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Der ÜbertreibungskünstlerThomas Bernhards Todestag jährt sich zum 30. Mal

Heute vor 30 Jahren starb der österreichische Autor Thomas Bernhard. In der literarischen Rezeption ist er weiterhin allgegenwärtig.

Thomas Bernhard starb am 12. Februar 1989. © ORF
 

Am heutigen 12. Februar jährt sich der Tod von Thomas Bernhard zum 30. Mal. Erst nach seiner Beerdigung am Grinzinger Friedhof vier Tage später im engsten Familienkreis wurde die Öffentlichkeit informiert. In seinem Testament verbat er sich jede Vereinnahmung durch den Staat und untersagte Aufführung und Publikation seines Werkes in Österreich. Beides wird heute ignoriert. Sein Nachruhm ist ungebrochen.

Thomas Bernhard wurde am 9. Februar 1931 in einem Heim für ledige Mütter im holländischen Heerlen geboren - was laut Bernhard Minister Piffl-Percevic bei der Staatspreis-Verleihung zur fälschlichen Behauptung gebracht hatte, er sei "ein in Holland geborener Ausländer". Dabei war seine Mutter Herta Bernhard extra vorübergehend nach Holland übersiedelt, um dem Gerede der Leute zu entkommen, aber auch der besseren Arbeitsmöglichkeiten wegen. Bereits nach wenigen Monaten kam der Bub zu den Großeltern in Wien in Pflege. Im Frühjahr 1935 übersiedelte er mit ihnen nach Seekirchen am Wallersee. Seinen Vater, der 1940 starb, lernte er nie kennen.

Prägende Kindheit

Die traumatische Kindheit findet später in seinen fünf autobiografischen Büchern ("Die Ursache. Eine Andeutung", "Der Keller. Eine Entziehung", "Der Atem. Eine Entscheidung", "Die Kälte. Eine Entziehung", "Ein Kind") ihren Niederschlag. 1948 begann die Krankengeschichte Thomas Bernhards mit einer Erkältung. Er wurde mit Lungenentzündung in das gleiche Spital eingeliefert, in dem auch sein geliebter Großvater, der Dichter Johannes Freumbichler, lag und später starb. Für den Enkel begannen langwierige Aufenthalte in Krankenhäusern und Lungenheilstätten, eine Lungentuberkulose kam hinzu. Später war es eine Immunerkrankung, die in Bernhards letztem Lebensjahrzehnt eine starke Medikamentation notwendig machte.

1957 schloss er ein Regiestudium am Mozarteum erfolgreich ab und verbrachte in den Folgejahren im Kreise anderer junger Künstler viel Zeit am Kärntner "Tonhof" des Ehepaars Lampersberg. Sein erster publizierter Roman, "Frost", brachte 1963 den Umschwung. Er wurde von dem renommierten deutschen Insel Verlag angenommen und ein durchschlagender Erfolg. Dies ermöglichte ihm den Kauf des Vierkanthofes in Ohlsdorf, in dem der aus ärmlichen Verhältnissen Stammende nach eigenem Geschmack eine herrschaftliche Existenz simulierte.

 

30. Todestag: Thomas Bernhard in Zitaten

"Vielleicht ist es ein leerer Raum, den ich ausfülle. Man selbst füllt die Leere aus. Ich fülle sie mit Sätzen aus."

(c) ORF (-)

"Die Wahrheit ist eine schmerzhafte Operation, der unter Umständen der ganze Körper zum Opfer fällt."

Hier zu sehen: Das Grab des Schriftstellers im Jahr 2014 am Grinzinger Friedhof in Wien.

 

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

"Ein Volk von Träumern, Lebensdilettanten, ist leicht in die Irre zu führen und auszunützen. Die brutalen, skrupellosen Kleinbürger, die in den letzten Jahrzehnten mit Leichtigkeit auf der Heuchelleiter in diesem Land in die Höhe und bis in das Parlament und auf den Ballhausplatz gekommen sind, haben es mit dem von Natur aus gleichmütigen und in sich gleichgültigen Volke leicht. Das Parlament des heutigen Österreich ist, auf dem politischen Unrat in diesem Land,
ein luxuriöser und kostspieliger, lebensgefährlicher Wurstelprater."

