Drei Schläge, 200 Kokosbusserl und 435 Jahre am Kolomonimarkt
Wie viele Gruppen begleiten den Festumzug? Wie schnell gelingt der Bieranstich? Ein Rundgang über den Kolomonimarkt zeigt, dass hinter den Zahlen vieles steckt.

„Zehn Prozent auf alles!“ Noch bevor die erste Marschmusik erklingt, schallt der Ruf eines Marktschreiers über das Gelände. Am Spielzeugstand wird bereits um Kundschaft geworben. Am Rand der Wege warten die ersten Zuschauerinnen und Zuschauer. Es ist kurz vor elf Uhr, und langsam kämpft sich die Sonne durch die Wolken. Eine knappe Stunde sollte sie bereits über dem Marktgelände strahlen. Perfektes Marktwetter für das, was in Wolfsberg längst zum Herbst gehört: „Gemma Moakt!“

Es ist Samstag, der 17. Oktober 2026 am Marktgelände in Kleinedling. Ich bin auf der Suche nach Zahlen. Denn hinter dem 435. Kolomonimarkt stecken nicht nur Tradition und Begegnungen, sondern auch erstaunliche Mengen, Rekorde und manchmal Zahlen, die nachdenklich stimmen.
Startschuss für den Umzug
„Habt acht!“ Um 11.03 Uhr setzt sich die Stadtkapelle Wolfsberg in Bewegung. Zwei Kapellen mit rund 45 Instrumenten gestalten den Festumzug, dazu kommen sechs Trachten- und Brauchtumsgruppen und Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik. Am Straßenrand wird applaudiert, während sich die Gruppen einmal rund um das Marktgelände bewegen. Kurz nach der Stadtkapelle fährt Marktprinzessin Miriam Findenig in einem Oldtimer vorbei. Auch aus den Marktständen wird das Geschehen verfolgt.

Der Umzug endet im neuen Zelt „Neuer Elan“. Dort führt Tommy Schmid durch die offizielle Eröffnung. Die Bergkapelle St. Stefan spielt drei Lieder zwischen den Programmpunkten. Der Stabmeister schwingt seinen Tambourstab geschätzt 400 Mal, wobei man jede Bewegung nach oben und unten auch einzeln zählen könnte. Die offizielle Marktsegnung hält Stadtpfarrer Christoph Kranicki. Ganze 16 Mal schwingt er den Weihwasserwedel.

Vier Reden stehen auf dem Programm: Marktreferent Michael Schüssler, Marktprinzessin Miriam Findenig, Bürgermeister Alexander Radl und Landeshauptmann Daniel Fellner sprechen über Tradition, die Bedeutung des Marktes und die Freude, dass er wieder stattfindet. Drei kurze Mikrofonausfälle unterbrechen für ein paar Sekunden die Reden. Schmid erinnert an das Jubiläum: 435 Mal Begegnungen, 435 Mal gelebtes Brauchtum und 435 Mal Wolfsberger Geschichte.
Drei Schläge bis zum Freibier
Dann wird es spannend. Bürgermeister Alexander Radl tritt zum Bieranstich an. Wie viele Schläge wird er brauchen? Mit nur drei Schlägen gelingt Radl der Anstich – ein neuer Rekord. Beim Schönsonntagmarkt brauchte es 13. Moderator Schmid erzählt, dass andere Bürgermeister schon länger gebraucht und danach scherzhaft von ihren „Bildhauerkünsten“ gesprochen hätten. Das Publikum freut sich, stellt sich in eine Schlange auf und das Bier kann fließen.

Auf meinem Rundgang führt mich die nächste Spur zur Konditorei Kosta. Die Frage nach dem beliebtesten Produkt ist schnell beantwortet: Kokosbusserl und Schokoerdbeeren. Rund 200 Kokosbusserl täglich verkauft die Konditorei. Eine genaue Zählung ist aber schwierig, denn natürlich ist jeder Markttag anders. Doch wie beliebt die Kokosbusserl sind, zeigt sich knapp eine Minute später: Ein Besucher kauft gleich zwei Sackerl. Bei den Schokoerdbeeren sind die Mengen noch größer. Verarbeitet werden täglich ein paar Hundert Kilo Erdbeeren.

Beim Entenziehen treffe ich Betreiberin Manuela Schachner. Gerade freut sich eine Familie mit Kindern über zwei gewonnene Plüschtiere. Mehr als 100 Plüschtiere am Tag dürften hier neue Besitzer finden. Auch das ist allerdings eine Schätzung. Für die Kinder zählt ohnehin weniger die Statistik als der Stofftiergewinn in ihren Händen.

Im Festzelt Kehraus erzählt Christian Kehraus über die Hendl und das Bier. An einem guten Tag gehen hier rund 1.600 Grill- und Backhendlportionen über die Theke. Über die vier Markttage rechnet er außerdem mit etwa 2.000 Litern Bier. Während draußen die Sonne scheint, füllen sich die Zelte. Auf den Wegen ist der Andrang zu Mittag noch überschaubar. Bei den Fahrgeschäften sind einige Kinder unterwegs. Vielleicht kommt der große Ansturm erst am Abend, wenn bis spät in die Nacht gefeiert wird.
Wenn Zahlen Sorgen bereiten
Bei den Fahrgeschäften lassen sich tägliche Fahrten und Runden kaum verlässlich zusammenzählen. Zu unterschiedlich ist der Betrieb von Tag zu Tag. Ich spreche mit Monika Pörtscher, die unter anderem mit ihrer Schwester Silvia das Autodrom betreibt. Auch hier geht es um Zahlen. Allerdings um solche, die weniger Anlass zum Feiern geben.
„Die Kosten für uns Schausteller werden immer höher“, erzählt sie. Bier und Fahrten würden für die Besucher teurer, während gleichzeitig die Ausgaben für die Betreiber stiegen. „Wir verstehen natürlich, dass es für die Besucher auch nicht schön ist, wenn alles teurer wird. Aber für uns wird es einfach kaum mehr tragbar. Und wir haben die Preise schon lange nicht mehr erhöht.“

Der Satz bleibt hängen. Denn hinter dem Vergnügen steckt für die Schausteller ein Betrieb, der sich rechnen muss. Was für die Besucher ein paar Minuten Spaß bedeutet, ist für die Betreiber Arbeit, Investition und finanzielles Risiko. Ich bleibe schließlich beim Fahrgeschäft „Crazy Wave“ stehen. Eine Fahrt besteht aus mehreren Runden, eine Runde umfasst ungefähr 20 Umdrehungen. Zumindest eine Zahl, die sich bei den Fahrgeschäften zählen lässt.
Am Ende meines Rundgangs stehen viele Zahlen: 11.03 Uhr als Startzeit des Umzugs, rund 45 Instrumente und drei Schläge beim Bieranstich. Dazu 200 Kokosbusserl, Hunderte Kilo Erdbeeren, mehr als 100 Plüschtiere, 1.600 Portionen Hendl und 2.000 Liter Bier. Doch keine Zahl kann vollständig erfassen, wie sich der Kolomonimarkt anfühlt: die Musik zwischen den Ständen, der Duft von Essen und das Lachen der Besucher.