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Quo vadis, MotoGP? Erneut Negativrekord am Spielberg-Wochenende

101.500 Besucher bei der MotoGP – so wenige waren es noch nie. Der neue Termin im Herbst hat keine Trendumkehr gebracht. Warum läuft es nicht für die Motorrad-WM in Österreich? Fans haben dazu eine klare Meinung.

Tolle Kulisse: Das Murtal lieferte einmal mehr eine herrliche Kulisse und schickte wunderbare Bilder um die Welt
© GEPA pictures
Tolle Kulisse: Das Murtal lieferte einmal mehr eine herrliche Kulisse und schickte wunderbare Bilder um die Welt
Sarah Ruckhofer
Stv. Ressortleiterin Regionalredaktionen Steiermark, Teamleiterin Regionalredaktion Murtal & Murau

Am Ende war es ein Wochenende wie aus dem Bilderbuch – eigentlich. Als die Rider der MotoGP pünktlich um 14 Uhr ihre Maschinen starteten, zeigte sich das Murtal von seiner schönsten Seite. Tiefblauer Himmel, spätsommerliche Temperaturen (aber keine Hitze!), rot-weiß-rote Fahnen, – wieder gingen traumhafte Bilder aus der Steiermark um die Welt.

Wären da nicht die halb leeren Tribünen am Sprintsamstag, die vielen leeren Plätze am Rennsonntag, die die Idylle trübten. Es lässt sich weder totschweigen noch ignorieren: Die MotoGP in Spielberg hat ein Zuschauerproblem. Den Negativtrend konnte auch der neue Termin im September, abseits der Ferienzeit, nicht bremsen. Noch bevor das Rennen startete, gab der Veranstalter am Sonntag die offiziellen Zahlen bekannt: 101.500 Besucher zählte man am Wochenende – ein bitterer Negativrekord. Zum Vergleich: 117.560 Fans waren es im Vorjahr, wo ebenfalls ein Minusrekord aufgestellt wurde. Zu Glanzzeiten lockte die MotoGP mehr als 200.000 Fans ins Murtal, sogar 2024 waren es noch mehr als 150.000. Über die Gründe wird eifrig spekuliert, das Besucherproblem war abseits des Sportlichen das prägende Thema am Wochenende.

Mit Glühwein gegen die kalten Nächte

Glaubt man den Fans, hat der Herbsttermin den Abwärtstrend nicht gebremst, sondern eher noch befeuert: „Frag’ mal die Camper, es ist einfach zu kalt in den Nächten“, erzählt etwa Felix aus Graz. Wir treffen ihn am Morgen im dichten Nebel, das Thermometer zeigt acht Grad. „Tagsüber ist es ja ganz cool, aber in der Nacht frierst du einfach abartig. Wir haben Glühwein getrunken und sind mit Winterjacke schlafen gegangen. Das macht keinen Spaß.“

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Stundenlang warteten einige Fans vor dem „Hero Walk“ am Sonntag
Stundenlang warteten einige Fans vor dem „Hero Walk“ am Sonntag © Richard Purgstaller

Als Tagesgäste kamen Maria, Stephan und Jonas aus Baden bei Wien nach Spielberg. Die drei Biker aus Leidenschaft sind Stammgäste in Spielberg: „Wir haben immer hier gecampt, aber das Wetter war uns zu unsicher. Herbst im Murtal? Da hätte es schneien können. Also fahren wir heute halt wieder heim.“ Apropos Schnee, der war tatsächlich ein Thema in Spielberg und ein kleiner Höhepunkt auf Instagram: Die großen Pappeln vor dem Start-Ziel-Gebäude bedeckten das Gelände mit ihren Samen, auch Pappelflaum oder -wolle genannt. Wie Schnee wirbelten die Fasern über die Rennstrecke und sorgten für witzige Fotos.

Rahmenprogramm und Kosten-Debatte

Doch zurück zu Spielberg und seinen Problemen. Was kann man noch tun, um die Fans bei Laune zu halten? Das Rahmenprogramm war wieder dicht gefüllt: Shows, Live-Musik, erstmals drei verschiedene Fan-Bereiche. Ein solches Zusatzangebot gibt es selten. Dazu die steirische Herzlichkeit, Frühschoppen mit der Blasmusik, zahlreiche Programmpunkte mit den MotoGP-Stars... Kurzum: Mangelnde Bemühungen kann man den Veranstaltern wirklich nicht vorwerfen.

Im Rahmenprogramm wurde den Fans viel geboten
© Richard Purgstaller
Im Rahmenprogramm wurde den Fans viel geboten

Was also muss sich ändern? Vor dem MotoGP-Hero Walk, bei dem die Fans ihre Idole hautnah erleben können, fragen wir uns durch die Hunderten wartenden Fans. Die Antworten gleichen sich frappant: Der Termin sei zu spät, die Kosten zu hoch. „Es ist egal ob Essen oder Trinken oder die Tickets, das kriegst du anderso mittlerweile viel billiger“, sagt Manuel aus Linz und erntet breite Zustimmung. „Einige Freunde sind heuer das erste Mal daheim geblieben, weil es ihnen zu teuer ist. Und ich fahre nächstes Jahr wahrscheinlich auch woanders hin.“

Unglücklicher Termin?

Marquez-Fans der ersten Stunde sind Giulia und Emilia aus Italien. Die Schwestern haben Verwandtschaft in Graz und kommen seit vielen Jahren nach Spielberg. Sie sind voll des Lobes: „Es ist so sauber, so gut organisiert. Das findest du sonst nirgends.“ Trotzdem verstehen auch sie die Fans, die fernbleiben: „September ist ein wirklich blöder Termin. Sogar das Campen ist mittlerweile teuer geworden, dafür musst du um zwei Uhr schlafen gehen, weil alle die Musik abdrehen. Das macht keinen Spaß mehr.“

Fast seine Ehe für die MotoGP riskiert hat Max aus Tirol: „Meine Tochter ist in die Schule gekommen, meine Frau wollte nicht, dass ich die halbe Woche nicht da bin. Es hat gedauert, bis ich sie überzeugen konnte.“ Hat es sich gelohnt? „Jein. Wir sind anderes gewohnt, es war total ruhig. In Summe muss man sich echt fragen, ob es das wert ist.“

Dem Vernehmen nach soll die MotoGP 2027 wieder in den August rücken. Heiße Partynächte statt Lagerfeuer und Glühwein? Camper, Campingplatzbetreiber und Gastronomen würden das jedenfalls begrüßen.

MotoGP in Spielberg