Ernteschäden über 183 Millionen Euro in der Steiermark
Steirische Erntebilanz: „Gnade uns Gott, wenn wir noch so ein Jahr erleben.“ Gegen Dürre und Wassernot will man in Zukunft mit Klimawandel-Anpassungen vorgehen.

Als „schwierigstes Jahr, das die steirische Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten erlebt hat“, bezeichnet Landwirtschaftskammer-Präsident Andreas Steinegger das Jahr 2026. Und: „Gnade uns Gott, wenn wir noch so ein Jahr erleben.“ Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet die teils miserable Ernte, dass vermehrt ausländische Produkte im Gemüse- und Obstregal landen. Das lasse auch Preise steigen.
Dürreschäden in Rekordhöhe
Die Ausfälle und Schäden der letzten Monate sind inzwischen in konkrete Zahlen gegossen: 183 Millionen Euro Schaden für die steirische Landwirtschaft aufgrund von Dürre, Spätfrost und Hagel. Allein die Dürreschäden betragen 140 Millionen Euro. Im Juni und Juli, den wichtigsten Monaten für Mais, regnete es 50 bis 100 Prozent weniger als üblich. Die Temperaturen waren durchschnittlich um vier Grad höher. Das Niederschlagsdefizit betrug zwischen April und August fast 85 Prozent.
Der Klimawandel ist schneller gekommen, als uns lieb ist.
— Simone Schmiedtbauer, Agrarlandesrätin (ÖVP)
Die negative Ernte betrifft viele Produkte: Beim Mais ist es besonders kritisch, dieser verzeichnet ein Minus von 25 Prozent. Auch das Grünland litt stark unter der Dürre und büßt rund 70 Prozent des Ertrags ein. Bei Soja sind es minus 20 Prozent, bei Äpfeln minus 35 Prozent, listet die Landwirtschaftskammer auf. Ebenso schwer trifft es Erdäpfel, Chinakohl, Kren und Käferbohnen. Einzig der Kürbis, manche Getreidesorten und der Wein haben das landwirtschaftliche Schreckensjahr mit teils optimalen Erträgen gut überstanden.
„Klimawandelanpassungen“ sollen aus der Misere helfen
„Der Klimawandel ist schneller gekommen, als uns lieb ist“, sagt Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP). Um die Schäden für die Landwirtschaft zumindest bedingt zu reparieren, sind diverse Maßnahmen geplant. Schlagwort: „Klimawandelanpassungen“. Oberste Priorität habe laut Schmiedtbauer die Wasserversorgung, die mit einem Budget von 150 Millionen Euro bis 2050 abgesichert werden soll.

Die „Futtervermittlungsoffensive“ von Landwirtschaftskammer, dem steirischen Maschinenring und Bio Austria Steiermark soll helfen, die Tiere bis in den Frühsommer 2027 mit Futter versorgen. Weitere Maßnahmen der Landwirtschaft, um sich an die stetige Klimaerwärmung anzupassen, seien laut Steinegger das Säen von Futterpflanzen, die die Trockenheit besser aushalten, sowie der Humusaufbau bei Böden.
Bei Käferbohnen verspricht man sich durch die Züchtung bestimmter Sorten eine bessere Hitzetoleranz und frühe Reifung. Kammerdirektor Werner Brugner meint, dass „wir als Menschheit gut beraten sind, umzudenken.“ Seine klare Botschaft lautet: „Wir müssen raus aus Öl und Gas!“
Existenzen bedroht
Für zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte sind die Schäden existenzbedrohend. „Das heurige Jahr war ein Katastrophenjahr“, sagt Stefan Bischof. Er hat einen Bio-Heumilchbetrieb und musste bereits im Juni Futter zukaufen. Im Herbst muss er vermutlich auch Tiere verkaufen. Die Folgen des heurigen Sommers werden ihn noch lange belasten. „Ein Jahr kann man überstehen. Aber man wird nachdenklich, ob es sich rechnet, zu investieren.“ Abschließend sagt er: „Es bleibt nur die Hoffnung, dass das eine Ausnahme war.“

