EvakuierungAfghanin bekam Baby an Bord von US-Flugzeug: In Ramstein gelandet

In Kabul herrschen seit rund einer Woche chaotische Zustände auf dem Flughafen. Tausende verzweifelte Menschen hoffen auf einen Platz in einem Flugzeug, um nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban aus dem Krisenstaat zu fliehen.

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Mutter und Baby sind wohlauf © AFP
 

Eine afghanische Frau hat an Bord eines US-Evakuierungsflugzeugs ein Baby zur Welt gebracht. Ihre Wehen und zusätzliche gesundheitliche Beschwerden setzten auf dem Weg zum US-Stützpunkt Ramstein in Deutschland ein, wie das Transportkommando der US-Luftwaffe am Sonntag mitteilte. Ihr Zustand habe sich verbessert, nachdem die C-17-Transportmaschine niedriger flog und der Luftdruck im Flugzeug sich dadurch erhöhte. Das Manöver habe geholfen, ihr Leben zu retten.

Nach der Landung im pfälzischen Ramstein habe die Frau im Laderaum der Maschine mithilfe von Soldaten ein Mädchen zur Welt gebracht. Mutter und Kind gehe es gut, hieß es.

Weitere Flüge

Die Air Base in Ramstein ist der weltweit größte Luftwaffenstützpunkt der USA außerhalb der Heimat. Bis Samstagabend wurden 2300 Evakuierte aus Afghanistan mit 17 Maschinen dorthin gebracht. Auch für Sonntag und die folgenden Tage wurde die Ankunft weiterer Flüge erwartet. Die ehemaligen Ortskräfte der USA in Afghanistan und ihre Familien, die aus Angst vor den militant-islamistischen Taliban ihre Heimat verlassen, kommen zunächst in Flugzeughangars der Air Base unter. Von dort sollen sie in die USA geflogen werden.

Bewegendes Foto zeigt aus Kabul gerettetes Baby

Das Foto eines Babys im Arm eines norwegischen Soldaten an Bord eines Evakuierungsflugs aus Afghanistan hat in den sozialen Medien für Erschütterung gesorgt. Das Bild, das eine Korrespondentin des US-Senders CBS News am Samstag auf Twitter teilte, zeigt den in eine helle Decke eingewickelten Säugling auf dem Schoß eines Soldaten in voller Uniform. Ein Sprecher des norwegischen Militärs bestätigte dem Sender NRK die Echtheit des tausendfach geteilten Fotos.

Dem Norweger Terje Watterdal zufolge, der nach eigenen Angaben an Bord desselben Fliegers war, sollen etliche Kinder an Bord des Fluges ins georgische Tiflis gewesen sein. Auch er selbst habe zeitweise einen kleinen Jungen in den Armen gehabt, erzählte Watterdal dem Sender NRK.

Die CBS-Journalistin schrieb auf Twitter ebenfalls von "einer großen Zahl an Kindern, von Babies bis hin zu Teenagern, die alleine reisten". Etliche Twitter-Nutzerinnen und -Nutzer zeigten sich erschüttert über die Szene und sprachen den Eltern des Kindes ihr Mitgefühl aus. Das norwegische Außenministerium wollte NRK zufolge keine weiteren Angaben zu den Menschen an Bord der Rettungsflüge machen, um deren Privatsphäre zu schützen.

Baby über Mauer an US-Soldaten übergeben

Am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul nimmt die Verzweiflung jener Menschen zu, die aus Angst um ihr Leben auf eine Ausreise hoffen. Auf einem Videoclip, der sich am Freitag in sozialen Medien und in US-Medien verbreitete, war zu sehen, wie aus einer Menschenmenge ein Baby über eine Mauer mit Stacheldraht an US-Militärs übergeben wurde. Ein Soldat packte das Baby am rechten Arm und reichte es an Kollegen weiter.

Foto © AFP

Das Baby ist nach einer medizinischen Behandlung wieder bei seinem Vater. "Das Elternteil hat die Marineinfanteristen gebeten, sich um das Baby zu kümmern, weil das Baby krank war", sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Freitag. Der US-Soldat habe das Kleinkind deswegen über die Mauer gezogen und zu einem norwegischen Krankenhaus auf dem Flughafengelände gebracht.

"Sie haben das Kind behandelt und das Kind seinem Vater zurückgegeben", sagte Kirby. Er sprach von einem "Akt des Mitgefühls" der US-Soldaten. Wo sich das Baby und sein Vater
inzwischen befinden, konnte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums nicht sagen. "Ich weiß nicht, wo sie jetzt sind." Er wisse auch nicht, ob der Vater mögliche eine afghanische Ortskraft sei, die sich um ein Sondervisum für die USA bewerbe.

 

Kommentare (1)
anda20
21
22
Lesenswert?

Schade,

dass der KLZ die zig anderen Krisenherde und Notleidenden auf der Welt berichterstattungsmässig nicht annähernd so wichtig zu sein scheinen als Afghanistan.

Eine ausgewogene Berichterstattung schaut anders aus-für mich ein klarer Fall von Investigativjournalismus.

Vielen Dank