Eigentlich hätte Josef Kassin nach dem frühen Tod des Vaters als ältestes Kind die elterliche Landwirtschaft übernehmen sollen. Doch wie so oft im Leben kam es auch bei ihm ganz anders. Der Kärntner wechselte von der Ackerbauschule in Klagenfurt in die neu eröffnete Permanente Zeichen- und Modellierschule. Kassins Zeichenlehrer Andreas Lexer, der Leiter dieser Schule war, hatte sein Talent erkannt und wollte ihn fördern.

„Bald schon kam Kassins Neigung zur Bildhauerei zum Vorschein und er beteiligte sich auch an Schülerausstellungen“, sagt Historikerin Brigitte Ponta-Zitterer vom Kärnten Museum, die auch Beirat im Geschichtsverein für Kärnten ist und 2021 eine Monografie über den Bildhauer verfasst hat. Eine dieser Ausstellungen sollte für Kassin, dessen Geburtstag sich am 15. Mai zum 170. Mal jährte, wegweisend sein. Der Wiener Bildhauer und Erzgießer Franz Xaver Pönninger wurde auf ihn aufmerksam. Pönninger selbst weilte zu jener Zeit in Klagenfurt und arbeitete am Maria-Theresia-Denkmal.

1874 verließ Kassin Klagenfurt Richtung Wien, wo er in Pönningers Werkstatt „eine erste handwerkliche Ausbildung erhielt“. Schon ein Jahr später ging es für ihn an die Akademie der bildenden Künste.

Um 1890 begann Kassins Hauptschaffensperiode. Zu jener Zeit war er von einem mehrjährigen Aufenthalt in Rom zurückgekehrt. In Wien richtete er sich im ersten Bezirk ein Atelier ein. Es entstanden Denkmäler, Grabmäler, Brunnen und Porträts. Vor allem Porträtbüsten wurden nachgefragt. Wer das nötige Kleingeld hatte, stellte sich eine sogar daheim in der Wohnung auf. Es tat sich für Bildhauer, so Ponta-Zitterer, ein finanziell lukratives Betätigungsfeld auf. „Kassin hat verschiedene Materialien verwendet, sehr oft Marmor“, sagt die Historikerin.

Der Klagenfurter fertigte etwa Büsten vom Klagenfurter Bürgermeister Gabriel Ritter von Jessernigg, von der Marktstandlerin Theresia Kuttnig, die unter dem Namen Ratsch Thresl Bekanntheit erlangt hatte und von Techniker und k. und k. Oberbaurat Martin Ritter von Kink. Die Büste von Letzterem wurde in der Terrassenmauer des Schweizerhauses am Kreuzbergl platziert. Die Aufträge aus seiner Heimat stellte Kassin in Wien her. In Kärnten hatte er kein Atelier. Sein bedeutendstes Werk ist, so Ponta-Zitterer, 1903 entstanden: der Undinebrunnen in Baden bei Wien.

Aufträge blieben aus

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges gingen Aufträge an Kunstschaffende kontinuierlich zurück und sollten später zum Erliegen kommen. Das Ende der Monarchie markierte gleichsam das Ende der Repräsentationskunst. Bildhauer blieben, so die Historikerin, größtenteils ohne Beschäftigung und hatten keine regelmäßigen Einkünfte. Auch Kassin musste immer wieder als Bittsteller auftreten.

Nach Ende des Krieges schuf er vor allem Werke für seine Heimat, der zeitlebens stets eng verbunden geblieben war. „Oft arbeitete er ohne Lohn, was seine Not noch verschlechterte“, so die Historikerin. Auftraggeber waren vor allem gemeinnützige Vereine. Der Verschönerungsverein Klagenfurt etwa hat für den Park bei der Stadtpfarrkirche St. Egid in Klagenfurt 1929 den Delphin- oder Puttibrunnen in Auftrag gegeben. Kassin starb am 30. Dezember 1931 in Wien, im Alter von 75 Jahren an einer Lungenentzündung, die er sich „bei der körperlich schweren Arbeit zugezogen hatte“. Seine letzte Ruhestätte fand er im Familiengrab in St. Ruprecht, das er selbst gestaltet hatte.

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