Außergewöhnlicher Fahndungserfolg für die Kärntner Ermittler: Neun Jahre nach der Tat haben sie einen mutmaßlichen Vergewaltiger ausgeforscht und angeklagt. Der 49-jährige türkische Staatsbürger und Lkw-Fahrer muss sich im Juli wegen Vergewaltigung und Freiheitsentziehung am Landesgericht Klagenfurt verantworten.

Dem Mann wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, im Mai 2013 in einem Waldstück bei Arnoldstein eine Frau vergewaltigt zu haben. Nach dem Verbrechen soll er die damals 45-Jährige mit einem Klebeband an einen Baum gefesselt haben. Erst nach fast einer Stunde gelang es dem Opfer, sich loszureißen und sich auf eine Straße zu schleppen.

Opfer schwer geschockt

Dort wurde sie von einem Mann gefunden, der gerade mit seinem Auto in Richtung Villach unterwegs war. "Es war erschreckend, sie da zu sehen. Sie zitterte am ganzen Körper und war schwer geschockt. Ihre Hände waren mit einem braunen Klebeband gefesselt und schon ganz blau", erzählte der Ersthelfer damals. "Sie gab an, von einem korpulenten Lkw-Fahrer brutal attackiert worden zu sein."

Der – damals noch unbekannte – Mann war einer von insgesamt sechs Verdächtigen. Nachdem DNA-Spuren, die am Opfer gefunden worden sind, in die internationale Datenbank eingegeben und abgeglichen worden sind, gab es im August 2017 einen "Treffer": Es war der Lkw-Fahrer. Im November 2021 kam dann – mehr als drei Jahre nach dem Rechtshilfeansuchen – die Antwort aus der Türkei: Der Mann bestritt die Tat und gab an, dass er in seinem ganzen Leben nur einvernehmlichen Sex mit Frauen hatte.

Eindeutige Beweise

Doch die (DNA-)Beweise waren eindeutig, sodass die Staatsanwaltschaft Anklage eingebracht hat. Ob der 49-Jährige der Ladung des Gerichts folgen wird, die ihm in sein Heimatland zugestellt worden ist, und er in Klagenfurt erscheinen wird, ist allerdings mehr als fraglich. Tut er es nicht, könnte ein europäischer Haftbefehl gegen den Türken ausgeschrieben werden.