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„Die letzte Zeit war schwer, niemand wusste, wie es weitergeht“

Er ist der Fels in der Brandung bei der Austria Klagenfurt. Sandro Zakany über den Wirbel im Verein, seine Liebe zur Austria und den besten Moment seiner Karriere.

Sandro Zakany, die Legende aus Waidmannsdorf
© Weichselbraun Helmuth
Sandro Zakany, die Legende aus Waidmannsdorf
Marco-William Ninaus
Teamleiter Regionalredaktion Klagenfurt

Wie schwer fiel Ihnen in den vergangenen Monaten der Weg ins Wörthersee Stadion?

Sandro Zakany: Die Zeit war schwer. Mental war ich angeschlagen und niemand wusste, wie es weitergeht. Aber in so einer Situation hilft kein Jammern. Ich bin quasi mein ganzes Leben hier und mein Herz hängt am Verein. Man kann also nur die eigene Arbeit so gut wie möglich erledigen und hoffen, dass es wieder besser wird. Dafür muss aber sportlich, im Nachwuchs und vor allem wirtschaftlich alles passen.

Ausbleibende Zahlungen, fragwürdige Vorgänge an der Vereinsspitze und der Weg in Liga 3. Wie oft dachten Sie ans Aufhören?

Ich gebe nicht auf, nur weil ein paar Monate lang kein Geld überwiesen wird. Man vertraut auf die Chefs und die wirtschaftliche Abteilung und bis jetzt ging alles gut. Heute stehen wir wieder gut da und starten einen Neuanfang.

„Das Stadion ist kein Segen“, sagt Zakany
© Weichselbraun Helmuth
„Das Stadion ist kein Segen“, sagt Zakany

Dieser Neuanfang geschieht mit denselben Personen im Hintergrund, die für die vergangenen Monate verantwortlich waren. Glauben Sie, dass diese Personen die Austria nach oben führen können?

Mit Familie Karajica, die Millionen in den Verein gesteckt hat, waren wir schon ganz oben. Doch die Zuschauerzahlen gingen nicht rauf und wenn sich dadurch auch die Zusammenarbeit mit Sponsoren, Stadt und Land nicht wirklich weiterentwickelt, erreicht man einen Punkt, an dem nichts mehr geht. Irgendwann folgt die Insolvenz.

Interessieren sich Klagenfurter für Fußball nicht?

Das Stadion ist kein Segen. Hätten wir eines mit 5000 Plätzen, würden sich die Menschen um die Sitze und die Stimmung reißen. Doch das Stadion steht, ist unser Zuhause, also werden wir es nutzen.

Fühlt sich die Zeit wie die 2010er-Jahre an, als die Politik die Austria zum Spielball machte?

Das waren andere Zeiten. Damals war ich ein junger Spieler und konzentrierte mich nur auf den Fußball. Alles andere war mir komplett egal.

Schöpften Sie damals Ihr ganzes Potenzial aus?

Sicher nicht. Noch heute muss ich mir anhören, warum ich nicht ins Ausland gegangen bin. Ich hatte zwar Angebote aus Unterhaching, aus Holland und der AC Milan kam einmal zuschauen, aber sogar als ich in Wien war, fuhr ich jedes Wochenende zu meinen Freunden und meiner Familie nach Hause. Bereuen tue ich aber nichts.

Gar nichts?

Nein. 2013 machte ich mit dem Wechsel vom WAC zur Austria zwei Schritte zurück. Nicht nur sportlich, auch finanziell. Ich war aber lieber 90 Minuten am Platz als auf der Bank und wie sich herausstellte, war das vielleicht die beste Entscheidung in meiner Karriere. Hätte ich die nächsten sieben Jahre voller Aufs und Abs nicht mitgemacht, wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ich sitze hier in Klagenfurt, habe Frau und Kind, und bin zufrieden. Ich habe alles richtig gemacht.

