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KAC-Star: „Es muss etwas Besonderes kommen, um Kärnten zu verlassen“

Mit drei Jahren stand Thimo Nickl das erste Mal auf dem Eis. Heute zählt der Klagenfurter zu den fixen Stützen beim KAC und im Nationalteam. Nickl über seinen NHL-Draft, Plan B und unmoralische Angebote.

 Thimo Nickl an seinem „Arbeitsplatz“, der Heidi-Horten-Arena
© Weichselbraun Helmuth
Thimo Nickl an seinem „Arbeitsplatz“, der Heidi-Horten-Arena

Wie hat es sich eigentlich mit dem Eishockey ergeben?

Thimo Nickl: Mein Opa hat schon beim KAC gespielt. Er hat mich dann auf das Eis gestellt. Und da haben auch meine Eltern gemeint, dass Eishockey was für mich sein könnte und mich zum KAC gebracht. Und damit ist es eigentlich losgegangen.

 Und sie wollten Sie nie in einem bodenständigen Beruf sehen?

Nein, ich glaube, der Plan war, dass man mich als Kind einfach sportlich breit aufstellt. Ich habe ja nebenbei Fußball und Golf gespielt, im Winter sind wir immer Ski gefahren, waren auch viel mit dem Mountainbike unterwegs. Meine Eltern haben geschaut, dass mir nicht langweilig wird, aber sie haben mir die Entscheidung überlassen. Und dadurch, dass es dann mit 14, 15 Jahren in die Richtung Profi-Eishockey gegangen ist, haben wir gesagt: „Schauen wir mal, was passiert.“ Aber ihnen lag auch meine Ausbildung am Herzen. Sie haben gesagt, dass ohne Matura nichts geht. Durch das Ausland war das zwar auch nicht immer leicht, aber es hat schlussendlich auch irgendwie funktioniert – Gott sei Dank.

Man hört heraus, dass Sie ein sehr lebhaftes Kind waren ...

Ja, würde ich schon sagen. Auch im Urlaub war ich eigentlich nicht das Kind, das am Strand gelegen ist, sondern ich habe meine Eltern immer gefragt, ob wir irgendwas machen können. Ich bin wenig ruhig gesessen.

Mit dem KAC hat Thimo Nickl einen Dreijahresvertrag abgeschlossen
© GEPA pictures/ Matthias Trinkl
Mit dem KAC hat Thimo Nickl einen Dreijahresvertrag abgeschlossen

Mit 24 Jahren sind Sie noch ein junger Eishockeyspieler, blicken dennoch auf jede Menge Erfahrung zurück. Müssen Sie sich da nicht selbst oft kneifen?

Ja, absolut. Gerade wenn ich mit den Jungs rede, muss ich oft daran denken, dass die anderen noch nicht die Möglichkeiten gehabt haben, die ich bereits hatte. Ich bin dankbar für jede Erfahrung, die ich gemacht habe, jede Kultur, die ich gesehen habe, jede Art von Menschen, die ich kennenlernen durfte, die Freunde, die ich am Weg kennengelernt habe. Ich glaube, das hat mich nicht nur als Eishockeyspieler weitergebracht, sondern auch als Mensch. Auch mein ganzes Denken und meine Sichtweise haben sich dadurch verändert.

Sie haben die Kulturen angesprochen. Was unterscheidet Österreich von Skandinavien und Nordamerika in sportlicher Hinsicht?

Die Kanadier sind hauptsächlich am Eis. Dort wird nur im Sommer in der Kraftkammer trainiert, im Winter eher weniger. Mit Fabian (Anm. Hochegger) haben wir maximal zwei Einheiten in der Woche in der Kraftkammer gehabt. Für die zählt eigentlich nur alles, was am Eis passiert. Schweden ist anders. Die sind im Sommer auch viel am Eis, aber nur wegen der Technik. Sie sind aber auch die ganze Saison extrem viel in der Kraftkammer, im Sommer laufen sie auch viel. Österreich ist ein bisschen in der Mitte. Wir beim KAC haben ein super Training in der Kraftkammer, wie auch am Eis. Mir persönlich liegt das kanadische bzw. das nordamerikanische Eis besser, es ist kleiner. Das hilft meinem Spiel, das etwas körperbetonter ist. Ich würde auch sagen, dass ich in Kanada extrem gut gespielt habe, dort habe ich auch extrem viel Tore geschossen. Das muss ich wieder ändern, ich muss ein bisschen mehr auf das Tor ziehen.

