Sturm Graz schließt „zweiterfolgreichstes Geschäftsjahr“ ab
Wirtschaftsfaktor Schwarz-Weiß: Wie sich der Umsatz beim SK Sturm entwickelt, welche Investitionen anstehen und wie viel Geld bei einem Transfer tatsächlich in der Vereinskasse landet.

Seit genau zehn Jahren steht der ehemalige Zehnkämpfer Thomas Tebbich als „Geschäftsführer Wirtschaft“ bei Sturm Graz im Sold. Eine schwarz-weiße Dekade, vor allem in jüngerer Zeit geprägt von wirtschaftlichem Wachstum und sportlichen Erfolgen. Zweimal Meister, dreimal Cupsieger, dazu Gruppenphasen in Champions League und Europa League stehen auf der sportlichen Habenseite. Wirtschaftlich sprang der Umsatz als zentrale Kennzahl von rund 16 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2015/16 – Sturm rechnet von Ende Juni bis Ende Juni des Folgejahres – auf den Rekordwert von 92 Millionen Euro im Jahr 2024/25.
„Ein Wert, der, so befürchte ich es, in den kommenden Jahren sehr schwer zu erreichen sein wird“, sagt Tebbich gleich am Beginn des Wirtschaftstalks der Kleinen Zeitung in der „SK Sturm SportsBar – Das Eggenberg“, gelegen zwischen Fußball- und Eisstadion. Denn hauptverantwortlich für die Erlösexplosion war die Teilnahme an der Champions League, die gemeinsam mit Transfers in der Rekordsaison 60 Millionen Euro an „außergewöhnlichen Einnahmen“ brachte.

Umsätze, die im jetzt abgelaufenen Geschäftsjahr, 2025/26, freilich weggebrochen sind. Dennoch erzielte Sturm diesbezüglich das „zweiterfolgreichste Geschäftsjahr der Vereinsgeschichte“, wie Thomas Tebbich wissen lässt. Rund 54 Millionen Euro Umsatz wurden schlagend – und damit knapp drei Millionen mehr als im letzten Prä-Königsklassen-Jahr.
Die Tücken der Transfers
„Der Druck und die Erwartungshaltung sind in den letzten Jahren bei Sturm Graz massiv gestiegen. Wir sehen das aber als Privileg“, sagt Tebbich. Angesprochen auf die Rolle als Führungskraft betont der einstige Profisportler Motive wie „Zusammenhalt“ und eine „transparente Fehlerkultur“.
Betont nachvollziehbar schildert der Sturm-Geschäftsführer auch das emotionale Thema der Transfers. In der Vereinskasse bleibe nämlich selbst bei spektakulären Transaktionen oft nur „ein Bruchteil der Summe übrig, die die Fans vermuten“. Abschmelzend wirken Weiterverkaufsbeteiligungen – im Falle Mika Biereths bekam etwa Arsenal rund 30 Prozent –, Zahlungen an Spielerberater und Spieler oder zuvor getätigte, eigene Investments.
20. November: Übergabe in Puntigam
Viel Geld nimmt Sturm dieser Tage auch in Graz-Puntigam in die Hand. Für ein neues Trainingszentrum werden 18 Millionen Euro investiert, Sturm selbst trägt rund zehn Millionen Euro davon. „Am 20. November ist die finale Übergabe geplant“, sagt Thomas Tebbich beim Wirtschaftstalk. Neben einer Fußballhalle, einem Rasenplatz mit Rasenheizung, zwei Kunstrasenplätzen und einer Tribüne mit 600 Sitzplätzen werden auch neue Büromöglichkeiten geschaffen.
Kritik vonseiten der Sturm-Fans setzte es zuletzt, im Zuge des Europa-League-Spiels gegen Stade Rennes, am Preis und der Verteilung der Spieltagtickets. Thomas Tebbichs Replik: „Wir haben das internationale Abo heuer preislich nicht indexiert, während Stadionmiete, Security, Catering oder Reinigung teurer geworden sind.“

Wie eigentlich läuft die Planung für die Saison 2027/28, wollen wir wissen – immerhin verliert Österreich einen Europacupstartplatz. „Für das Budget 2027/28 haben wir verschiedene Szenarien gezeichnet“, sagt Tebbich. Bleibt die Qualifikation für einen europäischen Bewerb aus, spielt Sturm also „nur“ Bundesliga, werde es „klarerweise Einschnitte geben müssen“.
Dass übrigens der wirtschaftliche Ist-Zustand des Sportvereins nicht als Selbstverständlichkeit wahrgenommen werden sollte, zeigt der Blick auf ein anderes, ein zwanzigjähriges, Jubiläum. Im Oktober 2006 war es, als der SK Sturm einen Konkursantrag einbrachte. Mehrere Millionen Euro Schulden hatten sich aufgetürmt, der Spielbetrieb hing am seidenen Faden. Erst im Jänner 2007 war klar, dass weitergespielt werden kann.
