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Ex-Fraktionschef Spahn zu Leihmutter-Debatte: „War zu feige“

Jens Spahn musste nach Aufregung um sein Kind, das in den USA mittels Leihmutterschaft zur Welt kam, zurücktreten. Seine Partei, die CDU, lehnt die Leihmutterschaft ab. Es hatte daher heftige Kritik gegeben. Nun äußert sich der Ex-Politiker zur Sache.

Jens Spahn (rechts) und sein Ehemann Daniel Funke sind durch Leihmutterschaft Eltern geworden
© AFP/Daniel Roland
Jens Spahn (rechts) und sein Ehemann Daniel Funke sind durch Leihmutterschaft Eltern geworden

Der frühere Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im deutschen Parlament, Jens Spahn, hat die Parteimitglieder seines Wahlkreises um Entschuldigung für seinen Umgang mit einer Leihmutterschaft in den USA gebeten. „Ich war zu feige, bei diesem sensiblen Thema offen Farbe zu bekennen“, schreibt Spahn in dem Brief an die Parteifreunde in seinem Wahlkreis Steinfurt I/Borken I im Münsterland, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Ende Juli war der 46-Jährige vom Vorsitz der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag zurückgetreten, nachdem er publik gemacht hatte, dass sein Mann mit Hilfe einer Leihmutter in den USA Vater geworden sei. Dies wurde auch in der Union - dem Verbund von CDU und ihrer bayerischen Schwesterpartei CSU - kritisiert, weil Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und sich Spahns Partei klar gegen eine Legalisierung ausspricht. Er selbst hatte das in der Vergangenheit auch getan.

In dem Schreiben nimmt er nach seinem Rückzug aus der Öffentlichkeit während der Sommerpause Bezug auf die Diskussion, die die Geburt eines Sohnes mit Hilfe einer Leihmutter in den USA ausgelöst hatte. Vor allem habe er durch den Widerspruch zwischen seiner früher öffentlich vertretenen Haltung und seiner persönlichen Entscheidung Vertrauen enttäuscht, schreibt Spahn. „Dafür möchte ich Sie um Entschuldigung bitten.“

Spahn spricht von jahrelangem Abwägungsprozess

In dem Brief geht er auch auf seine Beweggründe ein: Sie hätten viele Jahre lang unterschiedliche Wege „erwogen, geprüft, verworfen und erneut betrachtet“, den gemeinsamen Wunsch, eine Familie zu gründen, zu erfüllen. In diesem Prozess habe sich seine eher skeptische Haltung einer Leihmutterschaft gegenüber verändert.

Die konkreten Bedingungen dafür in den USA sowie die deutsche Rechtsprechung, die 2018 eine gerichtlich in den USA festgestellte Elternschaft nach Leihmutterschaft unter bestimmten Voraussetzungen mit deutschem Recht vereinbar gemacht hätten, seien dabei wichtig gewesen.

Spahn: „wollte schwierige Debatte vermeiden“

„Aber ich habe es versäumt, diesen Abwägungsprozess rechtzeitig offenzulegen und meine veränderte Position zu erklären“, räumt er ein. „Ich wollte eine schwierige Debatte vermeiden, auch zum Schutz meiner werdenden Familie - und habe damit am Ende eine sehr viel schwierigere Debatte ausgelöst. Das war falsch. Ich bedaure das zutiefst.“

Sein Bundestagsmandat behielt Spahn. Er wird nun Mitglied des Haushaltsausschusses. Er wolle als direkt gewählter Abgeordneter seines Wahlkreises weiterhin die Interessen seiner Heimat im Bundestag vertreten und dabei als neues Mitglied im Haushaltsausschuss inhaltlich an seine bisherige parlamentarische Arbeit anknüpfen, erklärte er nun in dem Brief. „Beide Aufgaben möchte ich mit voller Kraft wahrnehmen – in dem Bewusstsein, dass Vertrauen immer wieder neu erarbeitet werden muss.“

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