Tieschener Winzer kämpft sich nach Unfall zurück in den Weinkeller
Im Juni wurde Winzer Alois Gollenz aus Tieschen im Weingarten von seinem Weinbautraktor überrollt. Die Weinlese meisterte er auf Krücken und mit Unterstützung der Familie.

Im Weinkeller von Winzer Alois Gollenz in Tieschen vermischen sich dieser Tage wieder der süßliche Duft frisch geernteter Trauben und der herbe, säuerliche Geruch angesetzter Maische. „Die Ernte ist dieses Jahr sehr gut. Der Wein war zwar früher reif, dafür haben wir aber wunderschöne Trauben mit gutem Säure- und Zuckergehalt. Der Ertrag liegt mit 7,5 Tonnen pro Hektar im Durchschnitt“, schwärmt „Eruptionswinzer“ Alois Gollenz.
Wenn man den 37-Jährigen beobachtet, könnte man meinen, alles sei wie immer: In der einen Minute delegiert er Aufgaben an seine Erntehelferinnen und Erntehelfer, in der nächsten kontrolliert er die Qualität der Maische in den Edelstahltanks. Gollenz ist mittendrin im Geschehen. Dass er bei der heurigen Lese dabei ist und im Weinkeller steht, ist aber alles andere als selbstverständlich, denn erst im Juni wurde der Tieschener in einem seiner Weingärten von seinem Weingartentraktor überrollt.
Zweiter Geburtstag für den Eruptionswinzer
An den verhängnisvollen Moment kann sich Gollenz noch genau erinnern: „Ich wollte Laub heften und war dabei, den Arbeitsvorgang zu starten. Ich habe aber den ‚kleinen Gang‘ dafür nicht reingebracht, also bin ich vom Traktor abgestiegen, um nachzuschauen.“ Während er mit den Händen am Ganghebel hantiert habe, habe er versehentlich mit dem Fuß einen anderen Gang eingelegt, schildert er die Situation. Daraufhin hat sich der Weingartentraktor plötzlich in Gang gesetzt: „Ich war zwischendrin, bin umgefallen und dann ist der Traktor über meine rechte Körperhälfte drübergerollt."
Das rechte Bein, sechs Rippen und die rechte Schulter hat er sich dabei gebrochen. Eineinhalb Monate verbrachte er im Rollstuhl. Mittlerweile kann Gollenz wieder gehen, die Krücken hat er aber noch griffbereit. Dass der Unfall nicht noch schlimmer ausgegangen ist, sei dem Umstand geschuldet, dass das Arbeitsgerät auf der rechten Seite des Traktors angebracht war, meint Gollenz: „Da hatte ich ein paar Schutzengel und kann meinen zweiten Geburtstag feiern."
Winzeralltag auf Krücken
Wie schafft er es, drei Monate später schon wieder mit vollem Elan im Betrieb zu stehen? „Es ist Erntezeit, da spüre ich so viel Adrenalin, dass ich die Schmerzen vergesse.“ Dass es ihm mittlerweile wieder besser geht, zeigt Gollenz auch auf Facebook. In den vergangenen Wochen hat er mehrfach Videos hochgeladen, die zeigen, wie er den stressigen Winzeralltag mit Krücken meistert. „Viele andere würden nach so einem Unfall wahrscheinlich noch bis Ende des Jahres im Krankenstand bleiben. Mit einem landwirtschaftlichen Betrieb geht das aber nicht“, erklärt er.
Besonders hart war der zweite Monat nach dem Unfall, erzählt Gollenz, denn erst da sei ihm bewusst geworden, was alles zumindest für den Moment nicht möglich war. „Ich bin ein geselliger Typ und gerne viel unterwegs. Wenn du zuhause liegst, nirgendwohin kommst und keine Leute oder Geschäftspartner triffst, hast du schnell das Gefühl, den Anschluss zu verlieren.“
Außerdem trieb ihn die Sorge um, wie man die Weinlese gut über die Bühne bringen soll – schließlich fiel sein Unfall in die arbeitsintensivsten Monate für einen Winzer. „Mit mir ist eine Arbeitskraft weggefallen, die 60 bis 80 Stunden die Woche im Weingarten ist. Auch mein Praktikant hatte zur gleichen Zeit einen Unfall und fiel aus“, schildert Gollenz.
Rückhalt von Familie und Freunden
In dieser Zeit waren seine Familie und Freunde eine große Stütze: „Mein Vater und meine Frau Kerstin haben viel im Weingarten übernommen. Aber auch mein 15-jähriger Neffe hat mitgeholfen“, erzählt er. Und auch auf seine Winzerkollegen konnte Gollenz zählen. Sie sprangen spontan ein, wenn Not am Mann war, erzählt der Winzer.
Die Weinlese war übrigens nicht der einzige Ansporn für Gollenz, so schnell wie möglich fit zu werden. „Dass ich heuer nicht Ski fahren kann, hat meinen Töchtern am meisten Sorgen bereitet. Wir haben das diesen Winter nämlich geplant“, verrät Gollenz schmunzelnd.