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Viele Fragen: Stiftungsrat entscheidet über ORF-Jobs

Im ORF steht erneut eine turbulente Sitzung an: Vier zentrale Direktorinnen und Direktoren und neun Landesdirektoren stellen sich dem Gremium.

Der künftige ORF-Chef Clemens Pig schlägt sein Direktorenteam vor
© APA/ROLAND SCHLAGER
Der künftige ORF-Chef Clemens Pig schlägt sein Direktorenteam vor
Bernhard Baumgartner

Seit zehn Uhr morgens tagt im ORF-Zentrum auf dem Wiener Küniglberg erneut der Stiftungsrat des ORF. Das weitgehend politisch besetzte Gremium aus 35 Personen soll heute über das künftige Team des designierten Generaldirektors Clemens Pig entscheiden. Vier Direktorinnen und Direktoren für die Zentrale und einen für jedes Landesstudio gilt es mit einfacher Mehrheit zu bestellen. Dass Pigs Vorschlag eine Mehrheit findet, gilt als sicher. Immerhin haben die Mandatare mit Nähe zu den Regierungsparteien eine satte Mehrheit im Gremium.

Überraschungen

Allerdings hat Pig, der selbst am 12. Juni in einer Marathonsitzung mit 21 von 35 Stimmen bestellt wurde, mit der Wahl seines Teams für die eine oder andere Überraschung gesorgt. Ausgeschrieben wurde nicht die übliche Geschäftsverteilung, sondern vier Direktionen für Programm und Brands, Audience und Plattformen, Finanzen und Verwaltung sowie Technologie und Innovation. Drei der vier von Pig vorgeschlagenen Zentraldirektoren kommen aus dem ORF: Michael Krön, derzeit ORF-Chefproducer und zuletzt Executive Producer des Eurovision Song Contest, ist für die Direktion Programm und Brands nominiert. Angelika Simma-Wallinger, derzeit Chefredakteurin des ORF-Landesstudios Vorarlberg, soll Direktorin für Audience und Plattformen werden. Harald Kräuter, derzeit Direktor für Technik, soll künftig die Direktion Technologie und Innovation führen.

Für den heiklen Job der ORF-Finanzen holt sich der Tiroler Pig eine Landsfrau: Silvia Lieb, derzeit Vorstandsvorsitzende der Tiroler Moser Holding („Tiroler Tageszeitung“), soll Direktorin für Finanzen und Verwaltung werden. Ihr Job wird nicht ohne: Sie wird das von der Regierung verordnete Sparpaket von zusätzlich 93 Millionen Euro zu exekutieren haben.

Die Landesstudios

Bei den Landesstudios schlägt Clemens Pig vier neue Führungskräfte vor: Sigrid Hroch in der Steiermark, Martin Weberhofer in Kärnten, Gerd Schneider in Salzburg und Julia Ortner in Vorarlberg. Fünf bisherige Landesdirektoren sollen im Amt bleiben: Werner Herics im Burgenland, Alexander Hofer in Niederösterreich, Klaus Obereder in Oberösterreich, Esther Mitterstieler in Tirol und Edgar Weinzettl in Wien.

Fragenkatalog

Vor allem zu den Zentraldirektionen dürfte es im Gremium Diskussionen geben. Aufgrund der ungewöhnlich hohen Zahl der Bewerbungen würden etliche Stiftungsräte gerne wissen, wer sich noch beworben hatte und warum die Wahl auf diese Kandidatinnen und Kandidaten fiel. Der von der FPÖ nominierte Stiftungsrat Peter Westenthaler kündigte einen „ganzen Fragenkatalog“ an und will die Bestellung überhaupt verschieben. Man habe keine Ahnung, wer sich noch beworben hat, und verfüge auch nicht über die Bewerbungskonzepte. Er ortet gar nordkoreanische Verhältnisse. Jurist und ebenfalls von der FPÖ nominierter Stiftungsrat Christoph Urtz forderte vor der Sitzung volle Transparenz, die auch im neuen europäischen EMFA-Gesetz so vorgesehen sei. Bei einer transparenten Bestellung müsse man die Kandidatinnen und Kandidaten vergleichen können.

Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer sieht die Transparenz jedenfalls erfüllt. Der designierte ORF-Chef werde seinen Vorschlag „sehr genau begründen“. Auch Fragen an die Kandidaten seien, entgegen Aussagen der FPÖ, zugelassen. Eine Entscheidung dürfte am späten Nachmittag fallen.

Prozess gegen Weißmann

Anderenorts startet heute der Prozess, den Ex-ORF-Chef Roland Weißmann gegen den ORF angestrengt hat. Es geht um jene Ansprüche, die er durch seinen, wie er sagt, erzwungenen Rücktritt verloren hat – insgesamt rund vier Millionen Euro. Im Saal 25 des Arbeitsgerichts in Wien dürfte heute wohl noch kein Urteil fallen. Ein Vergleich der Parteien scheint nicht in Sicht.

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