„Minus 25 Prozent“ und „Immer clever“: Billas Angriff auf die Diskonter
Abreißen statt kleben: Billa überarbeitete neuerlich seine Rabattmarken. Der größere Eingriff aber sind neue „dauerhafte Diskontpreise“ auf 3000 Produkte. Ein Angriff auf Hofer und Lidl.

Jetzt ist schon wieder etwas passiert, könnte man mit Blick auf die Rabattmarken bei der Rewe-Tochter Billa sagen – hinter Spar die Nummer zwei unter den Supermarktketten in Österreich.
Ein kurzer Rückblick: Im Juli 2025 digitalisierte Billa die beliebten „minus 25 Prozent“-Pickerl weitgehend und koppelte sie an den Jö-Bonusclub, das Kundenbindungsprogramm von Rewe. Jö-Mitglieder konnten bis zu sechs Pickerl pro Woche über die Jö-Karte bzw. das Flugblatt nutzen, über die Jö-App kamen drei weitere digitale Pickerl dazu – insgesamt also bis zu neun. Auch das Kleben der physischen Preisnachlässe auf ein Wunschprodukt sollte damit Geschichte sein.
Doch schon im darauffolgenden September vollzog Billa, nicht zuletzt wegen verärgerten, weniger digitalaffinen Kundinnen und Kunden, die Kehrtwendung: Seither war die Einlösung der Rabattpickerl auch ohne Jö-Mitgliedschaft wieder möglich. Und: Sie wurden wieder aufs Produkt aufgeklebt.
Vier Marken pro Woche
Nun schlägt der Lebensmittelriese abermals einen neuen Weg ein. Die 25-Prozent-Markerl gibt es ab sofort nicht mehr zum Picken, sondern zum Abreißen. Ein Hintergrund: Bisher nutzten einige Kunden den Trick, die Rabattsticker nach dem Einkauf für andere Produkte wiederzuverwenden. Das wird mit der Änderung unterbunden.
„Das ist“, sagt Konzernsprecher Paul Pöttschacher zur Kleinen Zeitung, „die beste Lösung.“ Die Rabattmarke werde an der Kasse abgegeben und „gilt automatisch für das teuerste Produkt. Kunden müssen nicht mehr selbst danach suchen.“ Pro Woche – der erste Zeitraum startete am 24. September und endet am 30. September – können vier Marken eingelöst werden, eine davon gilt immer für bestimmte Eigenmarken.

Der Diskonter im Billa
Mit Donnerstag neu eingeführt hat der Lebensmittelhändler außerdem den „Immer Clever Preis“. Bis zu 3000 Produkte, „ein Drittel unseres Gesamtsortiments“, so Pöttschacher, werden „dauerhaft zum Preis führender Diskonter geführt“. Die Preise würden wöchentlich mit Hofer und Lidl verglichen und angepasst. „In jedem Billa steckt jetzt ein Diskonter“, sagt Pöttschacher.
Hintergrund ist wohl, dass die Diskonter wegen der anhaltend hohen Inflationsrate Aufwind verspüren und die Vollsortimenter darauf reagieren müssen. So hatte Lidl, die Nummer vier auf dem heimischen Markt, seinen Nettoumsatz in Österreich im Vorjahr um rund sieben Prozent auf über zwei Milliarden Euro erhöht.
Erfasst von den Diskontpreisen bei Billa seien unterschiedliche Produktbereiche (Markenartikel, Eigenmarken, Obst, Gemüse und Fleisch), gekennzeichnet werden sie durch einen entsprechenden Pfeil. 77 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher vergleichen laut Marketmind-Umfrage regelmäßig Lebensmittelpreise. Kunden wünschen sich demnach „dauerhaft günstige und verlässliche Preise“, betont Billa. „Diese Größenordnung hat es in Österreich noch nicht gegeben“, ist Erich Szuchy, Billa-Vorstandschef, überzeugt.