Monatelang wurde über Ihre sportliche Zukunft diskutiert, warum ist es dann doch nicht das Ausland geworden, sondern der KAC?

Ich habe gewusst, dass etwas Besonderes kommen muss, damit ich den KAC verlasse. Und ich habe einen Dreijahresvertrag. Das Hauptziel ist natürlich, dass ich die drei Jahre in Klagenfurt durchziehe. Dass die ersten zwei Jahre so super werden, habe ich vorher natürlich nicht gedacht. Wie gesagt, da hätte was Gutes kommen müssen, dass ich meine Heimat, meine Familie, meine Freunde verlasse. Ich bin aber sehr froh, dass ich meine dritte Saison in Klagenfurt spielen kann.

Viele KAC-Teamkollegen sind über die Pack nach Graz abgewandert. Hätten Sie auch selbst gerne ein Angebot gehabt oder hat Graz eh angefragt?

Dadurch, dass ich noch ein Jahr fix in Klagenfurt bin, war kein Gesprächsbedarf da. Was danach passiert, müssen wir schauen. Ich hab noch ein Jahr und mein Hauptaugenmerk liegt jetzt einmal darauf, die Saison super zu spielen und der Mannschaft so gut zu helfen, wie ich kann.

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Der KAC-Verteidiger Thimo Nickl im Gespräch mit Petra Eggerer und Philip Edlinger
Der KAC-Verteidiger Thimo Nickl im Gespräch mit Petra Eggerer und Philip Edlinger © Weichselbraun Helmuth Kleine Zeitung

Kurzer Rückblick auf die WM: Sie waren nach zwei Spieltagen punktebester Verteidiger des Turniers? War das auch Thema in der Kabine?

Es ist witzig. Es war ja schon meine vierte WM, in zwei davon habe ich gar keinen Punkt gemacht, diesmal gleich sechs (2 Tore, 4 Vorlagen, Anm.). Ich wollte einfach nur eine super WM spielen. Als dann aber die Scorerlisten gepostet worden sind und ich unter den Top fünf war, sind natürlich ein paar Schmäh gefallen. Ich glaube trotzdem, dass es auf internationalem Level oft auch extrem viel Glück ist, dass der Puck reinhüpft und man einen Punkt macht.

Eine Verletzung kann schnell das Karriereende bedeuten, gibt es einen Plan B?

Natürlich. Darauf legen auch meine Eltern viel Wert. Ich studiere Sport-Management. Weil ich nicht gewusst habe, wohin es mich verschlagen wird, habe ich mich für ein Fernstudium entschieden. Ich könnte mir später vorstellen in diesem Bereich zu arbeiten. Aber ich hoffe, dass ich selbst noch ein paar Jahre spiele. Trainer wäre eher nichts für mich.

Als Nationalteam-Schlüsselspieler ist die Debatte um das Fraueneishockey im ÖEHV auch an Ihnen nicht vorübergegangen. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Es ist ein schwieriges Thema. Jede Eishockeymannschaft verdient auf alle Fälle das Beste vom Besten. Am Ende des Tages geht es um den Sport. Man sollte sich auf den Sport konzentrieren können, das ist das einzige, was zählt. Dass man in Kabinen sitzt, die nicht beheizt sind, ist natürlich kein Standard.

