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Kunasek, Haimbuchner und Svazek: Die Freundlichen der Freiheitlichen

Als „Wölfe im Schafspelz“ werden Haimbuchner, Kunasek und Svazek von Gegnern bezeichnet. Im Gegensatz zu Parteichef Kickl regieren sie – und das recht unaufgeregt.

Svazek-Inserate verstießen gegen Parteiengesetz | Immer freundlich: Marlene Svazek, FPÖ-Chefin in Salzburg
© APA/AFP
Svazek-Inserate verstießen gegen Parteiengesetz|Immer freundlich: Marlene Svazek, FPÖ-Chefin in Salzburg
Julia Wenzel

Es kursiert eine These in manchen Politbüros, die sich weder bestätigen noch widerlegen lässt. Für FPÖ-interne Strategen könnte sie aber spätestens vor einer nächsten Nationalratswahl interessant werden: Wäre Herbert Kickl mehr wie Mario Kunasek, wäre er dann schon Bundeskanzler? Diese Frage stellen sich vor allem jene moderateren Kräfte in manchen Landesparteien, die es immer noch als Versäumnis empfinden, dass die Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP nach der Nationalratswahl 2024 gescheitert sind.

Recht deutlich abgegrenzt hat sich Kunasek im Sommer mit einem „Presse“-Interview zu Kickls Klimapolitik. Die Frage, wie man der Dürre begegne, sei „keine Hitzepanik“, man müsse den Klimawandel ernst nehmen. Damit hinterließ er bei aufmerksamen Beobachtern durchaus den Eindruck, sich womöglich als langfristige Alternative zu Kickl zu positionieren. Regierungserfahrung hat Kunasek ja auch im Bund als ehemaliger Verteidigungsminister. Bestärkt werden diese Stimmen von jenen wirtschaftsliberalen und migrationskritischen Kreisen in der ÖVP, die sich wiederum eine Koalition mit der FPÖ wünschen. Dass sie nicht so wie in inzwischen fünf Bundesländern gemeinsam auch im Bund regieren, liege bekanntlich nicht an den Inhalten der Partei, sondern an der Persönlichkeit von Herbert Kickl.

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Kickl hat Bundespartei auf Brachialopposition getrimmt

Dabei ist aus Sicht der FPÖ kein Parteichef je erfolgreicher gewesen. Kickls Vorgänger Norbert Hofer gab sich im Vergleich zu Kickls Auftreten quasi harmlos, weshalb er als typischer „Wolf im Schafspelz“ galt, kultig ist inzwischen die Parodie von Christoph Grissemann, die ihm das Image eines „Kreidefressers“ verpasste, der alle „so gern“ habe. Letztlich hievte der umstürzlerische Kickl Hofer in den Umwälzungen der Corona-Pandemie aus dem Amt und trimmt die Bundespartei seither auf eine Brachialopposition mit kompromisslosem Anti-Establishment-Kurs, die zuletzt auch wieder durch ihre immer zahlreicheren personellen Überschneidungen zwischen Parteijugend und rechtsextremen Identitären in Erklärungsnot gerät.

Kickl nimmt damit auch die Konfliktlinien mit vergleichsweise moderateren FPÖ-Landesparteichefs in Kauf, die in Person von Kunasek in der Steiermark, Manfred Haimbuchner in Oberösterreich oder Marlene Svazek in Salzburg völlig andere Typen sind. Am deutlichsten wurde die Abgrenzung, nach außen hin zumindest, bei Svazek in den vergangenen Jahren. Die studierte Politologin war einst selbst Generalsekretärin der Bundespartei. Seit ihrem Wechsel nach Salzburg 2018 aber war sie es, die immer wieder öffentlich Kritik an Kickl übte. Wie auch Haimbuchner ließ sie wissen, dass sie von Kickls Forderung nach einer Nulllohnrunde für Landespolitiker nichts halte. Sie wolle sich nicht am „Bashing“ des eigenen Berufsstandes beteiligen.

Meistens sachlich – außer beim Rieder Aschermittwoch: Manfred Haimbuchner , Oberösterreichs FPÖ-Chef
© APA / Manfred Fesl
Meistens sachlich – außer beim Rieder Aschermittwoch: Manfred Haimbuchner , Oberösterreichs FPÖ-Chef

Konstruktive Kräfte in der Defensive

Nach dem Platzen der Koalitionsverhandlungen 2025 war es auch Svazek, die die Frage nach Kickls Eignung zur Kompromissfähigkeit stellte: „Wir sollten diskutieren, wie wir in Regierungsverantwortung kommen und was wir brauchen, damit das beim nächsten Mal gelingt“, sagte sie damals. Essentiell sei die Kommunikation in der FPÖ, auch das „Zulassen anderer Meinungen“. In der Politik brauche es „Kompromissfähigkeit“, „100 Prozent Umsetzung“ würden sich nicht ausgehen. Das dürfte sie selbst wiederum als Regierende durchaus unter Beweis stellen: Die Zusammenarbeit mit Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) gilt nach anfänglicher Kritik als weitgehend harmonisch.

Inhaltlich versuchte auch der zuletzt von Kickl prominent im „Sommergespräch“ erwähnte Arnold Schiefer immer wieder, eine gemäßigtere Linie einzuschlagen. Der ehemalige ÖBB-Vorstand hatte 2025 die Koalition mit der ÖVP mitverhandelt. Seither widersprach er, wie auch Barbara Kolm, in „Presse“-Interviews der Parteilinie beim Thema Pensionsantrittsalter deutlich. Dass Schiefer 2019 aus der Wiener FPÖ in die oberösterreichische wechselte, passt ins Bild, dass er keine große Nähe zum Parteichef, dafür aber zum wirtschaftsaffinen Flügel pflegt.

