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Bräutigam mit fast 98 Jahren: Leben, Lieben und Sterben im Steirerland

Die älteste Braut 2025 war 91 Jahre alt, die längstdienenden Eheleute vor dem Scheidungsrichter haben sich nach 63 Jahren getrennt. Und: Im Steirerland kommen immer weniger Kinder zur Welt.

Drum prüfe, wer sich ewig ... Die Gesamtscheidungsrate liegt in der Steiermark bei 36,1 Prozent
© IMAGO/Daniel Scharinger
Drum prüfe, wer sich ewig ... Die Gesamtscheidungsrate liegt in der Steiermark bei 36,1 Prozent

Die Romantik sucht man in diesem Konvolut aus Zahlen vergeblich. Und doch erzählt der neue Band der Landesstatistik zur „natürlichen Bevölkerungsbewegung 2025“ alles darüber, wie wir im Steirerland leben, uns trauen, Kinder in die Welt setzen und schließlich sterben.

Ganz insgesamt setzt sich der Trend fort, dass wir mit der seit Jahrzehnten stark steigenden Lebenserwartung uns mit allem ein wenig mehr Zeit lassen. Wobei bei den Frauen im Vorjahr die Lebenserwartung (bei der Geburt) von 84,8 auf 84,5 Jahre gesunken ist. Bei Männern ist sie hingegen leicht auf 80 Jahre gestiegen. Im Vergleich zu Beginn der 1970er-Jahre ist die Lebenserwartung bei Männern um fast 13 Jahre gestiegen, bei den Frauen um 11 Jahre. Die älteste Steirerin, die im Vorjahr verstarb, war 106 Jahre, der älteste Steirer 105,5 Jahre alt.

101 gleichgeschlechtliche Trauungen

Es wird immer später geheiratet. 6275 Ehen wurden 2025 geschlossen, um 325 oder 4,9 Prozent weniger als 2024. „Trotz eines Rückgangs ist das immer noch der siebenthöchste Wert seit 1987“, erläutert Martin Mayer, Referatsleiter der Landesstatistik. Im Mittel (Median) war der Bräutigam im Vorjahr 36,8 Jahre alt, die Braut 34,4 Jahre. Bei Männern ist das mittlere Heiratsalter seit 2015 um 1,2 Jahre angestiegen, bei Frauen sogar um 1,8 Jahre. Der älteste Bräutigam war im Vorjahr fast 98 Jahre alt, die jüngsten Herren am Standesamt waren 18, die älteste Braut 91 Jahre alt, die jüngste 16. Für drei Männer und vier Frauen war es bereits die fünfte Eheschließung. 101 gleichgeschlechtliche Paare trauten sich, 54 männliche und 47 weibliche.

Kurz vor der Eisernen Hochzeit das Handtuch geworfen

Mit 2072 Scheidungen verzeichnen die Statistiker für 2025 den achtniedrigsten Wert seit 1991, es sind aber plus 10,7 Prozent im Vergleich zu 2024. Die Gesamtscheidungsrate liegt bei 36,1 Prozent. Die häufigsten Scheidungen gab es laut einer Fünf-Jahres-Auswertung in den Bezirken Leibnitz und Graz-Umgebung, die wenigsten in Murau und der Südoststeiermark. Die längstdienenden Eheleute warfen nach 63 Jahren, knapp vor der Eisernen Hochzeit, vor dem Scheidungsrichter das Handtuch. Zehn Ehen wurden im Vorjahr nach 50 oder mehr Ehejahren geschieden. Die kürzeste Ehe war nach 6,5 Monaten schon wieder vorbei. Die Altersspanne der geschiedenen Frauen reichte von 16 bis 74 Jahren. Bei den Männern war der jüngste Geschiedene 18 Jahre alt, der älteste 81. Im Mittel (Median) waren die Frauen zum Zeitpunkt der Scheidung 43,0 Jahre, die Männer 46,7 Jahre alt.

Talfahrt bei den Geburten geht weiter

Bei den Geburten ging die Talfahrt, wie bereits berichtet, weiter. Im Jahr 2025 erblickten mit 9680 Kindern in der Steiermark noch einmal um 258 kleine Erdenbürger (-2,6 Prozent) weniger das Licht der Welt als beim historischen Tiefstand 2024. Im Jahr 2021 waren es noch 11.357 Geburten. Das Geburtendefizit hat sich 2025 damit weiter vergrößert und liegt in absoluten Zahlen bei 3824 mehr Sterbefällen als Geburten. Das ist der höchste Wert seit 1945.

„Durch den Geburtenrückgang hat sich die Zahl der Kinder pro Frau von 1,28 im Jahr 2024 auf 1,26 im Vorjahr reduziert“, trifft Mayer eine beunruhigende Prognose: „Setzt sich dieser Trend fort, wird in etwa jede dritte Frau überhaupt keine Kinder mehr bekommen.“ Das Durchschnittsalter der Erstgebärenden liegt bei 30,3 Jahren. 1990 lag es noch bei 25,9 Jahren.

Wachstum nur durch Zuwanderer

Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung in der Steiermark deutlich schrumpfen. Im Vorjahr legten wir ja nur um 48 Einwohner zu. 2081 Lebendgeborene mit ausländischer Staatsangehörigkeit machen mit 21,5 Prozent 2025 wieder über ein Fünftel der gesamten Lebendgeburten eines Jahres in der Steiermark aus.

Weizerinnen sind am fruchtbarsten

Was in der regionalen Verteilung auffällt: Der Bezirk Weiz ist in Bezug auf Kinder pro Frau im Fünf-Jahres-Schnitt der fruchtbarste im Land. Hier ist übrigens auch die Lebenserwartung die höchste in der Steiermark. Relativ gesehen sind in Graz-Stadt mit 9,8 und Graz-Umgebung mit 7,6 je 1000 Einwohner am meisten Geburten registriert worden, gefolgt von Weiz (7,4 auf 1000 Einwohner). Graz hat die Nase vorne, weil hier eine hohe Zahl an migrantischen Familien lebt. Die Hälfte aller Grazer Geburten stammen von Müttern mit Geburtsort im Ausland.

Uneheliche Kinder: Bezirk Murau ist Staatsmeister

Mit 64,3 Prozent unehelich geborenen Kindern liegt der Bezirk Murau sogar österreichweit auf Platz 1, gefolgt von Südoststeiermark mit 51,7 und Voitsberg 51,3 Prozent. In der Steiermark insgesamt kommen in etwa zwei von fünf Kindern unehelich auf die Welt (42,4%).