Werdegang

Thimo Nickl wurde am 4. Dezember 2001 in Klagenfurt geboren. 2005 stand er erstmals im Aufgebot der Bambini-Mannschaft des KAC und durchlief in der Folge bis 2019 sämtliche Altersstufen in der Nachwuchsausbildung des Rekordmeisters. 2020 wurde der Verteidiger aus Klagenfurt von den Anaheim Ducks im NHL-Entry-Draft ausgewählt und schrieb damit ein Stück rot-weiße Eishockeygeschichte. In der vierten Runde und an insgesamt 104. Stelle sicherten sich das Team aus Kalifornien die Transferrechte am 18-Jährigen für die stärkste Eishockey-Liga der Welt.

Heute sind Sie 24 Jahre alt, was würden Sie Ihrem 17-jährigen Ich sagen?

Mit siebzehn bin ich im Sommer nach Kanada gegangen. Aber ganz einfach: Hör nicht auf zu träumen, mach weiter. Du wirst Rückschläge kriegen, du wirst hinfallen, aber trotzdem aufstehen und weitermachen. Und am Ende des Tages: Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich kann jeden Tag das machen, was ich liebe.

Es ist ein Sommergespräch bei noch sommerlichen Temperaturen. Was macht einen Thimo Nickl richtig „heiß“, also bringt ihn auf die Palme?

Ich bin eigentlich jemand, der sich kaum aufregt. Wo ich manchmal grantig werde, ist am Eis, vor allem, wenn ich denke, dass irgendwas unfair und nicht regelkonform ist. Aber wie gesagt, so schlimm ist es bei mir nicht. Ich muss aber dazu sagen, dass ich manchmal auch über die Linie schreite.

Welchen Moment würden Sie als den emotionalsten Ihrer Karriere bezeichnen?

Den NHL-Draft. Leider war der im Corona-Jahr. Ich war mit Marco Kasper zusammen in Ängelholm in Schweden. Und es macht schon einen Unterschied, ob man auf der Couch sitzt und das online mitverfolgt oder in einem Stadion mit 20.000 Menschen sitzt und dein Name aufgerufen wird. Aber es war trotzdem der absolut emotionalste Moment in meinem Leben bisher.

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Laut eigenen Angaben bringen Nickl nur unfaire Entscheidungen auf dem Eis aus der Fassung
Laut eigenen Angaben bringen Nickl nur unfaire Entscheidungen auf dem Eis aus der Fassung © GEPA pictures/ Avni Retkoceri

Sie verbringen auch abseits des Eises viel Zeit mit den Jungs ...

Wir sind eine ganze Truppe mit David Maier, Finn van Ee, Maxi Preiml und noch ein paar. Wir fahren auch im Urlaub jedes Jahr woandershin. Letztes Jahr waren wir in Budapest, heuer in Brüssel – ein bisschen die Stadt anschauen, zusammen sitzen, quatschen, eine Gaude haben und vielleicht ein Bierchen trinken.

Apropos David Maier: Er ist ja Ihr bester Freund. Wie sehen Sie seinen Abgang nach Graz?

Er hat es mir unter strengster Geheimhaltung verraten, dass er geht. Leicht war es natürlich nicht für mich und ich habe auch nicht damit gerechnet. Ich habe das Privileg gehabt, mit ihm zwei Jahre zusammenspielen zu können. Und Eishockey ist ein Business, wo man nie genau weiß, wo man im nächsten Jahr sein wird. Deshalb war es auch klar, dass sich vielleicht unsere Wege irgendwann einmal trennen und hoffentlich kommen sie irgendwann wieder mal zusammen.

Aber wie ist das dann, wenn der beste Freund am Eis auf einmal der Gegner ist?

Schwierig. Aber es ist wie mit den Jungs aus dem Nationalteam. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich den David in der Ecke checken muss oder ob es ein Kanadier ist. Man muss das aber irgendwie ausblenden und schauen, dass man gegen jeden gleich spielt.

Jetzt noch zum Punkt unmoralisches Angebot: Was müsste der VSV zahlen, dass Sie in Blau-weiß einlaufen?

Kein Kommentar.

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