In Pischelsdorf wird an den Arbeitern der Zukunft geforscht
Roboter, die Menschen ähneln und deren schwere Tätigkeiten übernehmen - bei „Rosendahl Nextrom“ in der Oststeiermark stehen sie am Start. Schon in einem Jahr könnten sie im Einsatz sein.
Es sind Szenen, wie man sie vielleicht aus Online-Videos aus China oder Amerika kennt: Ein Roboter, der im Aufbau und in den Bewegungen an Menschen erinnert, marschiert auf zwei Beinen durch einen Raum. Er dreht sich und bückt sich, geht in alle Richtungen, schwenkt den Kopf und hebt die Arme. Die so realen Abläufe sind verblüffend, irritierend, für manche wohl dystopisch.
Gesteuert wird die etwa eineinhalb Meter hohe und rund 35 Kilogramm schwere Maschine über eine handliche Fernbedienung. Oder durch Bewegungssensoren an einem menschlichen Arm, im konkreten Fall jenem von Agustin Colazo. Der junge Mann mit Wurzeln in Spanien und Argentinien, sein franko-marokkanischer Kollege Yassine El Manyari sowie Enrico Pisanu aus Italien arbeiten seit Ende 2025 intensiv an der nächsten Generation der Roboter, die den Menschen immer ähnlicher werden.
Die nächste Robotergeneration
Die drei Informatiker und Elektroniker sind in einem schmucklosen Labor tätig. Dieses ist bestückt mit Laptops, Computern, Messgeräten, Werkzeugkisten und noch mehr an Material. Und es befindet sich nicht in Kalifornien oder in Shanghai. Sondern in Schachen bei Pischelsdorf. Dort hat der weltweit tätige Anlagenbauer Rosendahl Nextrom sein Hauptquartier. Das Unternehmen ist Teil der Weizer Knill-Gruppe
„Wir arbeiten seit Ende 2025 daran“, sagt Yassine El Manyari, Lead des jungen Teams, ein Start-up in dem Großkonzern. Die Hardware stammt aus China, die Software aus Pischelsdorf. Ein Meilenstein für Rosendahl Nextrom. Der Roboter soll künftig mit den Arbeitern in diversen Werken kooperieren. Derzeit hieven diese rund zehn Kilogramm schwere Bleiblöcke in Maschinen für die Batterienfertigung, insgesamt bis zu 15 Tonnen pro Tag. Bald sollen dies die humanoiden Roboter übernehmen. Wann? „Das dauert nicht mehr lange, in vielleicht einem Jahr“, hofft Geschäftsführer Siegfried Altmann. „Es ist die nächste Generation an Robotern, die unsere Welt versteht und mit Menschen zusammenarbeitet.“ Er spricht von einer „Physical AI“, dem „Next Move“.
Großauftrag für die USA
Extrem spannend ist aber auch die Gegenwart: In der Oststeiermark werden ja Anlagen entwickelt und gebaut, die man etwa für die Produktion von Kabeln, Drähten, Glasfasern und Batterien benötigt. Fasern mit einem Durchmesser von 0,1 Millimetern, Unterseekabel, die 30 Zentimeter stark sind, das Portfolio ist groß. Superrechenzentren werden mit Leitungen aus der Oststeiermark verbunden.
Entwickelt und produziert werden auch Anlagen, die man für die Herstellung von Bestandteilen für Elektromotoren und für Speichermodule und Batterien benötigt. Zu den Kunden gehören die größten Software- und Elektromobil-Konzerne der Welt. Siegfried Altmann, tätig bei Rosendahl seit 40 Jahren, fasst zusammen: „Wir verkaufen das Wissen und die Anlagen und den Betrieb.“ Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, die Nachfrage ist groß.
Jede Maschine ist ein Unikat – auch jene, die vor der Auslieferung nach Pennsylvania (USA) steht. „Sie geht an einen führenden amerikanischen Batterienhersteller“, freut sich Altmann. Hergestellt werden damit Starterbatterien für die Autoindustrie. Rund sechs Millionen Euro ist der Auftrag schwer. Die Anlage ist ein Prototyp, sie ist die größte, die bisher in diesem Bereich gefertigt wurde.
Die Schwenkarme werden durch künstliche Intelligenz gesteuert, sie hieven die Batterieblöcke von Paletten in die Maschine. Diese Anlage ist quasi ein Zwischenschritt von den herkömmlichen Anlagen mit händischer Beladung zur nächsten Generation, in der mit Robotern gearbeitet wird.
Daten und Fakten
1959 gründete Walter Rosendahl in Pischelsdorf eine Firma, um Maschinen für die Kabel- und Drahtindustrie zu erzeugen. 1980 wurde etwa eine Eintaschmaschine entwickelt. 1997 übernahm die Knill-Gruppe die Firma Rosendahl, 2015 erfolgte die Fusion mit dem finnischen Nextrom-Konzern (eine Nokia-Tochter) sowie BM-Rosendahl. 2026 wurde die Firma Windak (Estland), die Anlagen für Kabelverpackungen herstellt, übernommen. Ein Werk gibt es auch in Rumänien.
In der Unternehmenszentrale in Pischelsdorf sind rund 530 Leute, darunter 30 Lehrlinge, beschäftigt. Weltweit sind es mehr als 1200. Der Standort wird bis Ende 2027 ausgebaut, ein neuer Bürotrakt und ein Besucherzentrum werden errichtet.
Die Geschäfte führen Gerhard Jakopic (zuständig für den Vertrieb) und Siegfried Altmann (verantwortlich für die Technik). Der letzte Jahresumsatz betrug rund 230 Millionen Euro. Die Exportquote beträgt rund 98 Prozent.
Eine Serienproduktion ist möglich. Nächste Woche kommen die Kunden aus Amerika zur Abnahme, danach wird die Anlage abgebaut, nach New York verschifft und vor Ort wieder aufgebaut. Anfang 2027 soll sie in Betrieb gehen. „Diese Maschine kann eine Million Batterien pro Jahr herstellen“, weiß Thomas Rotbart, technischer Leiter der Geschäftseinheit Batteriemaschinen. Und Siegfried Altmann, der mit Gerhard Jakopic das Unternehmen leitet, betont: „Unsere Kunden wollen Qualität. Und wir arbeiten mit allen auf Augenhöhe zusammen.“

