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Wies’n-Kunst: Fotosafari auf Motive Werner Bergs

Alois Gmeiner machte am Wiesenmarkt-Wochenende Jagd auf Motive des Südkärntner Künstlers Werner Berg. Ob der Fotograf fündig geworden ist? Wir waren dabei.

Ein Mann mit weißem Hemd, Brille und Kappe hält eine Kamera hoch, im Hintergrund das Marktgelände
© Eva Kapeller
Alois Gmeiner war am Wiesenmarkt auf der Suche nach Motiven von Werner Berg
Eva Kapeller
Redakteurin der Regionalredaktion Völkermarkt/Lavanttal

Es ist bereits Sonntag am Bleiburger Wiesenmarkt und das Wetter auch an Tag drei sommerlich – perfekt für eine ganz besondere Mission: Um 10 Uhr treffe ich mich mit Autor und Fotograf Alois Gmeiner und wir gehen mit der Kamera auf die Jagd nach Werner-Berg-Motiven. Beim Riesenrad wartet er bereits – lässig gekleidet, mit Kappe und Sonnenbrille. Er sieht mich nicht sofort, denn er ist schon dabei, Fotos zu machen.

„Ich bin heute bereits den dritten Tag hier und ich bin sehr zufrieden mit meiner Ausbeute. Ein paar Motive fehlen mir noch.“ Der gebürtige Klagenfurter zeigt mir ausgedruckte Bilder, die er bereits den Malereien von Berg gegenübergestellt hat. Noch sind es jene Bilder, die er in seinem Archiv hat. Denn Gmeiner fotografiert die Menschen am Wiesenmarkt seit Mitte der 1980er-Jahre und hat darüber bereits ein Buch veröffentlicht. Nun soll ein neues entstehen – diesmal mit einem ganz bewussten Blick auf jene Motive, die schon Werner Berg faszinierten.

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Die Idee dazu entstand im Vorjahr bei einem Besuch im Werner-Berg-Museum. Dort sah Gmeiner die Ausstellung „Gegen den Strom“ mit Fotografien von Pier Paolo Pasolini, die Werken Bergs gegenübergestellt wurden. Was er an diesem Sonntag noch sucht, sind „betrunkene Menschen“, die Berg ebenfalls malte, oder ein Bild von jemandem, der genüsslich in eine Bratwurst beißt. Oder jene Damen, die noch mit Schürze und Kopftuch auf den Wiesenmarkt gingen. Überhaupt ist er auf der Suche nach den alten Kärntner Gesichtern – Gesichter, in denen ein ganzes Leben zu lesen ist.

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Ein Auszug der Motive, die Gmeiner bereits gegenübergestellt hat
Ein Auszug der Motive, die Gmeiner bereits gegenübergestellt hat © KLZ / Eva Kapeller

Gerade diese Menschen interessieren ihn. Das Perfekte steht für Gmeiner weniger im Mittelpunkt. Es sind die kleinen Nebenszenen, die seinen Blick fesseln. Darin sieht er auch eine Verbindung zu Werner Berg. Vor allem aber braucht er Nahaufnahmen, die ebenfalls dem Stil Bergs entsprechen. „Das ist mir gestern aufgefallen. Die meisten meiner Bilder sind aus der Ferne geschossen. Denn am Anfang war ich viel schüchterner.“

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Gmeiner auf Fotosafari
Gmeiner auf Fotosafari © Eva Kapeller

Früher war Gmeiner, der heute in Wien lebt, vor allem mit seiner Leica-Kamera unterwegs. „Die Leute sehen aber sofort, dass ich eine Kamera in der Hand habe, und dann ist der ‚echte‘ Moment vorbei.“ Deshalb ist er am Wiesenmarkt mittlerweile vermehrt mit dem Handy unterwegs. „Oft tue ich so, als würde ich etwas anderes fotografieren, damit die Leute im Moment bleiben.“

Wir starten nun mit unserem Rundgang über das Marktgelände. Weit kommen wir jedoch nicht, denn Gmeiner sieht immer wieder passende Motive. Mal ist es ein Gesicht, dann ein Stand, eine Geste oder Szene, bei der er stehen bleibt. Während wir durch die Menschenmenge spazieren – der Wiesenmarkt ist am Sonntag Vormittag bereits stark besucht –, erzählt er mir von seiner „Fotojagd“ der letzten zwei Tage.

Gmeiner vor der Svaveja Uta
© Eva Kapeller
Gmeiner vor der Svaveja Uta

Wir bleiben immer wieder stehen. Gmeiners Kreativität sprudelt. Kaum hat er ein Motiv fotografiert, entdeckt er schon das nächste. So sehr ihm diese Fotomission auch gefällt – er merkt, dass sie müde macht. Drei Tage lang mit offenen Augen über das Gelände zu gehen, ständig nach Gesichtern, Situationen und Details Ausschau zu halten, „ist auch anstrengend“. Unangenehme Begegnungen hat er dabei bislang keine erlebt. Sie würden zwar kurz schauen, wenn sie bemerken, dass er fotografiert, „aber noch nie hat jemand etwas Blödes gesagt.“

Persönliche Begegnung mit Werner Berg

Währenddessen begegnen wir auch seinem Cousin und dessen Frau. Gmeiner unterhält sich kurz mit ihnen, macht ein „Selfie“ für seine Mutter und dann geht es weiter. Wir spazieren durch den Krämermarkt, gehen die Gassen ab und er erzählt mir immer wieder Anekdoten aus seinem Leben. Die Verbindung zu Berg ist für ihn auch eine persönliche. Als Kind besuchte er den Künstler mit seiner Mutter und Oma auf dem Rutarhof. Berg servierte eine Jause und zeigte ihm sein Atelier. „Für mich war das faszinierend.“

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Gmeiner mit seinem Cousin und dessen Frau
Gmeiner mit seinem Cousin und dessen Frau © Eva Kapeller

Heute versucht er, dessen Blick auf die Menschen auf seine eigene Weise weiterzuführen. Nicht, indem er exakt dieselben Plätze sucht, sondern indem er versucht, eine ähnliche Stimmung einzufangen. Am Ende unserer Fotosafari fehlt ihm nach wie vor eines seiner Wunschmotive: jener Mann, der genüsslich in eine Bratwurst beißt.

Gmeiner überlegt kurz, dann grinst er: „Weißt du was, wir machen das jetzt einfach mit mir.“ Kaum ausgesprochen, befinden wir uns bereits vor einer Theke. Er bestellt eine Bratwurst. Die Fotografin bei diesem Motiv bin dann allerdings ich. Ein weiterer kleiner Blick hinter die Kulissen dieser Fotosafari. Das gesuchte Motiv ist damit gefunden.

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Gmeiner als „Bratwurstmann-Motiv“
Gmeiner als „Bratwurstmann-Motiv“ © Eva Kapeller

Für Gmeiner geht es wieder zurück nach Wien. Doch seine Arbeit ist damit noch lange nicht vorbei. Einige hundert Fotos vom Wiesenmarkt-Wochenende warten mit den Arbeiten von Werner Berg in Verbindung gebracht zu werden. Anfang 2027 soll daraus ein Bildband entstehen. Nach dieser Foto-Safari bleibe ich inspiriert zurück – vor allem aber mit einem neuen Blick auf den Bleiburger Wiesenmarkt.

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