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Gustav Mahler, ein Komponist mit Waschbrettbauch und strammen Waden

Er fuhr mit dem Rad auf den Loibl und schwamm im Wörthersee: Gustav Mahler war nicht nur ein gefeierter Komponist, sondern auch ein begeisterter Sportler.

Auf einer Fahrt zum Loibl schrieb Gustav Mahler einer Freundin diese Ansichtskarte
© KK/Privat
Auf einer Fahrt zum Loibl schrieb Gustav Mahler einer Freundin diese Ansichtskarte
Petra Lerchbaumer
Redakteurin Kärnten-Ressort

Als die so genannten Sommerfrischler Ende des 19. Jahrhunderts den Wörthersee eroberten, war ein ganz Bekannter seiner Zeit unter ihnen: der Komponist Gustav Mahler.

Mahler hatte zunächst ein Komponierhäuschen in Steinbach am Attersee. Aufgrund eines Pächterwechsels und weil es dem geräuschempflichen Mahler zu laut geworden war, suchte er einen Ersatz und fand diesen 1899 in Maiernigg. Mahler ließ sich eine Villa am See sowie ein Komponierhäuschen in einem Waldstück errichten. In Letzterem fand er jene Ruhe zum Komponieren, die er auch in der Metropole Wien nicht hatte. „Mahler war fast zehn Jahre lang Direktor der Wiener Hofoper“, sagt Dieter Resei, der im Komponierhäuschen Besucherinnen und Besucher durch Mahlers Welt führt und „sein Hausmeister ist“, wie er schmunzelnd sagt. Die Doppelbelastung mit den künstlerischen und administrativen Agenden an der Oper war für Mahler auch sehr fordernd.

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Gustav Mahler lebte von  1860 bis 1911
Gustav Mahler lebte von 1860 bis 1911 © KK

Sieben Jahre lang – bis zum tragischen Tod seiner erstgeborenen Tochter Maria 1907 - weilte Mahler von Mitte Juni bis Mitte August am Wörthersee. In Maiernigg komponierte der Musikschaffende mit einem Faible für die Natur nicht nur, er frönte dort auch sportlichen Aktivitäten wie dem Radfahren.

Anspruchsvolle Strecke

„Das Radfahren hat Mahler in Hamburg kennengelernt, wo er am Stadttheater als Kapellmeister engagiert war. In Hamburg hat er sich auch ein Rad gekauft“, sagt Resei. Mit einem Rad war er auch in Kärnten unterwegs und erkundete dabei nicht nur die nähere Umgebung. „Mahler hatte sich einen Reiseführer gekauft und in diesem den Loiblpass entdeckt“, sagt Resei, der hinzufügt: „Mit den Höhenmetern hat er sich allerdings vertan und musste das Rad dann auch schieben.“ Der Musikschaffende ließ sich von der anspruchsvollen Strecke nicht abhalten und fuhr weitere Male zum Gasthof „Deutscher Peter“. Von dort schrieb er auch einmal eine Ansichtskarte an eine Freundin namens Henriette Mankiewicz, die eine anerkannte Kunstgewerblerin war.

Durch schriftliche Aufzeichnungen von Mahlers Zeitgenossinnen und Zeitgenossen ist viel Privates über ihn bekannt. Natalie Bauer-Lechner, eine Vertraute Mahlers, schrieb 1900 etwa, dass „sein Bewegungsdrang extrem ist. Er fährt wie ein Berserker“. Die Sucht nach Adrenalin habe zudem jeden Schmerz übertüncht.

Rund um Gustav Mahler

Öffnungszeiten Komponierhäuschen. Bis Ende Oktober jeweils Donnerstag bis Sonntag, 10 bis 13 Uhr
Auf Mahlers Spuren am Wasser und im Wald. Führung mit Austria Guide Maria Staudegger am 3. und 5. September sowie am 3. Oktober, jeweils 9.30 bis 12 Uhr, Preis 39 Euro. Geboten werden unter anderem eine Bootsfahrt zu Gustavs Mahler Villa, ein Spaziergang zum Komponierhäuschen und Mahlers Lieblingsfrühstück. Weitere Informationen und Anmeldung unter https://mariastaudegger-guide.at

Doch wer meint, Mahler war wie jeder andere mit dem Rad unterwegs, der irrt. „Er fuhr in Schlangenlinien“, sagt Resei, der dies damit begründet, dass „er grundsätzlich unstet war“. So war es auch schwer, mit ihm Schritt zu halten. „Mahler machte drei große Schritte und einen kleinen, offenbar aus Nervosität“, ist von Paul Stefan überliefert, der Musikkritiker und ein Freund Mahlers war.

1,60 Meter groß und drahtig

Von Alfred Roller, der Bühnenbildner an der Wiener Hofoper war, weiß man: „Er war 1,60 Meter groß, drahtig, hatte einen Waschbrettbauch und war unglaublich sportlich.“ Als See-Anrainer war Mahler auch begeisterter Schwimmer. Darüber ist von Roller überliefert: „Sein Bad begann gewöhnlich mit einem mächtigen Kopfsprung. Dann schwamm er lange unter dem Wasser und weit draußen im See kam er erst wieder zum Vorschein, sich behaglich im Wasser wälzend wie eine Robbe.“ So war es auch kein Vergnügen, gemeinsam mit Mahler zu rudern: „Er hatte einen sehr kräftigen Streich und einen viel zu schnellen Schlag. Aber seine Kraft befähigte ihn, diese Anstrengung auszuhalten.“

Ausgleich zur Musik

Der Sport war für Mahler ein wichtiger Ausgleich zur Musik. Umso mehr traf es ihn, als Medizinalrat Karl Blumenthal aus Viktring, bei ihm 1907 als Erster ein Herzleiden konstatierte. „Er verbot Mahler, Sport zu machen. Das war ein Drama für ihn“, sagt Resei.

Dem großen Komponisten war kein langes Leben beschieden. Mahler starb am 18. Mai 1911 im 51. Lebensjahr an einer bakteriellen Herzmuskelentzündung.

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