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Wieso die Gesundenuntersuchung ein Update benötigt

Führende Fachleute fordern Änderungen bei der jährlichen Vorsorgeuntersuchung. Neue Bereiche sollen aufgenommen werden, etwa die Bestimmung des Lipoprotein(a)-Wertes. Es solle nicht mehr, sondern gezielter untersucht werden.

2005 wurde die Vorsorgeuntersuchung zuletzt überarbeitet
© APA
2005 wurde die Vorsorgeuntersuchung zuletzt überarbeitet
Martina Marx
Redakteurin Steiermark-Ressort, Gesundheit

Jedes Jahr können sich Frau und Herr Österreicher der Vorsorgeuntersuchung unterziehen – und das kostenlos. Umgangssprachlich als „Gesundenuntersuchung“ oder auch Gesundheits-Check bekannt, sei diese Kontrolle „eine der wichtigsten Maßnahmen für ein langes, gesundes Leben“, wie es Allgemeinmedizinerin Lisa Veith-Gruber gegenüber der Kleinen Zeitung einmal ausdrückte. Rund 1,4 Millionen Menschen holen sich diesen gesundheitlichen Check-up jedes Jahr. Allerdings: Grundlegend überarbeitet wurde diese Untersuchung zuletzt im Jahr 2005. Führende heimische Fachleute sprechen sich nun für eine dringend notwendige Modernisierung der Gesundenuntersuchung aus. Die Notwendigkeit eines Updates ist gegeben. Denn kardio-renale-metabolische Erkrankungen – also insbesondere Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen – sind eng miteinander verbunden und für rund ein Drittel aller Todesfälle in Österreich verantwortlich.

Wobei es Alexander Rosenkranz, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin und Vorstand der Uniklinik für Innere Medizin am LKH Graz, wichtig ist zu betonen, dass das nicht unbedingt ein „Mehr“ an Untersuchungen bedeutet: „Ein Update bedeutet nicht, einfach immer mehr Untersuchungen für alle anzubieten. Moderne Vorsorge muss vielmehr evidenzbasiert, risikoadaptiert und praktisch umsetzbar sein. Wir müssen die richtigen Untersuchungen zum richtigen Zeitpunkt bei den richtigen Menschen einsetzen.“

Gemeinsame Initiative

Die Österreichische Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM), die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG), die Österreichische Kardiologische Gesellschaft (ÖKG) und die Österreichische Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) haben im Rahmen der Safe Hearts Allianz einen gemeinsamen wissenschaftlichen Vorschlag zur Weiterentwicklung der österreichischen Vorsorgeuntersuchung (Gesundenuntersuchung) erarbeitet.

Kein Wildwuchs an Untersuchungen

Um einen Wildwuchs zu verhindern, wurde die bestehende Vorsorgeuntersuchung mit nationalen Auswertungen, internationalen Screening-Empfehlungen und aktuellen Leitlinien abgeglichen. Am Ende zeigte sich: Fünf Bereiche sollen neu aufgenommen, acht bestehende Bereiche adaptiert werden. Bei drei Fragestellungen wird ein allgemeines Screening asymptomatischer Personen nicht empfohlen.

Ein großer Themenbereich betrifft die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese sind trotz hohem Behandlungsniveau für sich genommen die häufigste Todesursache in Österreich. Verbesserungspotenzial sehen die Fachleute vor allem bei Prävention und Früherkennung. „Wir müssen das persönliche Herz-Kreislauf-Risiko als Ganzes erfassen. Dazu gehören nicht nur Blutdruck und Laborwerte, sondern auch Übergewicht, Tabakkonsum, Ernährung und Bewegung sowie geschlechtsspezifische Faktoren“, erklärt Daniel Scherr, Präsident der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG) und Stv. Leiter der klinischen Abteilung für Kardiologie am Uni-Klinikum Graz. „Gleichzeitig müssen wir einzelne Punkte der Vorsorge gezielt nachschärfen: mit einem vollständigen Lipidprofil, einer konsequenten Blutdruckmessung und einer opportunistischen Pulskontrolle ab 65 Jahren. Bei einem auffälligen Puls soll ein EKG die Diagnose sichern.“ Auch die Patientinnen und Patienten sollten ihr persönliches Risiko und ihre Werte kennen. Wer Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker und die eigenen Risikofaktoren kennt, kann früher und gezielter handeln.