Am liebsten Schulterklopfen und rote Bänder durchschneiden: der steirische Landeshauptmann Mario Kunasek
© GEPA pictures
Am liebsten Schulterklopfen und rote Bänder durchschneiden: der steirische Landeshauptmann Mario Kunasek

Schiefers Habitus passt damit auch zum in Oberösterreich inzwischen längstdienenden Landeschef der Blauen, der mit einer lockeren, freundlichen Art quasi eine Antithese zu Kickls Image als menschenscheuer Brachialo darstellt: Manfred Haimbuchner ist seit 16 Jahren Landesparteichef in Oberösterreich, wo er seit elf Jahren weitgehend geräuschlos an der Seite von Thomas Stelzer (ÖVP) agiert. Bei der Landtagswahl im kommenden Jahr könnte er Stelzer, mit dem ihn inzwischen eine private Freundschaft verbindet, sogar als Landeshauptmann beerben. In Umfragen zeichnet sich derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Ihr bisheriger Paarlauf zählt quasi schon zur Politfolklore im Bundesland.

Besonderes Politklima in Oberösterreich

Doch auch zu den anderen Fraktionen pflegt Haimbuchner enge Kontakte. Was auf Bundesebene völlig undenkbar wäre, ist dort gelebte Praxis: Zum 40. Geburtstag von Oberösterreichs Grünen-Chef Stefan Kaineder brachte Haimbuchner eine zwei Meter große Haimbuche als Geburtstagsgeschenk mit, die er selbst mit einem Mitarbeiter vom Aufzug in den Festsaal trug. Im „großen Sommerinterview“ auf dem YouTube-Kanal der FPÖ Oberösterreich sprach Haimbuchner erst vor wenigen Tagen vom amikalen Umgang im „Hoamatland“, wo man auch mit den politischen Gegnern per Du sei. Auf die Frage, ob das Land immer tiefere politische Gräben durchzögen, replizierte er versöhnlich: „So würde ich es nicht bezeichnen“, denn das „Du“ sei ein Ausdruck der „Wertschätzung“. Wobei er betonte, dass sich der Umgang mit der FPÖ verändere, je erfolgreicher sie werde. Aber, fügte er selbstkritisch hinzu: „Auch wir sind natürlich sehr pointiert unterwegs.“

Trotz Haimbuchners umgänglicher Art sehen in ihm viele Kritiker ebenfalls eine freundliche Mogelpackung mit radikalem Kern. Das liegt wie bei Hofer an Haimbuchners Sozialisierung im deutschnationalen Burschenschafter-Milieu. Der Corpsstudent – Haimbuchner ist Mitglied des Corps Alemannia Wien zu Linz, des Corps Vandalia Graz sowie der Schülerverbindung Deutsch-conservative Semestralverbindung Gothia Wels – vertritt wie Hofer einen Honoratioren-Flügel mit deutschnationalem Anstrich, der sich als „Teil eines deutschen Kulturraums“ empfindet. Der „echte“ Haimbuchner zeige sich, so der Vorwurf, bei den Festreden am Urfahraner Markt oder in der Jahn-Turnhalle in Ried am Aschermittwoch, wo er neben Kickl keineswegs durch rhetorische Zurückhaltung auffällt. Dabei gibt Haimbuchner faktisch wenig Anlass, noch dazu als promovierter Jurist, ihn für einen Demokratiefeind zu halten.

Jurist, Präsident und Burschenschafter: Walter Rosenkranz
© APA / Helmut Fohringer
Jurist, Präsident und Burschenschafter: Walter Rosenkranz

Wie radikal sind auch die sanften Blauen?

Er betreibe mit „Leidenschaft Sachpolitik“, sagt er von sich selbst, doch vertrete er „genauso prononcierte“ Sichtweisen beim Thema Asyl und Migration, heißt es in seinem Umfeld. Auch Haimbuchner hat kein Problem mit dem Begriff Remigration. Hinzukommt die personelle Nähe zum rechtsradikalen bis -extremen Rand der FPÖ Oberösterreich mit dem inzwischen eingestellten Medium „Wochenblick“. Und: Oberösterreich gilt neben Kärnten als „Ursprung“ des freiheitlichen Lagers, das bis heute durch deutschnationale und rechtsradikale Einsprengsel auffällt. Einschlägige Personen im Identitären-Umfeld pflegen auch enge Kontakte zur Freiheitlichen Jugend in Oberösterreich.

Ein ähnliches Image zwischen konziliantem Auftreten und ideologischer Radikalität trifft auf den amtierenden Nationalratspräsidenten Walter Rosenkranz zu. Im laufenden U-Ausschuss tritt er im Gegensatz zu seinem Vorgänger Wolfgang Sobotka (ÖVP) um einiges sachlicher auf, seine Vorsitzführung bezeichnen auch die anderen Fraktionen als weitgehend tadellos. Im Nationalrat aber blieb er nach rhetorischen Entgleisungen der FPÖ wiederholt Ordnungsrufe schuldig. Wegen seiner Mitgliedschaft in schlagenden Burschenschaften und mancher Personalentscheidung in seiner Parlamentsdirektion fordern die Grünen inzwischen seine Abwahl. Doch selbst bei den Grünen findet man ihn, abseits der Tagespolitik, weitgehend sympathisch.