Unfalldrama bei Eggersdorf: „Es ist so schlimm, ein junger Mensch musste sterben“
Samstagfrüh krachte ein 19-Jähriger mit seinem Auto in ein Haus. Der junge Mann verstarb, unter den Anrainerinnen und Anrainern ist die Betroffenheit groß. Es gibt aber auch leise Kritik.
Dienstagvormittag an der Bundesstraße 65 in Brodersdorf, einer Straßensiedlung auf halbem Weg zwischen Gleisdorf und Eggersdorf. Die Hälfte der viel befahrenen Straße ist mit einem Bauzaun und Betonteilen abgesperrt, Arbeiter stellen gerade eine provisorische Ampel auf. Wenige Meter entfernt reißt ein Bagger den Vorbau eines Hauses ab. Eine Mauer fehlt, die Einrichtung der Küche ist zu sehen.
Samstag in den frühen Morgenstunden hinterließ dort ein Drama tiefe Wunden. Ein junger Mann, nicht weit entfernt daheim, krachte mit seinem Auto in das Mehrparteienhaus. Tempo 50 ist dort erlaubt. Kurz vor dem Ortsgebiet hatte er noch mehrere Autos überholt. Dann kam er rechts von der Straße ab und wurde über eine Böschung gegen die Mauer katapultiert. Das Auto steckte in mehreren Metern Höhe in der Hauswand. Wenige Meter davon schlief ein Mann in der Wohnung. Er blieb unverletzt. Der Unfalllenker musste aus dem Auto geschnitten werden. Er verstarb im LKH Graz. Im Auto fand die Polizei Alkohol sowie Suchtgiftutensilien.
Tiefe Betroffenheit
Tief betroffen sind Dienstagvormittag die Nachbarn, die in dem U-förmigen Mehrparteienhaus am Unfallort leben. Der vordere Teil ist einsturzgefährdet. Aber was ist das im Vergleich zu einem Menschenleben? „Es ist so schlimm, so ein junger Mensch musste sterben“, sagt eine junge Mutter. Ihr kleines Mädchen spielt mit einem Kunststoffhund, läuft im Hof herum.
Vom Aufprall des Autos Samstag gegen fünf Uhr Früh bekam sie nichts mit. Ihre Mama schon: „Es war wie ein Bombeneinschlag. Ich sagte zu meinem Mann: ‚Ruf die Rettung.‘ Dann sind wir runter zur Unfallstelle, konnten aber nicht mehr helfen.“ Namentlich genannt werden will sie nicht.
Ein Haus weiter wohnen Gertrude und Peter Karner. „Wir haben den Einschlag gehört, es klang für mich so, als ob eine Blechtafel umfällt“, erinnert sich Gertrude Karner an die tragischen Augenblicke. Vom Haus aus sah sie dann Autos mit eingeschalteten Warnblinkanlagen. „Wir dachten dann an einen Auffahrunfall, dann hörten wir schon die Sirenen.“ Es sollte viel schlimmer kommen, als sie sich zunächst ausgemalt hatte.
Die Polizei, die Rettung, der Notarzt und knapp 50 Feuerwehrleute aus Haselbach und Ludersdorf, sie alle waren schon wenige Minuten nach dem Unfall vor Ort in Brodersdorf. „Die Gefahr für die Einsatzkräfte war groß, das Haus war einsturzgefährdet. Gott sei Dank haben wir nicht so oft so ein Szenario“, schilderte Gerald Seidl, Kommandant der Feuerwehr Ludersdorf. Der Einsatz war komplex. „Wir mussten das Dach letztlich nach hinten aufbiegen, um den Verunfallten über den Fahrersitz von oben heraus zu befreien“.
Trauer und Kritik
Kerzen wurden an der Unfallstelle abgestellt. „Am Abend waren Burschen da, um Abschied zu nehmen“, erinnert sich ein Mann, der nahe der beschädigten Wohnung lebt. Er will nicht namentlich aufscheinen. Seine Betroffenheit ist offensichtlich.
Was er aber, wie auch die anderen Nachbarn, kritisieren: „Hier ist Ortsgebiet und trotzdem schweißen viele wie wahnsinnig vorbei. Wir hatten das ganze Wochenende Angst, dass wer in die Absperrung rast.“ Seine unmittelbare Nachbarin sieht dies ähnlich: „Wir hatten in den vergangenen fünf Jahren vier schwere Unfälle. Es ist jeder Zweite zu schnell unterwegs. Es ist viel zu gefährlich. Es gibt keinen Zebrastreifen, keinen durchgängigen Fußgängerweg.“ Einen Radarkasten gibt es zwar im Ort. „Aber gleich danach geben alle wieder Gas.“
Auch Gertrude und Peter Karner, einst selbst Mitglied des Gemeinderates, nehmen dies immer wieder wahr. „Es gab da auch schon Gespräche mit dem Land“, erinnert sich Peter Karner. Freilich, entschärft wurde die Ortsdurchfahrt nicht. „Es ist schwierig, hier über die Straße zu kommen, mir tun da auch die Schulkinder leid“, ergänzt Gertrude Karner.
Im Gemeindeamt von Eggersdorf musste indes Bürgermeister Reinhard Pichler schnell eine Ersatzwohnung für den direkt betroffenen Nachbarn organisieren. „Gott sei Dank hat er nicht mehr abgekriegt als einen Schock.“ Und Pichler betont mit leiser Stimme: „Unser tiefstes Mitgefühl gilt den Eltern des Unfalllenkers.“