Alexander Rosenkranz, Kathrin Eller, Daniel Scherr, Harald Sourij haben gemeinsam Vorschläge für die Modernisierung der Vorsorgeuntersuchung präsentiert (von links)
© fotodienst / A. Rauchenberger
Alexander Rosenkranz, Kathrin Eller, Daniel Scherr, Harald Sourij haben gemeinsam Vorschläge für die Modernisierung der Vorsorgeuntersuchung präsentiert (von links)

Erkrankungen früh erkennen und behandeln

Auch in Bezug auf Diabetes-Vorsorge werden Neuerungen vorgeschlagen. Immerhin leben in Österreich rund 700.000 Menschen mit Diabetes mellitus. Zudem leiden knapp drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung an einem bislang nicht diagnostizierten Diabetes und etwa 19 Prozent weisen Prädiabetes auf. Vor allem Übergewicht, Adipositas und höheres Alter erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Störungen des Zuckerstoffwechsels. Bei Risikopersonen sollen deshalb künftig Nüchternblutzucker und HbA1c gemeinsam bestimmt werden. Menschen mit Prädiabetes sollten engmaschiger kontrolliert werden. In Bezug auf den Fettstoffwechsel sollen nicht nur, wie schon jetzt, Gesamtcholesterin und HDL-Cholesterin erhoben werden, sondern künftig ein vollständiges Lipidprofil erhoben werden. Auch der Risikomarker Lipoprotein(a) soll einmalig erhoben werden.

„Mit der Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen können wir zahlreiche Fälle von unerkanntem Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen identifizieren, das kardiovaskuläre Risiko besser einschätzen und die Therapie früher planen, um Folgeerkrankungen zu verhindern“, sagt Harald Sourij, Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) und stellvertretender Leiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie am Uni-Klinikum Graz.

Zwei besondere Nierenparameter

Ähnliches betrifft auch die Früherkennung chronischer Nierenerkrankungen. Ohne eindeutige Beschwerden zu verursachen, können sich diese Erkrankungen über Jahre entwickeln – etwa eine von zehn Personen ist davon betroffen. Die Fachleute plädieren dafür, bei Risikopersonen zwei bestimmte Laborparameter zu erheben. Auch weil die aktuell eingesetzte Harnstreifenuntersuchung nicht ausreichend genau ist. Zu den Risikofaktoren zählen: Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie oder kardiovaskuläre Erkrankungen. „Wer Prävention ernst nimmt, muss Nierengesundheit messbar machen. Dafür brauchen wir zwei Zahlen: eGFR und uACR“, sagt Kathrin Eller, Vorsitzende der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) und stellvertretende Leiterin der Klinischen Abteilung für Nephrologie am Uni-Klinikum Graz. Diese Kürzel stehen für geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) aus dem Blut sowie den Albumin-Kreatinin-Quotienten im Harn (uACR).

Finanziert werden könnte das Update der Vorsorgeuntersuchung, so wie Experten unisono, aus dem Gesundheitsreformfonds. Die dazugehörige Verordnung aus dem März 2026 sieht jährlich zusätzliche 50 Millionen Euro für Screening und zielgruppendifferenzierte Vorsorgeangebote vor.

Vorsorge-Untersuchung

Egal, ob man Gesundenuntersuchung, Gesundheits-Check oder jährliche Vorsorgeuntersuchung dazu sagt: Alle Personen ab 18 Jahren können in Österreich einmal im Jahr zum Gesundheits-Check gehen. Erste Anlaufstelle ist im besten Fall die Hausärztin oder der Hausarzt (mit Vorsorgeuntersuchungs-Vertrag) . Auch bei Gesundheitszentren der ÖGK kann dieser durchgeführt werden.