Wanda Dokter aus Kammern tauschte Informatikjob mit Landwirtschaft
Die Gesundheitsinformatikerin Wanda Dokter (33) bewies Ausdauer, Leidenschaft und Mut, um sich ihren Berufswunsch Landwirtin zu erfüllen. Mit ihren Ziegen-Produkten startet sie nun ihre Direktvermarktung.

Dass sich im Stall von Wanda Dokter keine Kühe tummeln, lassen meckernde Geräusche beim Näherkommen schon erahnen. 70 Ziegen – Muttertiere und Nachwuchs – genießen den Stall und auch die umliegende Wiese im Ortsteil Seiz in Kammern. Dort betreibt Wanda Dokter ihre Landwirtschaft – mit großer Leidenschaft, wie sie sagt.
Vorgegeben war ihr der Weg als Bäuerin keineswegs. Die 33-Jährige studierte Gesundheitsinformatik und übte ihren Beruf mit einer sicheren Anstellung bei der Voestalpine aus. „Die Landwirtschaft hat mich schon immer fasziniert, aber außer, dass meine Großeltern drei Kühe hatten, war in unserer Familie kein Bezug zur Landwirtschaft da“, erzählt sie.
Skepsis überwog
Ihre Suche nach einem eigenen Hof, den sie sich pachten oder kaufen konnte, scheiterte. „Als Frau wurde ich da oft nicht ernst genommen“, erzählt sie. Oft sei sie mit großer Skepsis konfrontiert gewesen. Konsequent verfolgte sie jedoch ihr Ziel, Landwirtin zu werden. Neben ihrer Arbeit absolvierte sie eine landwirtschaftliche Facharbeiter-Ausbildung.
„Das war die Voraussetzung, um Landwirtin sein zu können“, erzählt sie. Doch auf ihrem Weg zur eigenen Landwirtschaft waren bürokratische Hürden zu nehmen, finanzielle Risiken auszuräumen und Überzeugungskraft zu leisten. Den Stall für ihre Ziegenherde plante sie selbst wie auch die Produktionsstätte für ihren Käse und weitere Produkte. Seit einer Woche gibt es ihre kulinarischen Angebote beim Nahversorger und im Selbstbedienungskiosk Stabler in Kammern.
Ausdauer, Leidenschaft und Mut
„Ich lese mich immer in das Thema sehr gut ein. Deshalb ist es nicht so schwer, selbst zu planen“, sagt sie und fährt fort: „Mit Ausdauer, Leidenschaft und Mut lassen sich Träume verwirklichen, auch ohne klassische Voraussetzungen.“ Sie erwähnt auch, dass sie – wieder nebenberuflich – Agrarmanagement studiert. Auch wenn man alleine sei, könne man vieles schaffen.
Wanda Dokter ist eine jener „starken Frauen in der Landwirtschaft“, die im Rahmen des „Internationalen Jahres der Bäuerin“ vor den Vorhang geholt werden. „30 Prozent der Bäuerinnen im Bezirk Leoben sind bereits Betriebsführerinnen“, betonen Kammerobmann Richard Judmaier, sein Stellvertreter Helmut Ofner und Andreas Rinnhofer, Kammersekretär der Bezirkskammer Obersteiermark.

Beruf Landwirtin und Absicherung
Bezirksbäuerin Barbara Pollinger und ihre Stellvertreterin Marianne Ofner unterstreichen das: „Wichtig ist die Absicherung der Landwirtinnen und zu sehen, dass sie oft das organisatorische und soziale Zentrum der Familie sind. Viele Aufgaben werden im Hintergrund geleistet.“ Und Pollinger fügt hinzu: „Ich wünsche mir, dass keine Bäuerin mehr sagt, sie sei nur zuhauses oder sie sei keine richtige Bäuerin.“
Für Lena Schweiger, Geschäftsführerin der Bäuerinnenorganisation in den Bezirken Murau, Murtal und Leoben, ist eines klar: „Wir sind mit 30.000 Mitgliedern das größte Frauennetzwerk in der Steiermark. Uns ist wichtig, dass wir die Frauen stärken, denn Landwirtin zu sein ist ein Beruf und sehr fordernd. Das sollte in der Gesellschaft ankommen.“
