Franzobels Einwürfe: Schieß mich tot!

Franzobel, 1967 in Vöcklabruck geboren, ist Schriftsteller und Sport-Fan.
Nun findet die vom US-Verteidigungsminister Pete Hegseth angekündigte Live-Übertragung der Erschießung eines Attentäters doch nicht statt. So hartherzig der Vorschlag klingen mag, über kurz oder lang wird es derart Abartiges geben, fragt sich nur, was dann in den Werbepausen läuft? Ein letzter Zigaretten-Zug, Trefferquoten von Lotterien, finale Bissen einer Fastfood-Kette? Die letzte öffentliche Hinrichtung in den USA fand vor 90 Jahren statt, und auch in Europa waren Hängungen, Enthauptungen oder Vierteilungen einst Volksfeste.
In Österreich gibt es heute eine andere Form der Hinrichtung und die heißt Europacup. 3:13 Tore war die erschreckende Bilanz der heimischen Vertreter letzter Woche. Drei Debakel, und wenn man ehrlich ist, hätten die Ergebnisse noch eindeutiger ausfallen können. Jeder, der dachte, es wird schon nicht so schlimm kommen, wie es bereits ist, wurde enttäuscht, es kam noch schlimmer.
Quo vadis Bundesliga? Sind wir die Schießbuden von Europa, drei Klassen schlechter als der Rest? Sollte unsere Pimperlliga in Zukunft auf die Teilnahme an diesem ballestrischen Schwanzvergleich gleich freiwillig verzichten? Keineswegs, Liverpool und Burnout, nein, Bournemouth spielen in der finanzstärksten Liga mit zwanzigmal höheren Budgets, und auch Milan ist ein reicher Großklub. Da hat ein heimischer Verein nur Chancen, wenn absolut alles aufgeht. Außerdem haben der LASK, Salzburg und Sturm gar nicht schlecht gespielt. Die Grazer drängten zeitweise auf den Ausgleich, die Mozartstädter haben phasenweise gut gepresst, und den Linzern gelangen gegen den englischen Meister von 2020 und 25 immerhin drei Tore. Allen drei fehlte Coolness, Spielglück und ein Dribblanski, dafür bekamen sie billige, unglückliche Tore.
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Aber viele junge Spieler haben ordentlich, man verzeihe den nicht totzukriegenden Modeausdruck, performt. Auch Hinrichtungen kann man eigentlich nicht überleben, und trotzdem kommt es, siehe Christa Pike, hin und wieder vor. Also gilt auch für österreichische Mannschaften: Du hast keine Chance, aber nutze sie.
Irgendwann wird in unserer Einschaltquoten-Welt im Live-Stream exekutiert, zumindest in den USA, wo kein Nippel sichtbar sein darf, und jeder Fluch mit einem Beep übertönt wird. Man wird diese an Orwells „1984“ gemahnende Mischung aus Voyeurismus und Geldmacherei mit Abschreckung rechtfertigen.
Wir haben den Europacup. Der ist Strafe genug, aber so schlecht sind die Unsrigen gar nicht, und schon nächste Woche dürfen sie zeigen, dass sie noch leben. Gerade in solchen Matches können die zum Abschießen verurteilten Spieler lernen, zumindest mehr als unbedarfte Zuseher bei einer Live-Hinrichtung, wie sie der US-Kriegsminister Pete Hegseth (übersetzt: heiliger Bummbumm) plant.
