Coronawelle stoppenDrosten: Kontakte beschränken, impfen und boostern

Lothar Wieler, Präsident des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI), geht davon aus, dass Boostern alleine die vierte Coronawelle nicht brechen wird. Virologe Christian Drosten plädiert für Kontaktbeschränkungen.

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Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité © AFP (MICHAEL KAPPELER)
 

Ohne eine Einschränkung von Kontakten wird es nach Ansicht von Christian Drosten nicht gelingen, die Infektionswelle zu stoppen. "Um die wirklich erschreckend hohe Inzidenz zu drücken, sind aus wissenschaftlicher Sicht Kontaktbeschränkungen dringend erforderlich", sagt der Leiter der Virologie an der Berliner Charité dem "Spiegel".

Er setzt dabei auch auf Eigenverantwortung, jeder solle überprüfen, ob man die eigenen Kontakte nicht wieder für ein paar Wochen bewusst einschränken könne. "Das eigenverantwortliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger hat uns schon in den vorherigen Wellen aus der Patsche geholfen. Ich hoffe, dass das wieder gelingt."

Zudem müssten die Impflücken dringend geschlossen und der Immunschutz durch Auffrischungsimpfungen erneuert werden, empfahl Drosten weiter. Er verwies auf Länder mit höherer Impfquote, in denen man die Pandemie im Frühjahr wohl endgültig hinter sich lassen könne. In Deutschland sei das Ende der Pandemie aufgrund der Impflücke und der schleppenden Booster-Kampagne "meilenweit" entfernt.

Bereits in seinem Podcast am vergangenen Dienstag hatte Drosten gesagt, er erwarte einen sehr anstrengenden Winter "mit neuen, sagen wir ruhig: Shutdown-Maßnahmen". 3G oder selbst 2G reichten vermutlich nicht aus, um angesichts der Delta-Variante die Zahl der Infektionen genug zu senken. Er schränkte allerdings auch ein, dass es juristisch schwer sein könnte, breite allgemeine Kontaktmaßnahmen durchzusetzen.

Sollte es beim Impfen keinen Fortschritt geben, müsse sich Deutschland auf mindestens 100.000 weitere Corona-Tote vorbereiten, "bevor sich das Fahrwasser beruhigt", sagte Drosten damals. Das sei eine konservative Schätzung. Drosten leitet die Zahl durch vergleichende Überlegungen mit Großbritannien her.

Lothar Wieler, Präsident des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI) Foto © AFP (TOBIAS SCHWARZ)

Auffrischungsimpfungen alleine reichen auch nach Ansicht des Präsidenten des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, nicht aus, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen. Das Boostern erhöhe den Immunschutz stark und verringere die Viruslast, sollte sich ein Geimpfter anstecken.

Damit das Infektionsgeschehen kontrollierbar werde, müssten aber mindestens 90 Prozent der Menschen eine Immunität aufbauen - durch Impfung oder Infektion, sagte Wieler am Freitag.

Das hieße jedoch nicht, dass das Virus dann verschwinde. "Dann wird das eine Krankheit sein wie viele andere, die nach wie vor noch auch zu Todesfällen führt, aber sie wird eben nicht mehr dazu führen, dass sie in irgendeiner Weise unser System überlastet."

Je mehr Menschen Immunität aufgebaut haben, umso geringer werde die Krankheitslast, führte Wieler weiter aus. Er warb dabei erneut eindringlich dafür, das Impfangebot wahrzunehmen. "Und jeder wirklich vernünftige, verantwortungsvolle Menschen möchte lieber diese Immunität bekommen durch eine Impfung als durch eine Infektion. Es ist einfach der bessere Weg, die Impfstoffe sind sicher und wirksam."

Kommentare (5)
dude
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Mit keinem Wort werden von diesen Experten...

... die tagtäglich tausenden Genesenen in Österreich und die zehntausenden Genesenen in Deutschland miteinkalkuliert. Die werden eine durchschnittlich höhere und länger andauernde Immunität aufweisen als die Geimpften und werden auch im nächsten Jahr einen großen Beitrag zur Hintergrundimmunisierung der Gesellschaft leisten!
Zum Brechen der enorm wuchtigen 4. Welle sind Kontaktbeschränkungen das best- und schnellstmögliche Mittel. Da stimme ich Prof. Drosten uneingeschränkt zu!

lombok
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Solange die Kinder nicht geimpft werden dürfen,

können wir natürlich keine 90 Prozent erreichen, da es mathematisch unmachbar ist. Was mach ma jetzt?

Stemocell
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Zu Beginn der Pandemie

war noch von ca. 66% Vollimmunisierten die Rede, vor einigen Monaten warens dann ca. 80% und jetzt ist man plötzlich bei 90%.
Bald heißt‘s dann, wir brauchen eine Impfquote von ca. 110%, um überhaupt eine Chance gegen diese tödlichste aller Seuchen zu haben.

leonlele
10
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Delta Variante

Zu Beginn war von der noch nicht die Rede

Ogolius
6
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Ich mag..

gescheite Menschen - gut, dass er kein Politiker ist, es wäre schade um ihn.