2010 war Schluss. Die zivilen Versionen des legendären US-Militärfahrzeugs HMMWV (vulgo Humwee) waren zweifellos Kult, aber der Hummer wurde auch zunehmend Gegenstand der Kritik. Die hünenhaften Offroader, die locker 30 Liter Sprit auf 100 Kilometern schluckten, waren schon lange vor „Fridays for Future“ als Fossil gebrandmarkt.

Mit schlimmstenfalls 470 Gramm CO2/Kilometer (und auch das nur auf dem Papier) rangierten sie in der traurigen Liste der Autos mit den höchsten Emissionen ganz oben. Das war zwar nicht der einzige, aber doch ein entscheidender Grund, warum die Absatzzahlen der Marke im Besitz von General Motors ab 2008 in den Keller rasselten.

Im Innneraum zeigt der Hummer wieder Kante
© GMC

Aber jetzt sind die Herrschaften in Detroit wahrscheinlich froh darüber, dass sie Hummer einst nicht an den chinesischen Spezialmaschinenhersteller Sichuan Tengzhong Heavy Industrial Machinery verkaufen konnten - denn jetzt wandelt sich das Geländemonster vom Saulus zu Paulus, vom Saurier zum Stromer.

Damit hat sich die lästige Angelegenheit mit dem horrenden  Spritverbrauch ein für alle Mal erledigt – der Stromverbrauch dürfte allerdings auch astronomisch sein.

Der Pick-up hat die Konkurrenz von Tesla und Rivian ausgebremst
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Der Monster-Pick-up soll in der Topversion mit drei Elektromotoren (einer treibt die Vorderachse an, zwei die Hinterachse) nämlich eine maximale Leistung von 1000 PS und rund 15.600 Newtonmetern haben. Und war mit Preisen ab rund 95.000 Euro bereits wenige Stunden nach der Weltpremiere ausverkauft und werden ab Herbst 2021 ausgeliefert.

Denn da fällt die 100er-Marke aus dem Stand in schwindelerregenden drei Sekunden. Man braucht dennoch kein Prophet zu sein, dass die prognostizierten 560 Kilometer Reichweite ziemlich schnell verpuffen, wenn man davon anständig Gebrauch macht. Die Leistungsdaten der Akkus verraten die Mannen von GMC noch nichts, allerdings, dass sie auf 800-Volt-Basis arbeiten und mit bis zu 350 kW geladen werden können.

Leistungstechnisch "abgespeckte" Versionen (immer noch mit geschmalzenen 625 und 800 PS) folgen ab 2022. Dem Allrad wegen, den man als Offroad-Ikone immer an Bord haben muss, sind immer mindestens zwei oder drei Elektromotoren verbaut.

Die Sache mit dem Elektrifizieren des Hummer hat General Motors 2017 übrigens schon Arnold Schwarzenegger vorgemacht: Der ließ bei der oberösterreichischen Firma Kreisel zuerst seinen Mercedes G und dann seinen Hummer H1 zum Stromer umbauen. Sie hatten ihm eine Batterie mit einer Kapazität von 100 kWh sowie zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse mit einer Systemleistung von 360 kW (490 PS) einverleibt. Sie beschleunigen den 3,3-Tonner der steirischen Eiche auf bis zu 120 km/h bei einer Reichweite von rund 300 Kilometern.

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