Post aus Grado: Der Eindringling bekommt jetzt Ärger

Autor Stefan Maiwald lebt seit vielen Jahren in Italien. Für die Kleine Zeitung schreibt er regelmäßig über den Alltag in Grado.
Sie war schon öfter zu Gast in dieser Kolumne: Die Blaukrabbe macht den Fischern an der oberen Adria seit Jahren das Leben schwer. Sie frisst Muscheln, zerstört Netze und hat ganze Bestände dezimiert. Doch jetzt wird zurückgebissen.
Aus dem Plagegeist soll eine Delikatesse werden. Diskutiert wird der Bau einer kleinen Fabrik in Grado, die das Fleisch der Blaukrabben verarbeitet. Das Projekt wird unter anderem von der Europaabgeordneten Anna Maria Cisint unterstützt, angeblich stünden auch EU-Mittel bereit. Von der Dame werden wir noch viel hören. Sie war lange Bürgermeisterin in Monfalcone und gilt als kommender Politstar.
Wirtschaftliche Chance
Ziel ist es, aus einem ökologischen Problem eine wirtschaftliche Chance zu machen und den Fischern eine neue Einnahmequelle zu eröffnen. Tatsächlich gilt das Fleisch der Blaukrabbe als ausgesprochen schmackhaft. In den USA ist „Blue Crab“ ein Klassiker, und auch in Italien landet sie inzwischen immer häufiger auf den Speisekarten – etwa in der Pasta oder im Risotto. Profi-Tipp von den Köchen an Pinos Stammtisch: besser mit anderen Meeresfrüchten mischen, denn das Fleisch ist recht süßlich. Gulasch-Lele schlägt die Beimischung von Kapern vor.
Natürliche Feinde
Doch damit nicht genug. In Riccione läuft derzeit ein ungewöhnliches Experiment. Dort werden künstliche Unterwasser-Verstecke für junge Kraken geschaffen. Parallel werden an der Universität Bologna Kraken gezüchtet, deren Nachwuchs vor Riccione freigelassen werden soll. Denn Kraken gehören zu den natürlichen Feinden der Blaukrabbe und könnten helfen, ihre Ausbreitung einzudämmen.
Die Forscher setzen also auf biologische Schädlingsbekämpfung. Ob der Plan aufgeht, muss sich zeigen. Die Fischer sind skeptisch. Sie bezweifeln, dass sich die Kraken auf den sandigen Böden der Adria dauerhaft wohlfühlen.
Aber die Vorstellung hat Charme: Hier eine Fabrik, die Blaukrabben zu Feinkost verarbeitet – dort Kraken, die den Rest verspeisen. Vielleicht ist das ja die italienischste Lösung überhaupt: Erst wird das Problem aufgegessen. Und was übrig bleibt, erledigt der Vielfraß mit acht Armen.
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