Primar an der Radiologie in Klagenfurt muss jetzt triagieren
Wie lange Patienten mit Schlaganfällen, Aneurysmen oder Thrombosen fallweise für Untersuchungen nach Graz geflogen werden müssen, ist offen. Spezialist sagte Wechsel zur Kabeg ab.

Nach der Kündigung von vier Ärzten auf der Abteilung für Interventionelle Radiologie spricht die Kabeg offiziell von einer „personellen Engpass-Situation“. Weil die interventionelle Radiologie am Klinikum Klagenfurt derzeit nur in der Kerndienstzeit von 7.30 Uhr bis 14.30 Uhr immer besetzt ist, musste beispielsweise am vergangenen Wochenende wieder ein Akut-Patient mit einem Arterienverschluss zur Versorgung an die Med Uniklinik Graz (MUG) geflogen werden. Er sei erfolgreich behandelt worden, so das Klinikum. Beim Transport habe es keine Verzögerungen und Komplikationen gegeben.
Wenn – wie am letzten Wochenende – mehrere Patienten gleichzeitig im Klinikum eintreffen, wird triagiert. „An Tagen, an denen aufgrund der personellen Situation kein dezidierter interventioneller Radiologe außerhalb der Kerndienstzeit in der Rufbereitschaft zur Verfügung steht, übernimmt der Primarius der Radiologie am Klinikum Klagenfurt (Bernhard Petritsch, Anm.) die zentrale Funktion als Koordinator und Kommunikationsschnittstelle zur MUG sowie als Triage-Verantwortlicher vor Ort“, beschreibt die Kabeg auf Anfrage das Procedere. Bei der Triage werden Patienten nach der Schwere ihrer Verletzungen oder Erkrankungen eingestuft, damit diejenigen, die am dringendsten Hilfe benötigen, zuerst zum Zug kommen.
Nicht immer ist eine Verlegung erforderlich
Jeder Fall werde vor Ort interdisziplinär mit allen zuständigen klinischen Partnerdisziplinen besprochen, ob eine Versorgung vor Ort möglich und indiziert ist oder eine Verlegung bzw. Übernahme durch das interventionelle Team der MUG erforderlich ist. „Im Regelfall benötigen beispielsweise nur zehn Prozent der Schlaganfall-Patienten eine Behandlung durch interventionelle Radiologen.“ Die Zusammenarbeit funktioniere sehr gut, heißt es. Und laufe „bis zu dem Zeitpunkt, an dem die personelle Situation es zulässt, auch außerhalb der regulären Dienstzeit wieder einen Bereitschaftsdienst vollumfänglich zu gewährleisten.“
Ziel ist die nachhaltige Absicherung der interventionellen Radiologie am Klinikum Klagenfurt.
— Beate Prettner,, Gesundheitsreferentin
Der steirische Spitalslandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) betont jedenfalls, die Nachbarschaftshilfe könne „keine Dauerlösung“ sein. Das sieht die Kärntner Gesundheitslandesrätin Beate Prettner (SPÖ) ein und spricht von einer „Übergangslösung“ und einem „Sicherheitsnetz“. Ziel sei die nachhaltige Absicherung der Radiologie am Klinikum. Auch Kabeg-Zentralbetriebsrat Michael Kraxner fordert eine rasche Lösung: „Ich habe selbst als Radiologietechnologe fünf Jahre an dieser Abteilung gearbeitet und weiß, was Ärzte hier seit Jahren geleistet haben. Es gilt, Kollegen zu halten und neue zu lukrieren.“

Die Aussage von Landeshauptmann Daniel Fellner, Ärztinnen und Ärzte befänden sich in einer „einzigartigen Gehaltsklasse“, halte ich aktuell für wenig hilfreich.
— Markus Opriessnig,, Präsident Ärztekammer Kärnten
Momentan gelingt beides nicht. Zwar wird über eine nachhaltige Lösung diskutiert, die Kündigungen der vier Ärzte sind aber aufrecht und das Statement von Landeshauptmann Daniel Fellner im ORF, wonach sich die Mediziner in einer „einzigartigen Gehaltsklasse“ befänden, ist bei den Ärzten nicht gut angekommen. „Die Aussage halte ich aktuell für wenig hilfreich. Hinter diesem Einkommen stehen eine jahrelange Ausbildung, hohe fachliche Qualifikation, Nacht-, Wochenend- und Bereitschaftsdienste und vor allem eine außergewöhnlich hohe Verantwortung“, sagt Ärztekammerpräsident Markus Opriessnig.
Spezialist sagte ab
Und wie schwierig es ist, neue Spezialisten anzuwerben, zeigt ein aktuelles Beispiel: Die Kabeg hatte einen Radiologen aus Saudi Arabien an der Angel, der in Deutschland studiert hat und sich für den Job als Nachfolger von Oberarzt Luca De Paoli interessierte - bis er Interna über den Clinch zwischen Ärzten und Kabeg-Führung erfuhr. Er sagte ab. „Über die aktuelle Bewerbersituation geben wir aus Respekt den Bewerbern gegenüber keine Auskunft“, heißt es dazu von der Kabeg. Es würden intensive Rekrutierungs-Maßnahmen von zusätzlichen Experten laufen, um den Dienstplan wieder vollumfänglich besetzen zu können.


