Dürre wird schlimmer: Steirisches Grundwasser niedrig wie nie
Auch der laufende Oktober fällt bisher extrem trocken aus. Das Grundwasser ist in mehreren steirischen Regionen auf absolute Tiefststände gesunken, zeigt eine Auswertung.

Der erlösende Regen, er will sich nicht in den erforderlichen Mengen einstellen – und das seit Monaten. Mit Ausnahme des heurigen Februar ist bundesweit jeder einzelne der vergangenen zwölf Monate zu trocken ausgefallen, die Niederschlagsdefizite betragen laut Geosphere Austria teils mehr als zwei Drittel. Seit Juli ist etwa in Graz in Summe weniger als die Hälfte der langjährigen Regenmengen gefallen, nämlich insgesamt nur 176 statt der üblichen 377 Millimeter. Der bisherige Oktober hat der Landeshauptstadt praktisch noch gar keinen richtigen Regen gebracht (in Summe waren es drei Millimeter). Ähnlich ist die Lage auch in den anderen Regionen der Steiermark, vom Enns- und Murtal bis in den Süden.
Deutliche Folgen hat der dauerhafte Regen-Engpass für das Grundwasser. Bundesweit liegt mittlerweile rund die Hälfte aller österreichischen Grundwasserpegel so niedrig wie Mitte Oktober noch nie, wie eine aktuelle Auswertung von Greenpeace zeigt. An 36 der insgesamt 227 Messstellen wird derzeit überhaupt der niedrigste Grundwasserstand seit Aufzeichnungsbeginn gemessen. Besonders betroffen davon ist die Steiermark, in der die meisten absoluten Tiefststände registriert werden. Gleich an neun steirischen Messstationen liegt das Grundwasser demnach so tief wie noch nie in der Messgeschichte. Es handelt sich um Kroisbach, Kaindorf bei Hartberg, Neustift bei Bad Waltersdorf, Bad Blumau (alle Bezirk Hartberg-Fürstenfeld), Kellerdorf, Unterkarla (beide Bezirk Südoststeiermark), Gröbming, Admont (beide Bezirk Liezen) und Gussendorf (Bezirk Deutschlandsberg).
Warnung vor einer „Krise für den Wasserschatz“ im Winter
Bis auf wenige Ausnahmen weist das gesamte steirische Grundwassermessnetz unterdurchschnittliche Pegelstände auf. „Entspannung ist keine in Sicht“, sagt Greenpeace-Wasserexperte Sebastian Theissing-Matei. „Wir werden mit stark geschrumpften Wasserreserven in den Winter starten – im Vergleich zum Vorjahr eine besorgniserregende Ausgangslage. Sollten Schnee und Regen auch diesen Winter großflächig ausbleiben, droht eine echte Krise für unseren Wasserschatz.“
Auch an den Gewässern geht die Trockenheit nicht spurlos vorüber. Die Durchflussmengen liegen an den meisten steirischen Flüssen ebenfalls weit unter den Normalwerten. Dramatisch entwickelt sich das Jahr am burgenländischen Neusiedlersee. Wie die Daten des burgenländischen Hydrografischen Landesdiensts zeigen, ist der Pegel des Steppensees in den vergangenen Tagen auf den historischen Tiefstwert des Trockenherbsts 2022 abgesackt und könnte in den nächsten Tagen für einen neuen Negativrekord sorgen.
Mehr Tempo bei Register für Wasserentnahmen
Bei Greenpeace fordert man von Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) unter anderem eine beschleunigte Umsetzung des im September angekündigten Wasserentnahmeregisters. Wie berichtet, sieht der Regierungsplan einen Vollausbau des Registers erst im Jahr 2032 vor. Ab dann müssen auch Entnahmen zwischen 40.000 und 150.000 Kubikmetern pro Jahr gemeldet werden. „Das ist in Anbetracht der aktuellen Dürresituation viel zu langsam“, heißt es bei Greenpeace.