Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

380-kV-Trasse bleibt in Oberkärnten umstritten

Während die APG von einer weitgehend festgelegten Planungstrasse spricht, gibt es in Baldramsdorf und Lurnfeld und für eine Bürgerinitiative viele Fragen, vor allem bei der Prüfung von Alternativen.

Spittal aus der Vogelperspektive
© KLZ/Leonie Katholnig
Die bestehende 220-kV-Freileitung soll in die 380-kV-Leitung größtenteils integriert werden
Leonie Katholnig
Regionalbüro Oberkärnten

Die Planungen für die 380-kV-Leitung in Oberkärnten sorgen im Raum Baldramsdorf und Lurnfeld weiterhin für Diskussionen. Gemeinden, Bürgerinitiative, Anrainer und Projektwerber Austrian Power Grid (APG) vertreten unterschiedliche Positionen zur Trassenführung. Laut APG-Projektleiter Wolfgang Hafner ist die ursprüngliche Grobtrasse mittlerweile zu einer rund 70 Meter breiten Planungstrasse konkretisiert worden.

Mehrere vorgeschlagene Alternativen seien geprüft, aus geologischen, topografischen oder ornithologischen Gründen jedoch teilweise verworfen worden. Seit der Präsentation der Grobtrasse im Herbst 2025 habe sich die Trassenführung nach hunderten Gesprächen mit Gemeinden, Grundeigentümern und Bürgern um mehr als 20 Prozent verändert. Bis Ende des Jahres sollen nun die Maststandorte und Zufahrten festgelegt werden.

Die Grobtrasse der 380-kV-Leitung der APG
© APG
Die Grobtrasse der 380-kV-Leitung der APG

Forderung nach nachvollziehbarer Prüfung

Die Gemeinde Baldramsdorf stellt die Notwendigkeit des Netzausbaus nicht grundsätzlich infrage, fordert aber eine nachvollziehbare Prüfung alternativer Trassen. „Es gibt noch keinen Konsens mit der APG“, sagt Bürgermeister Friedrich Paulitsch. Als Verbesserung bezeichnet er die entschärfte Trassenführung im Bereich Rosenheim. Nach der öffentlichen Erörterung stehe zudem fest: „Die Waldtrasse kommt dezidiert nicht.“ Für den Bereich Unterhaus sei hingegen noch keine endgültige Lösung gefunden. Die Gemeinde fordert den Schutz der Siedlungsräume, des Landschaftsbildes und des kulturhistorischen Umfeldes der Ortenburg. „Wir sind nicht gegen die 380-kV-Leitung, wir fordern aber eine vollständige Alternativenprüfung“, betont er.

Auch die Bürgerinitiative Baldramsdorf betont, dass sie den Netzausbau nicht ablehnt. „Wir sehen durchaus die Notwendigkeit des Ringschlusses“, sagt Sprecher Hans-Jörg Sattlegger. Kritik übt die Initiative jedoch daran, dass Alternativen aus ihrer Sicht nicht ausreichend geprüft und vielfach mit dem Hinweis auf technische Unmöglichkeit verworfen würden. Sie schlägt unter anderem eine siedlungsfernere Trasse im Bereich Goldbrunnteich mit einer Überspannung des Natura-2000-Gebiets ohne zusätzliche Masten vor und bietet dafür Ersatzflächen an. „Ein Jahrhundertprojekt muss an den besten Lösungen gemessen werden, nicht an den wirtschaftlich besseren“, sagt Sattlegger. Ziel sei nicht die Verhinderung des Projekts, sondern eine verträglichere Lösung.

APG verweist auf UVP und Genehmigungsfähigkeit

Die APG verweist darauf, dass im UVP-Verfahren sämtliche Auswirkungen auf Mensch und Natur geprüft würden. „Das Prinzip Mensch vor Natur wird weitgehend eingehalten – wo immer es möglich ist. Am Ende muss aber eine genehmigungsfähige Trasse entwickelt werden“, sagt Hafner. Deshalb könnten nicht alle vorgeschlagenen Varianten umgesetzt werden.
Eine zusätzliche Perspektive bringen Bewohner des Oberdorfs ein. Eine Anrainerin verweist auf mehrere Murenereignisse am Goldeck-Nordhang – zuletzt im August 2024 – und sieht darin einen Hinweis auf die Instabilität des Hangs. Während Bürgerinitiative und Gemeinde vor allem Landschaftsbild und Siedlungsräume im Blick hätten, stehe für die Bewohner des Oberdorfs die Sorge vor weiteren Muren im Vordergrund. Sie hoffe deshalb, dass eine Waldtrasse endgültig ausgeschlossen bleibe.

Wolfgang Hafner ist bemüht, die Bürgerinnen und Bürgern stets zu informieren
© KLZ/Leonie Katholnig
Wolfgang Hafner ist bemüht, die Bürgerinnen und Bürgern stets zu informieren

Lurnfeld sieht weiter Klärungsbedarf

Auch im benachbarten Lurnfeld sieht Bürgermeister Gerald Preimel weiterhin Klärungsbedarf. Die Gemeinde habe gegen die Trassenführung Einwendungen eingebracht und rechtlich untermauert. „Wir hätten gerne eine Erklärung, warum diese Leitung notwendig ist, warum eine Verstärkung der bestehenden Leitungen nicht ausreicht und weshalb eine Verkabelung nicht möglich sein soll“, sagt Preimel. Aus Sicht der Gemeinde seien diese Fragen bis heute nicht ausreichend beantwortet. Zudem kritisiert er die mehrfach geänderten Trassenvarianten.

Die APG verweist darauf, dass der von der Gemeinde vorgeschlagene Trassenverlauf fachlich geprüft worden sei. „Dazu gab es intensive Erhebungen unterschiedlichster Fachbereiche, herausgekommen ist eine genehmigungsfähige Trassenvariante“, betont Hafner.

Wie geht es weiter?

Die APG will die Detailplanung mit der Festlegung der Maststandorte und Zufahrten bis Ende des Jahres abschließen und die Feintrasse anschließend bei regionalen Informationsveranstaltungen vorstellen. Die Einreichung der Umweltverträglichkeitserklärung ist für Ende 2027 vorgesehen. Laut APG könnte der Bau ab 2030 beginnen, die Inbetriebnahme ist ab 2033 geplant.

Projekt-Informationen

Die geplante 380-kV-Leitung Kärnten („Netzraum Kärnten“) ist ein Projekt von Austria Power Grid (APG) und Kärnten Netz, das die Stromversorgung in Kärnten und Osttirol langfristig sichern soll. Die rund 190 Kilometer lange Freileitung verbindet Lienz mit dem Umspannwerk Obersielach bei Völkermarkt und schließt die letzte Lücke im österreichischen 380-kV-Ring.

Die Trasse betrifft 36 Gemeinden, führt durch das Drautal und über die Ossiacher Tauern, teilweise wird eine 110-kV-Leitung mitgeführt. Insgesamt entstehen etwa 500 bis 600 Masten mit bis zu 100 Metern Höhe. Die Grobtrasse wurde vorgestellt, die Detailplanung läuft bis Ende 2026. Nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungs-Verfahren ist der Baubeginn für 2030 und die Inbetriebnahme für 2033 vorgesehen. Das Projekt soll Netzstabilität schaffen und den Ausbau erneuerbarer Energien unterstützen.

Mehr zum Thema