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2007 feierte Zakany (rechts) sein Bundesliga-Debüt
2007 feierte Zakany (rechts) sein Bundesliga-Debüt © Gepa/Troester

Wurmt Sie es, in einer Zeit Profi gewesen zu sein, in denen die Millionen nicht so wie heute geflossen sind?

Geld war nie Thema, mein Vater hielt das von mir weg. Aber meine Zeit war eine gute. Ich hatte Dinge, die viele andere nicht hatten, und durfte mit 18 Jahren in der Bundesliga spielen. Das gab es nicht so oft.

War das Niveau damals höher?

Heute ist der Sport auf Geschwindigkeit und Kraft ausgerichtet, früher gab es dafür andere Charaktere. Die Alten legten mir in der Kabine eine auf, nachdem ich einen Blödsinn gemacht habe. Heute laufen viele Junge zu ihren Eltern, wenn sie einmal kritisiert werden. Selbstkritik ist kein Thema mehr.

Sie galten als großes Talent, dem der letzte Funken Ehrgeiz fehlte. Sehen Sie das auch so?

Ich würde sagen, dass ich zu ehrgeizig war. Am Feld war mir nie etwas egal. Ich spielte aggressiv und konnte einfach nicht verlieren, das war mit vier Jahren bei „Mensch ärgere Dich nicht“ nicht anders. Es kann schon sein, dass diese Emotionen mich in weiterer Folge bremsten.

2008 verschlafen Sie den Flug ins Trainingslager nach Spanien, 2012 wirft Sie Trainer Nenad Bjelica wegen privaten Eishockey-Partien aus dem WAC-Kader. Der Arbeitseifer passte?

Dazu muss man die ganze Geschichte kennen. 2008 schlief ich im Krankenhaus bei meiner damaligen Partnerin ein. Leider war mein Handy in der Jacke und als ich in der Früh aufgewacht bin, waren die anderen schon in Spanien. Und unter Bjelica spielte ich ab und zu Eishockey, was man als Profi nicht machen sollte, mir damals aber nicht bewusst war. Leider landete das in der Zeitung. Ich entschuldigte mich und damit war die Sache erledigt. Aber das hat nichts mit fehlendem Arbeitseifer zu tun. Jeder Trainer lobte mich für meine Einstellung.

Welche Episoden prägten Sie noch?

Die Relegation 2015 gegen Parndorf. Zuerst verloren wir auswärts 2:1. Hier im Stadion waren wir bis zur 83. Minute in Führung, bis Parndorf mit einem Elfmeter ausglich. Dann gingen die Gedanken im Kopf wieder los. „Das war es wieder“, dachte ich mir. Doch Christian Prawda köpfte uns zum 2:1 und wir gewinnen die Partie in der Verlängerung. 5000 Zuschauer stürmten aufs Feld. Das war unglaublich, einfach ein Wahnsinn.

Und Ihr bester Karrieremoment?

Emotional sicherlich. Doch auch der Titel mit dem WAC war unglaublich, weil wir in diesem Jahr nicht die Favoriten waren. Unsere Truppe war zusammengeschweißt.

Zur Person

Sandro Zakany (38) wuchs in Waidmannsdorf auf. Schon als Volksschüler spielte er für die Austria Klagenfurt, durchlief ab 1992 diverse Nachwuchsstationen bis zum Profibereich. Vom FC Kärnten und der Austria Kärnten, wechselte er 2008 zu Admira Wacker Mödling und 2010 zum LASK. Ebenfalls 2010 erfolgte der Wechsel zum WAC, mit dem Zakany in die Bundesliga aufstieg. 2013 kehrte Zakany nach Klagenfurt zurück, feierte 2015 den Aufstieg in die zweite Liga, nur um im Jahr darauf wieder abzusteigen. Seit 2020 ist Zakany als Teammanager aktiv. Er hat eine Frau und eine Tochter.

Fiel Ihnen der Gang zum WAC als Klagenfurter schwer?

