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Von New York nach Osttirol, um 12.000 Schlipfkrapfen zu machen

Franziska Gantschnig (28) lebt seit eineinhalb Jahren in New York und arbeitet für die Österreich Werbung. Für das Schlaitener Schlipfkrapfenfest nimmt sie aber zwei Wochen Urlaub.

Franziska Gantschnig machte für das Schlipfkrapfenfest in Schlaiten 12.000 Schlipfkrapfen
© Kk/privat
Franziska Gantschnig machte für das Schlipfkrapfenfest in Schlaiten 12.000 Schlipfkrapfen
Karin Nagele

Bis vor einigen Jahren gab es bei der Schlaitener Familie Gantschnig eine samstägliche Tradition. „Ab 15 Uhr wurden gemeinsam Schlipfkrapfen produziert, und alle Anwesenden haben mitgemacht. Je nach Alter wurden die Aufgaben verteilt. Die Jüngsten durften zum Beispiel das Mehl auf die Nudelbretter streuen“, erinnert sich Franziska Gantschnig, die zeitlebens eine enge Verbindung zu der Osttiroler Köstlichkeit hatte. Dieses alte, heimische Gericht, das Franziska liebevoll als „Osttiroler Fast Food“ bezeichnet, hat es der 28-Jährigen wahrlich angetan.

Mit der Unterstützung von Mama Rosmarie (Zwiebel schneiden) und Papa Leopold (Erdäpfel schälen) ist nämlich Franziska diejenige, die alle 12.000 Schlipfkrapfen, die für das „Schlaitener Schlipfkrapfenfest“ benötigt werden, produziert. „Daheim in der Küche meiner Eltern in Schlaiten. 1000 Stück am Tag und danach schaut die Küche natürlich jedes Mal entsprechend aus“, schmunzelt sie. Eine Nacht verbringen die Schlipfkrapfen in der Kühltruhe der Gantschnigs, dann werden sie in die Gefriertruhe im Vereinshaus übersiedelt. Von dort aus geht es am 21. und 23. August direkt in den Kochtopf und auf die Teller der Besucher des „13. Schlaitener Schlipfkrapfenfestes“, das von der örtlichen Musikkapelle (MK) veranstaltet wird. Alle zwei Jahre findet dieses Fest statt.

Travel-Trade-Managerin in New York

Apropos Musikkapelle, dort ist Franziska Gantschnig seit rund 15 Jahren aktives Mitglied und war heuer sogar bei zwei Ausrückungen als Schlagwerkerin dabei. Dies ist insofern bemerkenswert, da die sportliche, junge Frau ihren Hauptwohnsitz nicht in der 460-Seelen-Gemeinde hat, sondern in New York. „Ja, das ist alles ein bisschen größer als in Schlaiten“, lacht Gantschnig, die seit eineinhalb Jahren in der 8,5-Millionen-Menschen-Metropole in einer Wohngemeinschaft mit zwei Amerikanern lebt.

Die sympathische Osttirolerin arbeitet als Travel-Trade-Managerin für die Österreich Werbung in New York
© KLZ / Karin Nagele
Die sympathische Osttirolerin arbeitet als Travel-Trade-Managerin für die Österreich Werbung in New York

Nach der HAK-Matura in Lienz studierte die begeisterte Radfahrerin und Tennisspielerin in Innsbruck Tourismusmanagement. Nach erfolgreicher Erlangung von Bachelor und Master ging es auf Jobsuche. „Da war dann die Stelle einer Travel-Trade-Managerin der Österreich Werbung in New York ausgeschrieben. Ich habe mich beworben und die Stelle bekommen, also ganz unspektakulär“, sagt Gantschnig, die seither sehr viel Zeit im Flugzeug verbringt, um den Amerikanern die Schönheit Österreichs als Urlaubsdestination schmackhaft zu machen. Der Trend zeigt nach oben und auch die Kulinarik ist neben dem Natur- und Bergerlebnis immer häufiger ein Grund für US-Amerikaner nach Österreich zu kommen.

