Warum Lienz voll mit bunten Fahrrädern ist
Überall in der Stadt, aber auch im Lienzer Talboden ziehen knallbunte Drahtesel die Blicke auf sich. Sie weisen auf einen besonderen Tag hin.
Man sieht sie auf den Plätzen der Lienzer Innenstadt oder auch direkt vor dem Wahrzeichen der Stadt, der Liebburg: bunt bemalte Fahrräder älteren Datums. Auch an anderen Orten im Lienzer Talboden kann man die Drahtesel, eingerahmt von Heuballen, Kürbissen und Maiskolben, entdecken. Ein herbstlicher Gruß an die Osttirolerinnen und Osttiroler? Mitnichten, hinter der hübschen Dekoration steckt ein Aktionstag des Planungsverbands 36 (PV36), der am Samstag, den 26. September stattfindet: „Lienzer Talboden – Radeln & Erkunden“, so der Name der Veranstaltung.
„Ein Tag lang wird das Fahrrad zum verbindenden Element, um die Alltagsradwege und besondere Einrichtungen und Angebote in der Region kennenzulernen und mit den Menschen dahinter ins Gespräch zu kommen“, heißt es beim PV36. Der Aktionstag ist zweigeteilt. Zum einen besteht die Möglichkeit, die besagten Wege auf drei Routen per Radl zu entdecken. Um 9.30 Uhr geht es am Parkplatz Süd des Mobilitätszentrum los – gemeinsam mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Talbodengemeinden. Die Gemeindeoberhäupter werden sich selbst in den Sattel schwingen. Die Routen können aber auch den gesamten Tag über im eigenen Tempo gefahren werden. Für Stärkung ist gesorgt: An den Stationen unterwegs stehen kostenlos Brezen und Getränke bereit.

Ebenfalls ab 9.30 Uhr wird am Bahnhof ein abwechslungsreiches Programm geboten – für alle, die losradeln, von einer Route zurückkommen oder einfach so vorbeischauen. Die Polizei lädt zum „Coffee with a Cop“ und informiert über Sicherheit am E-Bike. Das Unternehmen ProBike hilft bei Fragen und kleinen Anliegen rund ums Radl. Für Kinder gibt es eine Hüpfburg und weitere Spielangebote. Dazu kommen Musik, ein Gewinnspiel und Rikscha-Fahrten des Freiwilligenzentrums Osttirol. Für Speis und Trank sorgt der Osttiroler Gaumengaudi, auch das Eisenbahnmuseum öffnet seine Türen. Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SPÖ) freut sich auf einen bunten Tag: „Für Lienz ist das Fahrrad gerade auf kurzen Alltagswegen ein wichtiger Teil moderner Mobilität: Es verbindet die Stadt mit dem Talboden – und von hier aus ist auch die Innenstadt nur wenige Pedaltritte entfernt.“
4,8 Millionen Euro für ein besseres Radwegenetz
Hinter der Veranstaltung steht das Großprojekt „Alltagsradwege Lienzer Talboden” des PV36, das von Bund und Land gefördert wird. Ziel des 4,8-Millionen-Euro-Vorhabens ist es, Wohnorte, Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie den öffentlichen Verkehr besser per Rad zu vernetzen. „Ein gutes Alltagsradnetz endet nicht an der Gemeindegrenze. Wir wollen die Gemeinden im Talboden so miteinander zu verbinden, dass das Fahrrad für möglichst viele Wege im Alltag eine echte und attraktive Alternative wird“, sagt PV36-Obmann und Bundesrat Markus Stotter (ÖVP). 1,5 Millionen Euro sind bereits verbaut worden, erst diese Woche wurde mit der Rad- und Fußbrücke am Oberen Debantbach eine Lücke geschlossen.
Weitere Umsetzungen stehen an
Wer viel mit dem Radl im Talboden unterwegs ist, weiß aber auch, dass viel zu tun bleibt, und es noch viele Gefahren- und Problemstellen gibt.es noch viele Gefahren- und Problemstellen gibt. Dem ist man sich beim PV36 bewusst, so stehen weitere Umsetzungen unmittelbar bevor oder sind in Planung. Dabei geht es unter anderem um den Radweg an der in Teilen unübersichtlichen und gefährlichen Tristacher Straße, um einen Radweg von Tristach nach Lienz samt neuer Draubrücke (Baustart 2027) und eine bessere Anbindung des Iseltalradwegs an die Stadt. Hierzu wird die Unterführung Pfister neugestaltet und eine Umfahrung der „im Weg stehenden“ OMV-Tankstelle errichtet. Wer sich über das Projekt näher informieren oder seine Anregungen platzieren möchte, kann dies am Aktionstag an einem Infostand machen.
Drei Routen am Aktionstag:
Die Route Richtung Ainet steht unter dem Motto „Wasser & Bewegung“. Beim Pegelhaus Oberlienz geht es bei den Führungen um Pegelwesen und Gewässerbeobachtung. Der Adventurepark Osttirol in Ainet stellt sein Sport- und Bewegungsangebot vor und lädt dazu ein, die Einrichtung näher kennenzulernen.
Die Route Richtung Nikolsdorf verbindet „Gesundheit, Geschichte & Umwelt“. Als Tipp liegt der 11. Osttiroler Selbsthilfetag in der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Lienz an der Strecke. Dort wartet ein eigenes Programm mit Vorträgen, Workshops, Beratung und Gesundheitschecks. Beim Halt im Museum Aguntum führt die Route zurück in die Geschichte des Talbodens. Auf dem Gelände der einzigen Römerstadt Tirols lässt sich bei Führungen entdecken, wie die Menschen hier vor rund 2000 Jahren lebten. Die Führungen sind im Rahmen von „Radeln & Erkunden“ kostenlos. Einen anderen Blick hinter die Kulissen bietet das Klärwerk Lienzer Talboden in Dölsach. Bei Führungen wird sichtbar, was hinter moderner Abwasserreinigung steckt.
Auf der Route Richtung Assling geht es um „Digitalisierung & Einsatzwesen“. Beim Gemeindeamt Amlach wird das RegioNet vorgestellt und damit jene digitale Infrastruktur, die für Gemeinden, Bevölkerung und Wirtschaft zunehmend zur Grundversorgung zählt. Im Feuerwehrzentrum Assling erhalten Interessierte Einblick in Ausstattung, Organisation und Aufgaben der Feuerwehr – eine seltene Gelegenheit, die Blaulichtorganisation aus nächster Nähe kennenzulernen.
