Gustl Auinger: „Den Rennfahrern fehlt das Werkzeug, um Helden zu werden“
Ex-MotoGP-Profi und Rookie-Cup-Mentor Gustl Auinger spricht in Spielberg über die schwierige Zukunft des Nachwuchses nach der Veranstalterpleite – und findet klare Worte zu den schwindenden Zuschauerzahlen.

Der Sommer startete für Gustl Auinger mit einer Hiobsbotschaft. Wie berichtet, meldete die BG Sportpromotion GmbH in Spielberg Insolvenz an. Das kleine Unternehmen stand hinter einer ganzen Reihe von bekannten Veranstaltungen, außerdem mehreren Nachwuchsserien wie MotoMini Austria, Austrian Junior Cup und KTM Junior Cup. „Diese Pleite kam aus heiterem Himmel, das hat mich wirklich am falschen Fuß erwischt“, seufzt Auinger.
Der ehemalige Motorrad-WM-Rennsieger aus Fohnsdorf ist Schirmherr der MotoMini Austria und betreut den Rookies-Cup der MotoGP. Wenn er über „seine“ Kids spricht, leuchten seine Augen. Man merkt: Der 71-Jährige brennt für den Nachwuchs. Sogar sein Engagement als Servus-TV-Kommentator hat er am Spielberg-Wochenende zurückgefahren: „Ich will mich ganz auf die jungen Talente konzentrieren“.
„Das konnte ich nicht zulassen“
Die MotoMini ist Österreichs offizielle Motorrad-Nachwuchsrennserie für Acht- bis Vierzehnjährige und Teil der MotoMini-World Series. Die Serie gilt als Sprungbrett in die MotoGP, rund 40 Fahrerinnen und Fahrer gibt es derzeit. „Und genau vor dem letzten Saisonrennen kam die Pleite. Das konnte ich nicht zulassen.“ Intensive Gespräche mit dem Masseverwalter folgten: „Das ist etwas, was ich nie wieder tun will. Da prallen Welten aufeinander“, schmunzelt der Murtaler. Letztlich griff er tief in die eigene Tasche, um den Kindern ihr letztes Rennen zu ermöglichen. „Diese Serie haben wir mit so viel Herzblut ins Leben gerufen. Einfach zu sagen: aus, das war es, das hab‘ ich nicht übers Herz gebracht.“
Und die Zukunft? „Da laufen sehr gute Gespräche mit jemandem, der Gefallen gefunden hat an der Serie und der selbst mit Leib und Seele Motorradfahrer ist.“ Vertraglich sei man sich weitgehend einig, auch die Partnerschaft mit Red Bull sei weiterhin auf Schiene. Rückenwind für die Nachwuchsarbeit kommt von der MotoGP selbst: „Wir werden immer gefragt: Wann kommt ein Österreicher? Dafür hat ein wichtiger Baustein gefehlt, nämlich der Einstieg in den Sport.“
Schwierige Nachwuchsarbeit
Im Vergleich mit anderen Nationen habe Österreich noch immer massiven Aufholbedarf: „Uns fehlt eine starke Minibike-Szene, wie es sie etwa in Deutschland gibt. Wenn du nach Spanien schaust: Da steht die ganze Nation dahinter. Wenn da ein Kind über eine Wiese fährt, regt sich keiner auf. Im Vergleich haben wir in Österreich einfach nix, wo die Kinder hinkönnen.“ Geld sei beim Einstieg in den Zweiradsport, anders als etwa bei der Formel 1, nicht das prägende Thema: „Mit unter 10.000 Euro kommst du anfangs durch eine Saison. Aber es dauert, bis man Erfolge erntet. Den Sport zu mögen ist zu wenig, man muss ihn lieben!“
„Ein Marcquez hat nicht das Fahren verlernt“
Fehlt der MotoGP ein Österreicher? „Zu sagen, es gibt kein Zugpferd und damit ist alles erklärt – da macht man es sich viel zu einfach“, schüttelt Gustl Auinger mit Blick auf sinkenden Zuschauerzahlen in Spielberg vehement den Kopf. „Schauen wir zurück, als alle die MotoGP beneidet haben, weil so viele Fans kamen. Auch damals gab es weit und breit keinen Einheimischen. Aber Rennen, wo du gesagt hast: Bist du deppert! Das muss ich mir live anschauen. Stoner, Lorenzo, Rossi...“ Für Auinger, der die MotoGP seit vielen Jahrzehnten begleitet, liegen die Probleme der Serie klar auf der Hand: „Es liegt sicher nicht an den Fahrern. Glaubst du, ein Márquez hat plötzlich das Fahren verlernt? Ein Acosta? Da schießen mir die Tränen in die Augen, wenn ich da zuschaue! Die Reglementierung wird immer enger.“
Mit dem Einheitsreifen von Michelin sei das Feld „brutal eng“ geworden: „Du kannst nicht mehr fahren, wie du möchtest. Du kannst deine Stärken nicht mehr ausspielen. Alles ist so eng zusammengerückt – die Rennen sind langweilig geworden“, kritisiert der ehemalige Motorradprofi. „Der Start ist der Knaller, dann vielleicht noch zwei Runden, dann kannst du nur mehr warten. Den Rennfahrern fehlt das Werkzeug, um Helden zu werden.“
Sinkende Besucherzahlen: „Fans sind nicht blöd“
Als Beispiel nennt Auinger den türkischen MotoGP-Rider Toprak Razgatlıoğlu: „Der hat was drauf! In der Superbike-WM hat der eine riesige Lücke hinterlassen. Und seit er in der MotoGP ist, hat er noch keinen überholt. Der hat ja nicht das Fahren verlernt, es fehlt schlicht und ergreifend das Werkzeug.“

Die Entwicklung der Besucherzahlen in der MotoGP spricht für Gustl Auinger eine klare Sprache: „Der Wettbewerb wird eingedämmt, der Showfaktor gepusht. Klar, dass das Interesse schwindet. Man versucht, eine Show zu kreieren, die dann aber nicht kommt. Das ganze Spektakel konzentriert sich auf Fernsehzuseher. Aber was tut man für die, die herkommen? Darüber sollte man nachdenken. Die Zuschauer sind nicht zu faul, sie sind nicht uninteressiert. Aber sie sind auch nicht blöd.“