Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Rund 100 gingen in Graz gegen das Kopftuchverbot auf die Straße

Die „Revolutionäre Kommunistische Partei“ rief in Graz zum Schulstreik gegen das Kopftuchverbot. Etwas mehr als 100 junge Menschen fanden sich ein – ein islamisches Kopftuch trugen nur wenige.

Eine Gruppe Demonstrierender steht mit Transparenten vor einem Redner
© KLZ / Günter Pilch
Am Grazer Lendplatz ging es gegen das „rassistische Verbot“ zur Sache
Günter Pilch
Redakteur Bundesland Steiermark / Umwelt

Es ist kein Massenauflauf, der am Donnerstagmorgen das nördliche Eck des Grazer Lendplatzes in Beschlag nimmt. Doch immerhin: Etwas mehr als 100 (größtenteils) junge Menschen sind es geworden, die dem Aufruf der „Revolutionären Kommunistischen Partei“ (RKP) – nicht zu verwechseln mit der KPÖ – gefolgt sind, um gegen das Kopftuchverbot für unter 14-jährige Mädchen zu demonstrieren, das seit 1. September bundesweit an Schulen gilt. In der Steiermark hat es in der Angelegenheit, wie berichtet, bisher sieben Anzeigen wegen Verstößen gegeben.

Unter den skeptischen Blicken der Bauern, die an ihren Marktständen nebenan Gemüse und Topfengulatschen verkaufen, schallen auf dem Lendplatz kurz vor 9 Uhr die ersten Sprechchöre gegen das Verbot und für die „internationale Solidarität“ durch die Lautsprecher. „Crazy rassistisch“ sei die Maßnahme, sagt ein junger Aktivist, der rund um die Demo den „Funken“, die RKP-Parteizeitung, verteilt. Hinter ihm liegen auf einem länglichen Tisch, drapiert mit Hammer-und-Sichel-Flaggen, Bücher und Hefte zum Verkauf auf. Von der Lenin-Biografie bis zur Marxismus-Theorie ist alles dabei.

Die andere Art von Kopftuch

Junge Frauen mit islamischem Kopftuch sieht man an diesem Morgen unter den Demonstrierenden kaum. Im Rennen der Kopfbedeckungen haben die schwarzweiß-gemusterten Palästinensertücher deutlich die Oberhand. Und doch sind sie da, jene kleinen Gruppen an Grazer Schülerinnen und Schülern, die der Demo den Vorzug vor dem Unterricht gegeben haben.

Christoph Pechtl steht vor dem Infostand der RKP und hält die Parteizeitung „Der Funke“ in Händen
© KLZ / Günter Pilch
Kritik an der Bildungsdirektion: RKP-Sprecher Christoph Pechtl

Das, obwohl die Bildungsdirektion klargestellt hatte, dass die Teilnahme kein Entschuldigungsgrund für ein Fernbleiben ist. „Das so zu kommunizieren, war keine rechtliche, sondern eine politische Entscheidung“, hält Christoph Pechtl, Sprecher der RKP Steiermark, entgegen. Besonders von der Ortweinschule habe es Zulauf zur Demo gegeben. „Dort haben die Schüler ein eigenes Komitee gebildet.“

Keine Schützenhilfe der Grazer KPÖ

Dass es von der Grazer KPÖ für den „Schulstreik“ keine Unterstützung gegeben hat, findet Pechtl schade. „Es wäre schön gewesen, wenn Elke Kahr hergekommen wäre. Wir haben sie vorher angeschrieben, aber es gab keine Reaktion“, sagt Pechtl. Nachsatz: „Wahrscheinlich hat sie als Bürgermeisterin eben einen sehr dichten Terminkalender.“

Nach der Auftaktkundgebung zieht der Demonstrationszug über die Wickenburggasse in Richtung Bildungsdirektion weiter. Anschließend geht es auf den Karmeliterplatz. Für die Veranstalter steht fest: Es soll nicht der letzte Protest in der Sache gewesen sein.