Bleiburger Wiesenmarkt: Fotograf „jagt“ Werner Bergs Motive
Der gebürtige Klagenfurter Alois Gmeiner veröffentlichte bereits ein Buch über die Menschen am Wiesenmarkt. Nun begibt er sich auf eine „Foto-Motiv-Safari“.

Nur noch drei Wochen bis zum Bleiburger Wiesenmarkt: Von 4. bis 7. September geht eines der traditionsreichsten Volksfeste Kärntens über die Bühne. Mit dabei ist der Fotograf, Ghostwriter sowie Autor Alois Gmeiner. Der 62-jährige, gebürtige Klagenfurter will dort Motive suchen, die schon den Künstler Werner Berg vor Jahrzehnten faszinierten. Daraus soll ein Bildband entstehen.
Wiesenmarkt seit der Kindheit
Die Verbindung zum Wiesenmarkt begleitet Gmeiner seit seiner Kindheit – seine Mutter stammt aus Gallizien: „Ich war seit meiner Kindheit fast jedes Jahr einmal auf Besuch am Wiesenmarkt“, erzählt der heute in Wien lebende Gmeiner. Seine Erinnerungen: „Zuckerwatte, Autodrom und als junger ‚Bua‘ war ich fasziniert von den Ständen mit den Feitln und Messern.“ Heute blickt Gmeiner, der in der Vergangenheit das Buch „Menschen am Wiesenmarkt“ veröffentlichte, mit der Kamera auf das bunte Treiben – und entdeckt dabei erstaunliche Parallelen zu Werner Berg.

Die Idee zum neuen Buch entstand 2025 im Werner Berg Museum. Gmeiner sah dort die Ausstellung „Gegen den Strom“ mit Fotografien von Pier Paolo Pasolini, die Werken Bergs gegenübergestellt wurden. Gleichzeitig entdeckte er zahlreiche Zeichnungen und Drucke Bergs vom Wiesenmarkt: „Beides zusammen hat die Idee geboren, meine Fotos, die ich über Jahrzehnte vom Wiesenmarkt gemacht habe, mit den Zeichnungen, Drucken und Ölgemälden von Berg in Kontrast zu stellen.“ Unterstützt wird das Vorhaben von Harald Scheicher vom Werner Berg Museum und Enkel von Berg.
Berg interessierte sich nicht für das Glitzernde eines Festes, sondern mehr für die kleinen Nebenszenen.
— Alois Gmeiner, Fotograf
Was Werner Berg und Gmeiner verbindet, ist vor allem der Blick auf die Menschen. „Er interessierte sich nicht für das Glitzernde eines Festes, sondern mehr für die kleinen Nebenszenen. Die Menschen in den verschiedensten Situationen.“ Gmeiner fotografiert den Wiesenmarkt bereits seit Mitte der 1980er-Jahre. Bei seiner „Foto-Motiv-Safari“ geht es daher weniger darum, Bergs exakten Standort wiederzufinden. „Es geht eher um das Einfangen der Stimmung.“ Gesichter, Gesten und Situationen stehen im Mittelpunkt.

Dabei wird auch der gesellschaftliche Wandel sichtbar. Marktstände, Fahrgeschäfte oder die Freiluft-Kegelbahn sind geblieben. Verschwunden seien hingegen „der einfachere Kleidungsstil und die wettergegerbten Gesichter der Bauern von damals“. Dennoch sei der Wiesenmarkt „immer noch ein wichtiger kultureller Ankerpunkt für die Gegend und für Kärnten“. Die Stimmung sei ähnlich geblieben, die Menschen hätten sich verändert: „Die moderne Zeit nivelliert und glättet die Unterschiede von früher – nicht nur zwischen den Klassen, sondern auch zwischen den Kulturen und Berufen.“
Persönliches Treffen mit Werner Berg
Gmeiners Verbindung zu Werner Berg ist auch eine persönliche. Als Kind besuchte er mit Mutter und Großmutter den Künstler auf dessen Rutarhof. Berg servierte eine Jause und zeigte ihm sein Atelier. „Für mich war das faszinierend. Er war der erste Künstler, den ich kennengelernt habe.“ Dazu kommt eine Familien-Anekdote: Gmeiners Großvater war Viehhändler und machte auch mit Werner Berg Geschäfte. Laut Gmeiner ist sein Großvater sogar in Bergs Werk „Viehhändler“ verewigt. Ein Bild Bergs kaufen wollte dieser damals allerdings nicht: „So ein Blödsinn“, meinte sein Großvater damals. Gmeiner lacht heute draüber.

Nun führt Gmeiner die Verbindung auf seine Weise fort. Beim Wiesenmarkt 2026 möchte er noch einige ikonische Berg-Motive fotografisch „einfangen“. Ob das gelingt? „Das hängt von meinem Jagd-Glück ab“, sagt er mit einem Schmunzeln. Der Bildband soll Anfang 2027 erscheinen. „Fotografien sind immer Zeitdokumente“, sagt Gmeiner. Auch eine Präsentation seiner Arbeiten im Werner Berg Museum ist im Gespräch.
Damit treffen beim Wiesenmarkt 2026 zwei Blicke aufeinander – jener Werner Bergs und jener Alois Gmeiners. Dazwischen liegen Jahrzehnte. Im Mittelpunkt stehen sowohl heute als auch damals die Menschen am Wiesenmarkt.