„Vor allem der Winter wird immer gefragter. Amerika ist der wichtigste touristische Fernmarkt von Österreich“, weiß die Tourismusfachfrau, die erst dieses Wochenende aus Las Vegas nach Hause nach Schlaiten kam. „Von der größten amerikanischen Tourismusmesse direkt in die elterliche Küche zum Schlipfkrapfenmachen sozusagen“, erklärt die ehemalige Schilehrerin.

Franziska Gantschnig auf der Brooklyn Bridge in New York
© Kk/privat
Franziska Gantschnig auf der Brooklyn Bridge in New York

Ob Franziska in New York auch schon Schlipfkrapfen gemacht hat? „Einmal, für meine WG-Kollegen, aber die Besorgung der Zutaten war eine Herausforderung, vor allem die Beschaffung von Roggenmehl“, erinnert sich die Schlagzeugerin der MK Schlaiten. Geschmeckt hat es den Kollegen hervorragend, wie wohl sie meinten, Ravioli vor sich zu haben, und sich voller Bewunderung darüber zeigten, dass Franziska den Teig selbst hergestellt und nicht gekauft hatte.

All ihren Urlaub nutzt Gantschnig daher, um Zeit in der Heimat zu verbringen. Im Juli wurden schon 80 Prozent der Schlipfkrapfen für das anstehende Fest produziert, die restlichen 20 Prozent fertigt die Schlaitnerin, deren Büro nahe der Wall Street zu finden ist, in diesen Tagen. Großer Wert wird dabei auf Regionalität der Zutaten und ein einfaches Prozedere gelegt, damit jeder die Schlipfkrapfen auch nachkochen kann. „Das Schlipfkrapfenfest ist für mich und wohl auch andere Schlaitner wie Weihnachten und Geburtstag zusammen“, ist die Vorfreude bei Franziska, die nun zwei Wochen Urlaub hat, schon riesengroß.

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Schlipfkrapfenfest in Schlaiten
Schlipfkrapfenfest in Schlaiten © Kk/dominic Rindler

Serviert werden in Schlaiten acht Stück der fleischlosen Köstlichkeit mit zerlassener, brauner Butter und Schnittlauch, dazu wahlweise ein Glas Milch oder Speckkrautsalat. Zudem empfiehlt es sich am Schlipfkrapfenfest Lose zu kaufen, da der Hauptpreis ein Jahresvorrat an Schlipfkrapfen ist. Die Frage nach dem Lieblingsessen von Franziska Gantschnig ist obsolet, außerdem hat sie einen besonderen Tipp auf Lager. „Am Sonntag gibt es ab 15 Uhr sogar gebratene Schlipfkrapfen“, so die Weltenbummlerin. Na dann, Mahlzeit!

Franziskas Rezept für 100 Schlipfkrapfen

Zutaten
1 kg Mehl (500g Roggenmehl, 500g Weizenmehl)
2 kg Erdäpfel (bevorzugt mehlig)
2 große Zwiebel
Grüner Lauch (oder Schnittlauch)
Salz
Pfeffer
Pflanzenöl

Zubereitung Fülle
1. Die Erdäpfel kochen, schälen und durch die Erdäpfelpresse drücken.
2. Die Zwiebel klein schneiden und anrösten.
3. Den Lauch klein schneiden (nicht anrösten!).
4. Alles zusammenmischen und mit ca. 5 Teelöffel (TL) Salz und 1 TL Pfeffer würzen.
5. Kleine Bällchen formen oder mit einem EL direkt aus der Schüssel nehmen.

Zubereitung Teig
1. Das Mehl mit circa 3 TL Salz, einem Schuss Pflanzenöl und ca. 500 bis 600 ml Wasser vermengen und gut abkneten.
2. Den Teig dünn ausrollen, Vierecke schneiden.
3. In jedes Viereck eine Portion Fülle geben und die Ränder „pitschen“ (zusammenfügen).

Achtung beim Einkochen
Das Wasser muss kochen! Am Beginn vorsichtig umrühren, damit die Schlipfkrapfen nicht am Boden des Kochtopfs festkleben. Wenn die Schlipfkrapfen oben schwimmen, sind sie fertig. Kochzeit zirka 20 Minuten.

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