85-Jährige fordert Nahversorger für Villacher Siedlung
Seit der Schließung einer Billa-Filiale fehlt ein Lebensmittelgeschäft in der Kanaltalersiedlung. Eine 85-jährige Bewohnerin macht jetzt auf die Schwierigkeiten älterer Menschen aufmerksam.

Eine Viertelstunde zu Fuß bis zum nächsten Supermarkt: Für eine 85-jährige Bewohnerin der Villacher Kanaltalersiedlung ist das ein weiter Weg. Sie hat sich an die Kleine Zeitung gewandt, weil ihr ein Anliegen unter den Nägeln brennt: „Hier wohnen viele alte Leute, die nicht mehr mobil sind. Wir brauchen einen Nahversorger in der Kanaltalersiedlung.“ Ein großer Supermarkt müsse es gar nicht sein, sagt die Anrainerin. Ein kleines Geschäft, in dem man das Nötigste für den Alltag bekommt, würde schon helfen.
Ich bin zum Glück noch mobil, aber viele andere nicht.
— Die 85-jährige Anwohnerin
Billa schloss im Februar 2023
Früher konnten die Bewohnerinnen und Bewohner in der Markus-Pernhart-Straße einkaufen. Ende Februar 2023 schloss dort die Billa-Filiale. Die Rewe-Presseabteilung begründete den Rückzug damals damit, dass der Markt die Anforderungen des Unternehmens nicht mehr erfülle. Dazu zählte das Unternehmen unter anderem ein zeitgemäßes Einkaufserlebnis.
Das ehemalige Geschäft bekommt inzwischen eine andere Nutzung: Die Räumlichkeiten werden zu einer vom Hilfswerk betriebenen Kindertagesstätte mit 30 Betreuungsplätzen umgebaut. Die 85-Jährige verbindet ihre Forderung auch mit der Entwicklung der Siedlung. Die Landeswohnbau Kärnten (LWBK) setzt dort auf eine umfassende Modernisierung: Während im Herzen der Siedlung bereits erste Neubauten entstanden sind, wird der übrige Altbestand stückweise saniert. Wenn weitere Wohnungen fertiggestellt seien und neue Menschen zuziehen, müsse sich ein Nahversorger doch auszahlen, meint sie.
Spar hat keine Pläne, Rewe will Standortoptionen prüfen
Eine konkrete Aussicht auf einen neuen Nahversorger gibt es von Spar derzeit nicht: „Aktuell gibt es von unserer Seite keine Pläne für einen neuen Spar-Standort in der Kanaltalersiedlung“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Den Wunsch der Bewohnerin könne man aber gut nachvollziehen. Ob ein neuer Markt infrage kommt, hängt laut Spar unter anderem von bestehenden Einkaufsmöglichkeiten, der Entwicklung des Einzugsgebietes, Bevölkerungsdichte, Kaufkraft und geeigneten Räumlichkeiten ab. Auch zusätzlicher Wohnraum spiele bei solchen Überlegungen grundsätzlich eine Rolle.
Rewe nimmt die Anfrage zum Anlass, „die Entwicklung des Gebiets sowie mögliche Standortoptionen neuerlich zu evaluieren“. Für einen Billa-, Adeg- oder selbstständig geführten Nahversorgermarkt seien unter anderem ein ausreichend großes Einzugsgebiet, gute Erreichbarkeit, Kundenfrequenz und geeignete Geschäftsflächen entscheidend. Ein Betrieb müsse zudem langfristig wirtschaftlich tragfähig sein. Eine Zusage gibt es auch hier nicht: „Derzeit können wir jedoch keine konkreten Aussagen zu möglichen Ansiedlungen treffen“, heißt es von Rewe.
Zusätzlicher Wohnraum entsteht
Die LWBK hat in der Kanaltalersiedlung bereits sechs Neubauten mit insgesamt 165 geförderten Mietwohnungen fertiggestellt. Auch im weiteren Verlauf soll zusätzlicher Wohnraum entstehen. Für die Anrainerin und ihre Nachbarinnen und Nachbarn bleibt die Einkaufsmöglichkeit ein wesentlicher Teil dieser Entwicklung. Ihr Wunsch ist ein Geschäft, das auch jene Menschen erreichen können, denen längere Wege schwerfallen.