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Extreme Hitze machte südoststeirische Winzer nervös, Bilanz stimmt aber

Weingut Dietl aus Kornberg und Weinhof Thurner-Seebacher aus Tieschen geben eine erste Erntebilanz für den Norden und Süden der Weinregion. Wider Erwarten stimmen Qualität und teils auch Ertrag.

Die meisten südoststeirischen Winzer gehen in dieser Woche mit der Weinlese in den Endspurt. In Italien (im Bild) war die Trockenheit noch einmal mehr Thema
© Expa/ Lapresse/ Marco Alpozzi
Die meisten südoststeirischen Winzer gehen in dieser Woche mit der Weinlese in den Endspurt. In Italien (im Bild) war die Trockenheit noch einmal mehr Thema

Notschlachtungen in der Viehwirtschaft, Totalausfälle bei Käferbohnen und absterbende Obstbäume – der Hitzesommer 2026 ist nicht spurlos an der Landwirtschaft vorbeigezogen. „Wir haben heuer zwei Wochen früher zu ernten begonnen – das ist im Vergleich wirklich deutlich früher für uns“, zeigt Winzerin Andrea Kessler-Dietl aus Riegersburg, dass der Klimawandel auch an den Weinbauern nicht spurlos vorübergeht.

Allerdings ist die Stimmung unter den Winzern nicht ganz so schlecht wie in anderen Bereichen der Landwirtschaft. Denn je nach Sorte sorgte der heiße Sommer für hohe Traubenqualität. „Keine Fäulnis, wunderschön, eine erstklassige Qualität – leider sind es weniger Trauben“, gibt Kessler-Dietl Einblick. Sie spricht von 30 bis 40 Prozent weniger Ertrag, je nach Rebsorte.

Andrea Kessler-Dietl hofft auch auf eine gute Qualität in der Flasche
© Ulrich Dunst.jpeg
Andrea Kessler-Dietl hofft auch auf eine gute Qualität in der Flasche

Beeren anfangs klein

Rund 30 Kilometer weiter südlich in Tieschen ist die Lage ähnlich: „Wir sind zufrieden mit der Ernte. Wir haben eine gute Qualität, auch die Menge ist sehr zufriedenstellend – wider Erwarten“, erklärt Karl Thurner-Seebacher, TAU-Winzer und Lehrer an der Fachschule Silberberg. Denn Hitze und Trockenheit führten anfangs dazu, dass die Beeren eher klein waren. Die geringen Niederschläge konnten die Rebstöcke aber gut aufnehmen, resümiert Thurner-Seebacher.

Das Vorjahr 2025 sei ein sehr gutes Erntejahr gewesen, im Vergleich dazu liegt der Weinbauer mit seiner heurigen Ernte zwischen zehn und 20 Prozent zurück, je nach Sorte. Ein Mitgrund dafür könne auch die Rebzikade sein: Erst diesen Sommer musste Thurner-Seebacher wieder rigoros Rebstöcke roden, teils hat er schon zehn Prozent der Stöcke eines Weingartens rausreißen müssen. „Das schlägt sich auch in der Erntemenge nieder.“

Karl Thurner-Seebacher war zehn Jahre lang Obmann der TAU-Winzer in Tieschen
© Helmut Karner
Karl Thurner-Seebacher war zehn Jahre lang Obmann der TAU-Winzer in Tieschen

Mit Unterstützung seiner Familie bewirtschaftet Thurner-Seebacher in Tieschen zwei Hektar Weingarten im Nebenerwerb. Die Weinlese hat er noch vor Schulbeginn abschließen können. Für ihn sei die diesjährige Lese eine der frühesten überhaupt gewesen.

Dadurch ergibt sich auch die Herausforderung, bei hochsommerlichen Temperaturen um die 30 Grad zu lesen, wie Kessler-Dietl erzählt. Gerade weil viele ihrer Erntehelfer ältere Menschen aus der Nachbarschaft sind, müsse man sich auch für die Zukunft überlegen, wie man mit der Hitze umgeht.

Allerdings entkamen sie durch den Start der Weinlese in der letzten Augustwoche den Stinkwanzen, die sonst zur Plage werden: „Die Wanzen kommen ja jetzt erst daher und unser Wein ist schon zu 90 Prozent im Keller“, so die Riegersburger Winzerin. Sowieso hatten sie heuer kaum Probleme mit Schädlingen – auch weil es für Pilzkrankheiten zu trocken war.

Zuckergrade und starke Weine

Die heurige Ernte zeigt, dass auch die Weinwirtschaft im Umbruch ist. Thurner-Seebacher, der Weinbau und Sensorik unterrichtet, sieht eine Herausforderung der Zukunft darin, gute, reife Trauben zu ernten, die mit den Zuckergraden nicht nach oben schießen. Ansonsten würden aufgrund des Klimas nur mehr kräftige Weine produziert werden. „Grundsätzlich sind wir von der Natur abhängig, aber es gibt Stellschrauben, die man drehen kann.“