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„Überfallsartige Meldung“ setzt südoststeirische Musikschul-Gemeinden unter Druck

Eltern schlagen bei Musikschulen Alarm, weil sie sich vor hohen Kosten fürchten. Die Südoststeiermark ist vom Wegfall der Ausgleichszahlungen unterschiedlich stark betroffen. Was das bedeutet.

© De Monte
Die Gemeinde Mureck hat mit ihrer Musikschule keine Ausgleichszahlungen erhalten und ist demnach von der Streichung dieser „Gott sei Dank nicht betroffen“
Julia Schuster
Teamleiterin Regionalredaktion Feldbach

Seit Tagen brodelt es gehörig in den steirischen Musikschulen und ihren Trägergemeinden. Wie berichtet, spüren auch sie die Konsequenzen des neuen Sparbudgets der blau-schwarzen Landesregierung. Insgesamt 3,3 Millionen Euro, die sogenannten Ausgleichszahlungen, überweist das Land nicht länger an die Erhaltergemeinden von Musikschulen – dabei waren sie im laufenden Schulbetrieb fest eingeplant.

Rund die Hälfte aller 60 Musikschulen in der Steiermark sind davon betroffen. Spitzenreiter ist eine obersteirische Gemeinde, die bislang Ausgleichszahlungen von jährlich rund 425.000 Euro erhalten hat, wie Robert Ederer, Vorstand des Fachverbandes der Musikschul-Direktoren, gegenüber der Kleinen Zeitung verrät.

Radkersburger Direktor spricht von herbem Schlag

In der Südoststeiermark trifft es die Musikschulen unterschiedlich stark: „Gott sei Dank nicht betroffen“ sind Fehring und Mureck – die Gemeinden haben zuletzt keine Ausgleichszahlungen bekommen. Dort wird im selben Atemzug auch betont, dass man gut gewirtschaftet beziehungsweise rechtzeitig die Weichen gestellt habe. „Nicht so hart wie andere Schulerhalter-Gemeinden“ trifft es, wie berichtet, St. Stefan im Rosental.

Auch Feldbach hat Ausgleichszahlungen bekommen, mit zuletzt rund 17.000 Euro sei der Betrag aber „verhältnismäßig gering“, wie Bürgermeister Josef Ober sagt. Rund 30.000 Euro hat Gnas zugeschossen bekommen. Hingegen „im höheren Bereich“ seien Ausgleichszahlungen für Bad Radkersburg gewährt worden, wie Direktor Alfred Ornig berichtet. Dass diese nun wegfallen, ist für ihn ein herber Schlag ins Gesicht: „Wir haben mit der Landesförderung gerechnet, jetzt läuft sie früher aus. Man muss sich in der Planung verlassen können.“

Worum geht's?

Entwarnung für Eltern

Die Ungewissheit, welche Gemeinden betroffen sind, plagt insbesondere Eltern. Sie würden sich dieser Tage häufig mit der Befürchtung, dass der Unterricht teurer wird, an die Musikschuldirektoren wenden: „Da sind viele Gerüchte im Umlauf, die muss ich richtigstellen“, sagt Günther Pendl aus Mureck. Er wird wie sein Direktorenkollege aus Fehring, Karl Hermann, einen Brief verfassen und Entwarnung geben.

So eine überfallsartige Meldung hat es noch nicht gegeben. Wenn das der neue politische Stil ist, wird das für Gemeinden schwierig

— Josef Ober, Bürgermeister von Feldbach

Selbst für jene Gemeinden, die jetzt keine Ausgleichszahlungen mehr erhalten, bedeutet das nicht automatisch, dass Eltern für die Musikstunden ihrer Kinder mehr bezahlen müssen. Wie berichtet, ist für Johann Kaufmann, Bürgermeister aus St. Stefan im Rosental, klar, dass er die Musikschulbeiträge nicht im laufenden Schuljahr erhöhen werde: „Das werden wir nicht machen. Wie es ab nächstem Herbst aussieht, kann ich noch nicht sagen.“ In Feldbach will man Eltern und Schüler auch nicht zusätzlich belasten und die entfallene Ausgleichszahlung aus dem Budget finanzieren, kündigt Ober an und kritisiert: „So eine überfallsartige Meldung hat es noch nicht gegeben. Wenn das der neue politische Stil ist, wird das für Gemeinden schwierig.“

Auch in Bad Radkersburg seien Eltern besorgt, dass sich die Tarife erhöhen könnten: „Da kann man Entwarnung geben“, sagt Ornig. Dasselbe gilt für Gnas: Für das Schuljahr 2027/28 müsse man sich aber überlegen, wie man mit der Situation umgeht, betont Gerhard Meixner, Bürgermeister von Gnas, und fordert eine Reform im Musikschulwesen: „Ich hoffe auf Verhandlungen. Wenn das Geld knapp wird, muss man an der Struktur etwas ändern.“

Forderung nach Musikschulgesetz

Klare Vorgaben für die gesamte Steiermark sind auch für Ederer unumgänglich: „Es braucht eine Landesmusikschuldirektion und einen pädagogischen sowie kaufmännischen Leiter als Mindestausmaß in Verbindung mit einem Musikschulgesetz und Musikschulplan.“ Wie die Gemeinden mit dem Entfall der Ausgleichszahlungen umgehen, liege in ihrer Autonomie, betont Ederer, warnt jedoch: „Der Worst Case wäre, dass Gemeinden die fehlenden Einnahmen auf die Elternbeiträge aufdividieren.“ Eine mögliche Folge: Eltern können oder wollen sich den Musikunterricht für ihre Kinder nicht mehr leisten.

© KLZ / Privat
Robert Ederer ist Vorstand des Fachverbandes der Musikschul-Direktoren und Vorsitzender des Landesfachbeirates „Prima la musica“, er unterrichtet an der MS Ilz