Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Weinrekord lässt Italiens Weine um ein Fünftel billiger werden

Italienische Weinbranche steckt in der Überproduktionsfalle. Reiche Ernte, volle Keller, sinkende Preise und schwächelnder Export setzen Winzer unter Druck.

Rotweinverkostung bei der 58. Vinitaly-Messe in Verona | Italienische Winzer kämpfen mit Preisrückgängen
© IMAGO/Pennacchio
Rotweinverkostung bei der 58. Vinitaly-Messe in Verona|Italienische Winzer kämpfen mit Preisrückgängen
Alexander Tengg
Wirtschaft Kärnten

Italien wird auch 2026 weltweit führender Weinproduzent vor Frankreich und Spanien bleiben. Rund 40 Millionen Hektoliter Wein werden nach ersten Schätzungen bei der heurigen Lese erwartet. Doch der Spitzenplatz ist für die Branche kein Grund zum Feiern.

Angesichts einer schwachen Nachfrage, voller Lager und rückläufiger Exporte wächst die Sorge vor einer Überproduktion in dem Weinland. Wie groß die Bestände bereits sind, zeigen Zahlen des italienischen Landwirtschaftsministeriums.

Die Weinkeller in Italien sind bestens gefüllt. Winzer bleiben auf ihren Jahrgängen sitzen
©  stock.adobe.com
Die Weinkeller in Italien sind bestens gefüllt. Winzer bleiben auf ihren Jahrgängen sitzen

Ende Juli lagerten in den Kellern des Landes 45,6 Millionen Hektoliter Wein und Most um 8,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die große Menge an unverkauftem Wein setzt die Preise unter Druck. Im Juni sanken die Preise für italienische Weine im Topsegment im Durchschnitt um sieben Prozent auf 1,57 Euro je Liter. Bei einfachen Weinen fiel der Preisrückgang um rund ein Fünftel noch deutlich stärker aus.

Weinlese miterleben

Außenhandel schwächelt

Gleichzeitig schwächelt der Außenhandel. In den ersten fünf Monaten des Jahres ging der italienische Weinexport um sieben Prozent zurück. Besonders stark war der Einbruch in den USA, dem mit Abstand wichtigsten Auslandsmarkt Italiens: Dort gingen die Ausfuhren um 15 Prozent zurück.

Es gibt zu viel Wein auf dem Markt.

— Lamberto Frescobaldi, „Unione Italiana Vini“

Bei der derzeit schwachen Nachfrage könne sich Italien eigentlich eine trotz Hitze und Trockenheit anstehende Rekordernte gar nicht leisten.

Valpolicella- und Amarone-Weinbauern besorgt

Besonders angespannt ist die Lage bei den Preisen für Trauben. In Venetien, in Piemont, Apulien und anderen wichtigen Weinregionen wächst die Sorge vor einem weiteren Preisverfall. Christian Marchesini, Präsident des Consorzio della Valpolicella, spricht offen von Spekulation. Für frische Trauben sei angesichts der aktuellen Marktlage eigentlich ein Preis von 60 bis 80 Cent je Kilogramm angemessen. Tatsächlich würden teilweise nur 50 Cent geboten, in einigen Fällen sogar 40 Cent.

Auch bei den für Amarone bestimmten Trauben sieht Marchesini die Preise unter Druck. „Für den Amarone liegen wir bei 1,40 Euro, mit Spitzenwerten von 1,65 Euro, aber es gibt auch Angebote von 1,20 bis 1,30 Euro“, sagt er. Zusammen mit den gestiegenen Produktionskosten könne der Einkommensverlust pro Hektar inzwischen mehr als 35 Prozent betragen.