Gewissensbisse hatte ich keine. Damals wechselte ich vom LASK und die Austria war erst wieder im Entstehen. Die Fans aus Klagenfurt ließen mich das aber spüren und das traf mich. Ich war Waidmannsdorfer, spielte hier seit 1992 Fußball und war lange vor denen da, die mich beleidigten. Nach meiner Rückkehr war der Unmut aber bald wieder weg.

Heute sind Sie bei der Austria Teammanager, „Mann für alles“ und im Zweifel auch Stadionsprecher. Dachten Sie je, dass das Ihr Job sein wird?

Nein. 2020 hatte ich eigentlich noch einen Vertrag für das nächste Jahr, doch der Verein kam auf mich zu, sprach von einem Kaderumbruch und dass ich nicht mehr viel spielen werde. Ich hatte aber das Angebot beim Verein zu bleiben, war zuerst Co-Trainer und Individualtrainer. Das ging ein halbes Jahr lang gut, bis es hieß, dass ich weniger am Platz und mehr im Büro arbeiten soll. Irgendwann saß ich nur noch im Büro. Darüber rege ich mich aber nicht auf. Ich mache das Beste aus der Situation und helfe dem Verein, wo ich nur kann.

Ist dieser Zugang Ihre Lebenseinstellung oder der Liebe zum Verein und der Stadt geschuldet?

Ob ich Spieler, Teammanager oder Busfahrer bin, ist zweitrangig für mich. Wenn etwas von mir verlangt wird, dann mache ich es, solange es mir, meiner Familie und dem Verein passt. Dann brauche ich auch keinen Nuller mehr am Konto. Denn die Austria ist meine Heimat, mein erstes Dress war violett. Jeden Tag gehen wir in die Arbeit, damit hier 400 Kinder trainieren und Spaß haben können. Es gibt keinen größeren Sportverein in Klagenfurt.

Was Zakany heute machen würde, wäre er nicht im Fußball aktiv? „Zum Glück musste ich mir darüber noch nie Gedanken machen“, sagt er
© Weichselbraun Helmuth
Was Zakany heute machen würde, wäre er nicht im Fußball aktiv? „Zum Glück musste ich mir darüber noch nie Gedanken machen“, sagt er

Erkennen das die Menschen in der Stadt?

Das glaube ich nicht. Sie lesen viel, bilden sich ihre Meinung und reden schlecht über den Verein. Wir versuchen das zu ändern, gehen mit einer anderen Demut an die Sache heran und hoffen, dass wir mit jungen Spielern aus Klagenfurt neue Leute ins Stadion bringen. Die Austria wird nie Rapid oder Sturm sein, aber wir können wie Hartberg, Ried oder Blau-Weiß Linz werden. Das ist unser Ziel.

Eines Tages mit Ihnen als Trainer?

Das wird vermutlich nie passieren, dafür bin ich zu emotional.

Unter welchem Trainer spielten Sie am liebsten?

Am liebsten spielte ich unter Frankie Polanz – ein super Mensch, der mir als Spieler gutgetan hat. Manfred Mertel machte mich zum Profi und unter Walter Schachner feierte ich mein Bundesliga-Debüt. Bjelica hat ein Gespür für den Fußball und für Menschen, über ihn kann ich auch nichts Schlechtes sagen.

Bei wem gingen Sie mit Bauchweh in die Kabine?

Bei Manfred Bender. Jedes Training gab er mir Gas, das war aber einfach sein Zugang und wahrscheinlich hatte er damit recht. Ich spielte gut, schoss 15 Tore und wir wurden Meister. Gefallen hat es mir trotzdem nicht.

Wo sehen Sie sich dann in Zukunft?

Dort, wo der Verein mich braucht. In einem Verein, der auf gesunden Beinen steht und sich in der Bundesliga etabliert.

Wann wird das wieder sein?

An einem Tag stehen wir am Neuen Platz mit dem Meisterteller in der Hand, ein paar Monate später spielen wir gegen SV Donau. Das ist Fußball. In erster Linie brauchen wir einen gesunden Verein mit motivierten und leidenschaftlichen Mitarbeitern.

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