Weißensee will sich die großen Downhill-Rennen holen
Dem Verein rund um Timmy Fockenberger ist es gelungen, die Staatsmeisterschaft 2028 an den Weißensee zu holen. Man bewirbt sich auch um die Europameisterschaft 2030.
Hohe Ziele hat man sich am Weißensee gesteckt und innerhalb kürzester Zeit zum Teil schon erreicht: Dem erst 2025 gegründeten Verein „RS Weißensee DH“ (RS steht für Radsport, DH für Downhill) rund um Obmann Timmy Fockenberger ist es gelungen, die Downhill-Staatsmeisterschaft 2028 nach Oberkärnten zu holen. Auch für die Europameisterschaft 2030 hat man sich bereits beworben und das, obwohl die Erfahrungswerte in Sachen Downhill-Rennen bis vor Kurzem noch nicht vorhanden waren.
Der Weißensee hat mit seinen Mountainbike-Strecken und Trails zwar seit langem einen Ruf bei Bikern, doch die Positionierung im Profisport ist neu. Die Idee kam mit dem in der Szene gut vernetzten Bike-Händler Mario Ramirez, der „als Aussteller bei den Weißenseer Trailtagen vor Ort war und so begeistert vom Gelände, dass er meinte, hier müsste man ein Rennen durchführen. Was uns so abhebt, ist, dass sich die Strecke zu 80 Prozent im Wald befindet“, erzählt Peter Schwarzenbacher. Er war als Chef des Hotels Arlberger Hof Vital, das immer wieder Profisportler beherbergt, gleich mit von der Partie. Ebenso wie sein Sohn Maxi und Timmy Fockenberger. Der 23-Jährige ehemalige Enduro-Weltcupfahrer aus Brückl beschäftigt sich neben seiner Werbeagentur „Go2Media“ mit der Organisation von Downhill-Rennen sowie Streckenbau: „Unser Ziel ist es, einerseits den Spitzensport herzubringen und andererseits etwas von Fahrern für Fahrer zu machen.“
Positives Feedback der Spitzenfahrer
Dieses Konzept hat voll eingeschlagen. Nach dem ersten Rennen im August 2025 war der diesjährige Weißensee Downhill im Mai mit der Abnahme der Strecke durch den Internationalen Radsportverband (UCI) sozusagen die Generalprobe für Größeres: vier Tage, zwei Rennen, eine Community, die den Sport liebt. Mit dabei waren 243 Teilnehmer aus aller Welt, darunter die absolute Elite wie Vali Höll oder Andreas Kolb.
Die Rückmeldungen der Profis sprechen für Mehr: „Das Rennen hat richtig hohe Wellen geschlagen. Unser Instagram-Channel hat innerhalb von zwei Monaten 1,2 Millionen Aufrufe generiert. Die Fahrer waren begeistert und haben bestätigt, dass die anspruchsvolle, frische Strecke mit ihren Waldsektionen und Wiesenkurven weltcuptauglich wäre“, freut sich Fockenberger. Ende Mai 2027 soll zunächst ein Weltcup-Qualifier für Damen und Herren ausgetragen werden. „Für das Publikum planen wir auch eine Videoübertragung am Gelände, damit man noch mehr mitbekommt.“
„Jeder hat das Potenzial erkannt“
Angelegt wird die Strecke, die sich über knapp zwei Kilometer von der Bergstation der Bahn zur Talstation durch den Wald schlängelt, temporär und minimalinvasiv von Hand mit natürlichen Materialien. „Vieles ist von Natur aus schon da“, sagt Fockenberger, der sich beim Sportreferat des Landes, der Kärnten Werbung, Institutionen und Betrieben am Weißensee für die Unterstützung bedankt: „Hier herrscht ein großes Miteinander.“ Das betont auch Schwarzenbacher: „Das Thema Biken findet bei uns breite Rückendeckung, alle haben das Potenzial erkannt. Da gibt es keine Konflikte wie andernorts, weil wir das auch nicht ausnutzen und alles im Rahmen halten.“ So wie der Weißensee mit Erholung abseits des Massentourismus punktet, sollen auch die Rennen nicht zum Massenevent mutieren. „Bei uns stehen Menschen und Emotionen im Fokus. Da passt dieses Format super dazu“, sagt Schwarzenbacher.
Einen touristischen Mehrwert bringen die Downhill-Profis auf jeden Fall in die Nebensaison. „Wir reden da immerhin von einigen hundert Gästen, die den Weißensee als Destination kennenlernen und als Testimonials für unser permanentes Angebot fungieren. Wenn die Weltspitze da ist, zeigt das Qualität“, erläutert Touristiker Thomas Michor. Er verspricht sich dadurch auch ein neues, junges und internationales Publikum, das die Region in ihre Communitys hinausträgt. Schwarzenbacher: „Vali Höll war zum Beispiel so begeistert, dass sie nach dem Rennen schon Urlaub bei uns gemacht hat.“
