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Wie Eltern das Immunsystem ihrer Kinder stärken können

Der Schulbeginn markiert den Start der kühleren Jahreszeiten sowie jenen der Erkältungssaison. Wie Eltern ihre Kinder und deren Immunsysteme unterstützen können.

Krankheitserreger zirkulieren in den kalten Monaten vermehrt.
© Adobestock
Krankheitserreger zirkulieren in den kalten Monaten vermehrt.
Martina Marx
Redakteurin Steiermark-Ressort, Gesundheit

Für nicht wenige wird der letzte lange Abend am Meer wohl noch nicht allzu lange her sein. Immerhin liegt das Ende der Sommerferien erst knapp eine Woche zurück. Doch nun hat viele Familien der (Schul-)Alltag wieder. Und das bedeutet: Wir halten uns wieder vermehrt in geschlossenen Räumen auf. Und mit uns auch zahlreiche Krankheitserreger – der Schulbeginn markiert auch den Beginn der Erkältungssaison. Aktuell sei die Lage an der Kinderklinik des Uniklinikums Graz recht ruhig, weiß Volker Strenger zu berichten. „Wir sehen einige Durchfallerkrankungen“, sagt der Kinderarzt und Infektiologe im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. „Aber typischerweise werden in den kommenden Wochen respiratorische Infekte zunehmen.“ Auch laut dem Update aus dem österreichischen Sentinelsystem, das vom Zentrum für Virologie der MedUni Wien betrieben wird, ist ersichtlich: Noch ist die Virenzirkulation gering. Auf niedrigem Niveau dominieren aktuell Rhinoviren, die im Normalfall Schnupfen und Erkältungen auslösen.

Das Immunsystem von Kindern ist ohnehin ständig gefordert, in Kindergarten und Schule besonders. Denn sinkende Temperaturen sowie trockenere Luft in Innenräumen reizen die Schleimhäute zusätzlich bzw. erleichtern es Krankheitserregern, diesen Schutz zu überwinden. Um Kinder vor Erkältungen zu schützen, greifen Eltern oft auf Produkte zurück, die versprechen, die Abwehrkräfte zu stärken. Oft werden Vitamine oder Spurenelemente in Form von Dragees oder Zuckerl vermarktet. Meist handelt es sich dabei um Kombinationspräparate, die einen ganzen Reigen an unterschiedlichen Inhaltsstoffen enthalten. Das bedeutet, sie wirken sehr unspezifisch. Für gesunde Kinder ist ein zusätzlicher Nutzen solcher Präparate für die Immunabwehr wissenschaftlich jedoch kaum belegt. Hinzu kommt, dass ein Mehr an Vitaminen und Spurenelementen nicht automatisch mit stärkeren Abwehrkräften gleichzusetzen ist. Supplementiert werden sollte nur dann, wenn ein Mangel nachgewiesen ist. „Ein gesundes kindliches Immunsystem muss nicht geboostert werden. Es braucht gute Bedingungen, damit es seine Arbeit machen kann“, sagt Strenger.

Volker Strenger ist Kinderarzt und Infektiologe an der Kinderklinik des Uniklinikums Graz
© Uniklinikum Graz/M. Kanizaj
Volker Strenger ist Kinderarzt und Infektiologe an der Kinderklinik des Uniklinikums Graz

Ausreichend Schlaf lässt das Immunsystem gut arbeiten

Wie kann man das Immunsystem von Kindern also unterstützen? Ein wichtiger Faktor ist ausreichend Schlaf. Nach den langen Sommerferien braucht es eine gewisse Zeit, bis sich der Tagesrhythmus wieder eingependelt hat – grundsätzlich gelten aber neun bis zwölf Stunden Schlaf für Schulkinder als Richtwert, Jugendliche benötigen mit acht bis zehn Stunden schon etwas weniger Schlaf.

Besserer Schlaf sowie dadurch ein gut funktionierendes Immunsystem wird auch durch ausreichend Bewegung an der frischen Luft gefördert. Nach langen Stunden im Klassenzimmer brauchen Kinder den Ausgleich durch Herumtoben und Spielen. Empfohlen wird mindestens eine Stunde pro Tag für Kinder und Jugendliche, bei kleineren Kindern kann es auch mehr sein. Es muss auch kein extra Sportprogramm sein, jede Art von Bewegung zählt – egal, ob das der Schulweg ist, der zu Fuß zurückgelegt wird, oder das Fußballspielen im Garten ist. Durch Sport werden aber auch Stresshormone wie Adrenalin und Kortisol abgebaut, der Serotoninspiegel wird erhöht, sodass Kinder Leistungs- und Zeitdruck einfacher verarbeiten und dennoch gut lernen können.

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Bildschirmzeit im Blick behalten

Die notwendige Menge an Schlaf bzw. Bewegung wird häufig durch ein Zuviel an Bildschirmzeit untergraben. Wer viel Zeit vor dem Bildschirm verbringt, bewegt sich häufig weniger, ist seltener draußen oder geht später schlafen. Regelmäßige bildschirmfreie Zeiten können daher helfen, wieder einen gesunden Tagesrhythmus zu finden.

Ein weiterer Faktor ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Um das allgemeine Wohlbefinden sowie das Immunsystem bestmöglich zu unterstützen, sollte diese ballaststoffreich sein und Obst sowie Gemüse sollten fix und täglich auf dem Menüplan stehen.

Impfungen stärken das Immunsystem

Im Normalfall sind „Immunbooster“ vor der kommenden Erkältungssaison nicht notwendig. Und dennoch kann man das Immunsystem auf bestimmte Erreger vorbereiten: „Impfungen sind die wirksamste Maßnahme – wenn auch nur gegen die jeweils spezifischen Erreger“, erklärt Strenger. Gerade zu Schulbeginn bietet sich ein Impfpass-Check an, um zu überprüfen, welche Impfungen aufgefrischt gehören oder nachgeholt werden müssen. Zudem sollte man mit Ende des Herbstes bzw. Winterbeginn an die Impfung gegen die echte Grippe (Influenza) denken. Für Kinder ab zwei Jahren ist diese auch als Nasenspray möglich.

Kostenfreies Kinderimpfprogramm

Im Kinderimpfprogramm sind zahlreiche Impfungen kostenfrei enthalten, die Kinder vor unterschiedlichen Erregern schützen. Darunter fallen: Pneumokokken, Masern, Mumps, Röteln (MMR-Kombinationsimpfstoff), Meningokokken (Serogruppen A,C,W,Y), HPV, Influenza.

Erste Anlaufstellen sind Hausärztin bzw. Kinderarzt. Auch öffentliche Impfstellen, wie zum Beispiel jene der Stadt Graz, geben Auskunft und verabreichen die Impfungen.

Wobei Schnupfen und Husten alleine bei sonst gesunden Kindern noch kein Grund zur Besorgnis sind. „Zehn bis zwölf fieberhafte Erkrankungen pro Jahr können bei einem Kleinkind durchaus normal sein, solange es sich um banale Infekte handelt“, sagt Strenger. Ausschlaggebend sei die Schwere der Erkrankungen. Mehrere schwere Lungenentzündungen innerhalb eines Jahres oder etwa eine Hirnhautentzündung seien Warnsignale für eine Immunschwäche, die ärztlich abgeklärt werden sollten, so der Experte.