Nach Kilger-Pleite: Schloss Gamlitz öffnet sich neu
Nach turbulenten Monaten wagt Schloss Gamlitz den Neustart. Die JUFA-Gruppe setzt dabei auf eine Idee, die im Weinort lange auf sich warten ließ.

„Eine Regions-Vinothek war schon immer unser Wunsch“, sagt Bürgermeister Friedrich Partl. Im alten Gewölbe von Schloss Gamlitz bekommt er nun Gestalt: eine Vinothek, in der sich die Weine der Region verkosten, trinken und kaufen lassen. Es soll auch ein Treffpunkt für jene werden, die hier daheim sind.
Noch vor wenigen Monaten bangten Brautpaare um ihre Feiern im Schloss Gamlitz. Im Frühjahr schlitterte die Kilger-Betriebsgesellschaft in den Konkurs, die Zusammenarbeit zwischen Investor Hans Kilger und Schlosseigentümer Arnold Melcher zerbrach. Bürgermeister Partl erinnert sich an die Sorgen nach den Negativschlagzeilen: Bereits zugesagte Hochzeiten mussten aufgefangen werden. Seit 1. September führt die JUFA-Gruppe das gepachtete Haus. Mit Gründer und Geschäftsführer Gerhard Wendl und Eigentümervertreter Michael Blaschitz soll wieder Ruhe einkehren.
Inzwischen hat das Team um JUFA-Eventmanagerin Verena Kubik bereits zehn Hochzeiten abgewickelt. „Es war sehr turbulent, aber ich denke, wir haben das gut gemeistert und wir freuen uns auf das, was kommt“, sagt sie. Im Oktober stünden noch weitere Veranstaltungen an, berichtet Kubik.

Die Vinothek soll das Wohnzimmer der Gamlitzer Weinszene werden.
— Gerhard Wendl, Geschäftsführer JUFA Hotels
Jetzt wird auch die Vinothek neu ausgerichtet. Wo zuvor Kilger-Weine dominierten, zeigen bereits 20 regionale Winzer die Vielfalt der Gamlitzer Weinszene. Die Runde soll offen bleiben: Weitere interessierte Betriebe aus der Region können ihre Weine einbringen. JUFA-Geschäftsführer Wendl nennt das Ziel: „Schloss Gamlitz soll das Wohnzimmer der Gamlitzer Weinkultur werden.“

Die Kontakte zu den regionalen Weinbauern hat Hannes Sabathi geknüpft. Aus Freundschaft zur JUFA-Eigentümerfamilie übernahm er die Organisation des Weinangebots für den Neustart; zugleich ist er selbst einer der beteiligten Winzer. Für ihn schließt sich damit eine langjährige Lücke im Weinort: Eine gemeinsame Ortsvinothek habe es zuletzt während der Landesausstellung 1990 gegeben, erzählt er. Die Idee, sie danach weiterzuführen, sei damals „im Sand verlaufen“.
Für Sabathi soll die Vinothek auch ein Ort zum Verweilen sein: Weine verschiedener Betriebe verkosten und bei einem Glas zusammensitzen. „Mir persönlich war es sehr wichtig, dass man nicht nur Wein kaufen kann“, sagt er. Künftig sollen dazu auch regionale kulinarische Spezialitäten angeboten werden.

„Wir wollen die Begegnung zwischen einheimischer Bevölkerung und Gästen“, sagt Wendl. Nach Auslandsreisen, unter anderem nach Kanada, sieht er eine wachsende Nachfrage nach Produkten mit erkennbarer Herkunft: „Man will zu den Produkten ein Gesicht haben.“ Für die Südsteiermark sieht er noch großes Potenzial bei internationalen Genussgästen, über Österreich und Deutschland hinaus.
Live-Musik und Vernissagen seien als nächste Schritte angedacht, so Wendl. Vorerst öffnet die Vinothek Mittwoch bis Samstag von 14 bis 21 Uhr, voraussichtlich bis Mitte November. Hochzeiten stehen auch weiterhin im Kalender von Schloss Gamlitz: Die erste im Jahr 2027 ist bereits für den 9. Jänner gebucht.