Rotation ohne Qualitätsverlust: „Der entscheidende Faktor“
Ralf Rangnicks aufgrund der Erkenntnisse der WM adaptierte Personalpolitik geht bislang voll auf.
Man schrieb den 7. September 2021, als die ÖFB-Fans letztmals mit komplett leeren Händen nach Hause gingen. Damals hieß der Teamchef noch Franco Foda und Österreich hatte soeben im Happel-Stadion mit 0:1 gegen Schottland verloren. In den 28 Heimspielen seither gelang dem Nationalteam immer wenigstens ein Tor. In den vergangenen 16 Versuchen blieb die Mannschaft von Ralf Rangnick vor eigenem Publikum gar ungeschlagen. Die letzte Heimniederlage war das 2:3 gegen Belgien am 13. Oktober 2023.
Aus diesem Blickwinkel sind die beiden 3:1-Erfolge gegen Israel und den Kosovo zum Auftakt in die Nations League folgerichtige Ergebnisse. Trotzdem lässt sich feststellen, dass ein Fortschritt erzielt wurde, von dem das Nationalteam weiterführend profitieren sollte. Wenn man bei der Weltmeisterschaft schon nicht in die Nähe der eigenen Leistungsgrenze kam, scheint der wesentlichste Rückschluss daraus aufzugehen. Der besagt, noch konsequenter und bedingungsloser nur noch gesunde Spieler einzuladen und matchfitte Akteure aufzustellen.

„So ist es letztlich zu dieser Aufstellung gekommen. Im Nachhinein hat sich bestätigt, dass wir nicht so ganz falsch gelegen sind“, rekapitulierte Rangnick nach dem Sieg gegen den Kosovo, der ebenfalls drei Tage vorher gespielt hat und bei dem Chefcoach Foda weniger Möglichkeiten zur Rotation hatte.
„Ein bisschen Pressing, ein bisschen Umschalten – nur ein bisschen macht keinen Sinn, dann ist es keine zusätzliche Waffe“, unterstrich der ÖFB-Teamchef, „wenn es aber so aussieht wie in diesem Spiel, macht es keinen Spaß gegen uns zu spielen.“ Der Begriff „scheppern“ hat gute Chancen, Rangnicks Wort des Jahres zu werden. Unter dieses Motto stellte er den Neustart nach der WM, bisher ging dies voll auf. „Ich finde, diesmal hat es fast 90 Minuten gescheppert“, so der 68-Jährige.
Wir werden in größerem Stil rotieren, ohne Qualität zu verlieren, und das ist der entscheidende Faktor. Im Gegenteil, gegen den Kosovo haben wir vielleicht noch mal einen draufgesetzt gegenüber Israel.
— Ralf Rangnick
Der Trainerstab wählte die adaptierte Herangehensweise nicht nur aufgrund der Erkenntnisse des jüngsten Großereignisses. Im Juni 2022 bei seinem ersten Lehrgang im Amt galt es ebenfalls, vier Länderspiele in einem kurzen Zeitraum zu absolvieren: „Mit jedem Spiel ist das Energielevel ein Stückchen weniger geworden. Im letzten Spiel in Dänemark hatten wir gar keine Power und keinen Sprit mehr im Tank“, erinnerte sich der Deutsche.
Neben dem angeschlagenen Michael Gregoritsch saßen diesmal Philipp Lienhart und Phillipp Mwene, bei dem man wegen Muskelbeschwerden kein Risiko einging, auf der Tribüne. Stefan Posch nahm auf der Bank Platz. Beim nächsten Spiel in Irland dürften sie, sofern fit, wieder gute Karten für einen Einsatz haben.
Rotation war auch bislang kein Fremdwort im ÖFB-Team. Trotzdem ist es eine wichtige Erkenntnis, selbige auch in einem gesteigerten Umfang durchziehen zu können. Denn die Nachrücker machten es gegen den Kosovo in der Tat sehr gut. „Wir werden in größerem Stil rotieren, ohne Qualität zu verlieren, und das ist der entscheidende Faktor. Im Gegenteil, gegen den Kosovo haben wir vielleicht noch mal einen draufgesetzt gegenüber Israel“, meinte Rangnick, dem bei den Gastspielen in Irland und Kosovo nun auch Konrad Laimer wieder zur Verfügung steht.