Uni Klagenfurt streicht über 200 Stellen, Studienrichtungen wackeln
Rektorin Ada Pellert spricht von „drastischen Einschnitten“, die angesichts des knappen Uni-Budgets erforderlich seien. Frühwarnung droht.

Rund 18 Milliarden Euro bräuchte es für die Erhaltung des Ist-Zustandes an den österreichischen Universitäten für die Jahre 2028 bis 2030, 17 Milliarden Euro wären die absolute Schmerzgrenze - das haben die Unis im Vorfeld gegenüber dem Bildungsministerium kommuniziert. Nachdem das Budget aber nun mit nur 16 Milliarden beschlossen wurde, droht an der Universität Klagenfurt jetzt nicht nur ein massiver Personalabbau: Ganze Studiengänge und Lehrveranstaltungen drohen zu platzen.
„Sehr bestürzt und bedrückt“ zeigt sich Ada Pellert, Rektorin der Alpen-Adria-Uni in einer ersten Reaktion. „Die geforderten 18 Milliarden waren kein Wachstum, sondern gleichbleibendes Budget mit kleinem Inflationsausgleich. Jetzt fehlen uns zwei Milliarden“, so Pellert. Die Folge seien „drastische Einschnitte, die nicht mit ein bisschen Sparen zu reparieren sind. Wir müssen dementsprechend drastisch rein.“ Zehn von 90 Millionen Euro müsse sie jährlich einsparen.

Wir sehen nicht, wo es leicht gehen würde, ohne dass wir wirklich Einschnitte im Leistungsportfolio haben.
— Ada Pellert,, Rektorin der Alpen-Adria-Uni
Das betreffe primär Kürzungen im Personalbereich, weil dieser 85 Prozent des Budgets ausmache. 1700 Personen beschäftigt die Uni Klagenfurt. „Es kann drauf hinauslaufen, dass wir bei 15 Prozent Minus landen“, sagt Pellert. Das wäre ein Abbau von 255 Stellen. Konkret nennt sie „die Größenordnung 200“. Am einfachsten sei die Aufhebung befristeter Verträge. „Aber dort sitzt der Nachwuchs, dort sitzen viele tolle junge Frauen. Wir rechnen ja schon die ganze Zeit, sehen aber nicht, wo es leicht gehen würde, ohne dass wir wirklich Einschnitte im Leistungsportfolio haben“, erklärt die Rektorin.
Man müsse weniger ausschreiben, weniger besetzen, auch weniger nachbesetzen. Von einem kompletten Aufnahmestopp, wie ihn die TU Wien kommuniziert hat, will sie nicht sprechen. Zehn Millionen einzusparen sei aber „eine Größenordnung, die richtig, richtig weh tut.“
Was Lehrveranstaltungen betrifft, werde man weniger extern vergeben. Auch die Möglichkeit, Studien zusammenzulegen oder einzustellen, wird geprüft. „Aber das hat einen mehrjährigen Vorlauf und das ist etwas, worüber wir soundso nachdenken.“ Man sei eine mittelgroße Uni und habe „nicht wahnsinnig viele Rücklagen“ aufgebaut.
Frühwarnung droht
Auf zwei Drittel der Unis werde es zukommen, dass sie in die Frühwarnung gehen müssten. Pellert: „Das ist ein Verfahren, bei dem sie dem eigenen Unirat sagen müssen: Sorry, wenn das so weitergeht, haben wir in vier Jahren nicht mehr die richtige Eigenkapitalquote, die uns vorgeschrieben ist. Das trifft auch auf uns zu. Wir haben immer ordentlich gehaushaltet, die gesetzlich notwendigen Rücklagen aufgebaut, aber keinen Polster, der mich durch magere Jahre trägt.“
„Bildungs-Kahlschlag“
Team-Kärnten-Chef Gerhard Köfer spricht in einer ersten Reaktion von einem drohenden Bildungs-Kahlschlag und Zukunftsraub der Bundesregierung: „Wer bei Bildung spart, riskiert die Zukunfts- und Innovationsfähigkeit eines ganzen Landes. Kluge Köpfe erfordern kluge und nachhaltig gesicherte finanzielle Rahmenbedingungen. Bevor bei der Bildung der Rotstift angesetzt wird, müssen andere Themen auf den Prüfstand. Bildung ist das Kapital der Zukunft und die verwandten Bereiche Wissenschaft und Forschung sorgen für Wohlstand, Beschäftigung, Konjunkturbelebung und Aufschwung.“