(c) ORF (-)

"Es ist nichts zu loben, nichts zu verdammen, nichts anzuklagen, aber es ist vieles lächerlich, es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt."

 

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

"Man muss den ausgefallenen Weg gehen mit allen exzentrischen, brutalen, scheußlichen, verklemmten
Dingen, die in einem, in allen drin sind. Man kann nicht
untertauchen unter hundert Hubertusmäntel und mitlachen am Stammtisch und die höchste Befriedigung in einer Nudelsuppe am Sonntagvormittag sehen."

Im Bild: Erwin Wurm illustriert Thomas Bernhard. Diese Illustration ist aus dem Buch: Autobiografische Schriften. Residenz Verlag. 492 Seiten, 60 Euro. 

 

Erwin Wurm

"Marschmusik, Heerscharen und klatschende Leute im Theater oder Konzert – das ist mir unerträglich. Das Unheil kommt ja immer aus der klatschenden, tosenden Menge. Alles Grausen kommt aus dem Applaus."

(c) APA/IMAGNO/Harry Weber (IMAGNO/Harry Weber)

"Ich red ja über den Tod wie ein anderer über eine Semmel."

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

"Auch wenn man sagt, ich will nicht übertreiben, ist’s schon eine Übertreibung."

(c) APA/WOLFGANG HUBER-LANG (WOLFGANG HUBER-LANG)

"Ich bin eine lustige Person. Da kann man leider nichts ändern, so tragisch alles andere ist."

(c) APA (VOTAVA)

"Die Welt besteht nur aus Niederlagen und ernährt sich davon."

Im Bild: Erwin Wurm illustriert Thomas Bernhard. Diese Illustration ist aus dem Buch: Autobiografische Schriften. Residenz Verlag. 492 Seiten, 60 Euro.

Erwin Wurm
1/10

Intensive Zusammenarbeit mit Peymann

Sein zweiter Roman "Verstörung" und der Eklat bei der Staatspreisverleihung 1968 festigten nachhaltig Thomas Bernhards Ruf. 1970 begann mit der Uraufführung seines ersten Stückes "Ein Fest für Boris" in Hamburg die kontinuierliche Theaterarbeit Bernhards, die 18 abendfüllende Stücke und einige Dramolette hervorbrachte, sowie seine lebenslange Zusammenarbeit mit dem Regisseur Claus Peymann. Sein Sinn für das Theatralische ließ den studierten Regisseur Bernhard 1972 nicht nur den Salzburger "Notlichtskandal" entfachen, sondern auch zwei Jahre später mit Unterrichtsminister Fred Sinowatz über die Burgtheaterdirektion verhandeln.

Die 70er und die erste Hälfte der 80er Jahre waren ungemein produktive Schaffensjahre, in denen ein gewaltiges Werk entstand, das in den Romanen "Alte Meister" und "Auslöschung" sowie in den Dramen "Der Theatermacher" und "Heldenplatz" gipfelte. Nach dem Tod seines "Lebensmenschen" Hedwig Stavianicek 1984 kämpfte Thomas Bernhard zunehmend mit schweren gesundheitlichen Problemen.

1984 war auch das Jahr der Aufregungen um seinen Roman "Holzfällen. Eine Erregung", in dem sich das Ehepaar Lampersberg wiedererkannte. Lampersberg ging gerichtlich gegen die Verbreitung des Buches vor, das daraufhin konfisziert wurde. Vier Jahre später gingen im Zuge der "Heldenplatz"-Premiere am Burgtheater erneut die Wogen hoch. Die Uraufführung des Stückes am 4. November 1988 wurde zu einem Triumph für Bernhard und Peymann. Der bereits gesundheitlich schwer angeschlagene Dichter nahm an der Seite des Regisseurs den Applaus entgegen - ein Moment, der Theatergeschichte geschrieben hat. Wenige Wochen später war Thomas Bernhard tot.

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