromNorthcountry
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Der gerade zurückgetretene Chef der KAGes . . .

. . . war in Sachen Impfen auch nicht gerade eine leuchtendes Beispiel. Wie schwer muss es für die steirischen Spitäler wohl gewesen sein, die Mitarbeiter für die Impfung zu gewinnen, wenn sich ihr Vorstand Karlheinz Tscheliessnigg dazu persönlich das ganze Jahr über quergelegt hat?

LindaKr
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.

War gar nicht schwer. Ärzte zu über 85% geimpft, Pflegepersonal halt nur zu ca. 85%.

Schubarsky
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Tjaaaaa...

...was wohl sagt uns das über das eine Drittel? Die dort arbeiten sind ja nicht ganz blöd und kennen die Vorgehensweisen von "Big Pharma" sehr genau. Ein großer Teil derer die zu den zwei Dritteln zu zählen ist, hat wohl aus Angst um den Job und permantem Druck den Weg des geringsten Widerstands (also der Injektion) genommen. Vertrauenserweckend ist das nicht. Wie viele Ärzte haben sich gegenseitig die jeweils NICHT applizierte Injektion bestätigt (die können das!)?

Henry44
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Ich bin auch nicht ganz blöd

und nehme die mir vom Arzt verschriebenen Medikamente genau nach Vorschrift, obwohl ich z.B. weiß, dass Xarelto, das ich täglich nehmen muss, teuer und ein Riesengeschäft für den Hersteller Bayer ist.

Es gibt auch einzelne Ärzte, die von Xarelto abraten wie das ja bei vielen Medikamenten ist, mit denen unterschiedliche Erfahrungen gemacht werden. Mein Internist hat keine Bedenken und ich vertraue ihm und keinem Möchtegern-Mediziner wie Herrn Kickl, der früher überhaupt gegen die Corona Impfung war und jetzt das Gegenteil behauptet, wenn auch mit Einschränkungen.

samro
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und noch schnell ein vergleich

84 der studierenden sind geimpft und zeigen verantwortung.

schade dass es gerade in dem beruf weniger sind.
eigentlich tragisch.

STEG
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Die Vorgehensweise

von "Big Pharma" als Grund für die Ablehnung der Impfung ist irrational. Werden auch Medikamente, wo viel mehr zu verdienen ist, auch abgelehnt? Ich glaube nicht, denn Arzneimittel, besonders ohne Verschreibung, werden
eingenommen ohne Rücksicht auf die Gesundheit.
Und Ärzte, die bei der Impfung selbst schummeln, werden über kurz oder lang auch entdeckt und als Betrüger entlarvt werden. Das müssten sie, wenn sie nicht ganz blöd sind, wissen.

samro
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180 aerzte haben gestern an die kammer geschrieben

nur zur info:
allein der bezirk graz umgebung hatte meines wissens 2020: ueber 260 aerzte gemeldet.

und unter den querdenkern im spital kenne ich auch eine gruppe: keine aerzte.
um fakten gehts da nicht da gehts um stimmung und fake news. und das seit mehr als 1,5 jahren.
nun ists hochgeschaukelt zu thema impfung!
aber die geimpften werden immer mehr sauer dass sich mit ihnen in einen topf hauen lassen sollen.

Schubarsky
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@samro Der Brief ist tatsächlich sehr gut formuliert!

Leiderhabe ich ihne in seiner Gesamtlänge nur auf WhatsApp gefunden...

samro
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ich kenne ihn nicht

und ich brauche ihn auch nicht.
hier reden die virologen und andere experten die seit beginn der pandemie bis jetzt recht hatten.
das spricht fuer eben diese.