„In Kärnten bricht ein Eckpfeiler der Schlaganfallversorgung weg“
Nach der Kündigungswelle an der Interventionellen Radiologie in Klagenfurt sagt der Experte, auch am Uniklinikum Graz seien die Ressourcen limitiert.

„Es ist eine Katastrophe. Ich mache mir sehr, sehr große Sorgen um die radiologische Notfallversorgung in Kärnten.“ Das sagt der Präsident der Österreichischen Röntgengesellschaft, Martin Uggowitzer. „Das Uniklinikum Graz hätte zweifelsohne die Expertise für solche Schlaganfallbehandlungen, aber es gilt auch dabei: wenn der Angio-OP-Tisch belegt ist, muss der andere Patient warten. Das soll nicht Konzept einer modernen Medizin sein.“
Der gebürtige Villacher ist Primarius der Radiologie in Leoben, kennt die Szene der Interventionellen Radiologie genau und hält das Department in Klagenfurt als „unverzichtbar für Diagnostik und Therapie“. Uggowitzer: „In Österreich gibt es insgesamt nur wenige Spezialisten wie am Standort Klagenfurt. Das Department wurde über Jahrzehnte aufgebaut und hat einen hervorragenden Ruf. Es bricht ein Eckpfeiler der Schlaganfallversorgung weg, auch Aortenaneurysmen werden hier behandelt, Gefäßtherapie mit Stents wird betrieben, es gibt onkologisch motivierte Eingriffe. Wahrscheinlich würde es einige Jahre dauern, um diese Kündigungen zu kompensieren. Diese Spezialisten sind nicht austauschbar und werden überall mit Händeringen gesucht.“

Es wäre Aufgabe einer verantwortungsvollen und nachhaltigen Gesundheitspolitik, bestehende und sehr gut funktionierende Strukturen der Patientenversorgung zu erhalten, anstatt sich auf andere Zentren und Bundesländer auszureden.
— Martin Uggowitzer,, Präsident der Österreichischen Röntgengesellschaft
Zur Aussage der Kärntner Gesundheitsreferentin, Beate Prettner (SPÖ), wonach Ärzte aus den benachbarten Bundesländern im Notfall aushelfen würden, sagt Uggowitzer: „Am Uniklinikum Graz ist an der Interventionellen Neuroradiologie nur ein kleines Team von drei bis vier Ärzten beschäftigt. Auch die arbeiten am Limit. Diese würden sicher versuchen, nach Maßgabe der Verfügbarkeit der Ressourcen die Kärntner Patienten mitzuversorgen. Aber wenn ein steirischer Patient am Tisch liegt, wird der Kärntner warten müssen. Und umgekehrt.“ Die Uniklinik versorgt derzeit in diesem speziellen Fach nicht nur die Steiermark, sondern auch das Südburgenland und das südliche Niederösterreich.
Uggowitzer: „Es wäre Aufgabe einer verantwortungsvollen und nachhaltigen Gesundheitspolitik, bestehende und sehr gut funktionierende Strukturen der Patientenversorgung zu erhalten und sicherzustellen, anstatt sich auf andere Zentren und Bundesländer auszureden.“

