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Wenn die eigene Jugend für die Parteien zum Problem wird

Bei den Kärntner Parteien brodelt es: Die FPÖ schloss ihren Obmann aus, bei der ÖVP fielen Funktionäre mit Sexismus auf. Die Neos-Jugend wollte nach der Wahl sogar ihren Chef loswerden.

Erdesz wurde mit 100 Prozent Zustimmung zum Obmann der Freiheitlichen Jugend Kärnten gewählt
© FPÖ
Erdesz wurde mit 100 Prozent Zustimmung zum Obmann der Freiheitlichen Jugend Kärnten gewählt
Markus Sebestyen
Redakteur Bundesland Kärnten

Eine tragende Rolle im politischen Alltag spielen Jugendorganisationen der Parteien nicht. Sie dienen als Kaderschmieden und Personal-Pool für junge Menschen auf Wählerlisten und im Idealfall nach dem Durchlauf aller Stationen auch für höhere Aufgaben. In Kärnten haben sich ÖVP und FPÖ in diesem Sommer auch mit den Schattenseiten ihrer Vorfeldorganisationen auseinandersetzen müssen. So konnte man in veröffentlichten Chat-Nachrichten lesen, dass eine Frau ohne Brüste für manch jungen ÖVPler keine Frau darstelle und dass zwar alle Ukrainer „Viecher“ sind, das aber nicht so schlimm sei, weil sie zumindest ‚weiß‘ seien. Die Landespartei reagierte, die Austritte wurden am Tag des Bekanntwerdens eingeleitet.

Diese Chat-Nachrichten sorgten in der ÖVP für Wirbel
© Screenshot
Diese Chat-Nachrichten sorgten in der ÖVP für Wirbel

Noch nicht ganz ausgestanden sind die Probleme mit der eigenen Jugend für die FPÖ. Obmann Viktor Erdesz wurde nach Rechtsextremismusvorwürfen aus der Partei ausgeschlossen. Seine Funktion hat er behalten. Sogar Neos-Chef Janos Juvan musste sich trotz noch junger Parteigeschichte mit dem eigenen Nachwuchs mühen. Sturzversuche der Neos-Jugend verliefen letzten Endes erfolglos. „Die eigene Jugend liebt keiner, aber man braucht sie ganz dringend“, fasst Kathrin Stainer-Hämmerle, Politologin und Rektorin der Carinthia University of Applied Sciences (vormals FH Kärnten), das Dilemma zusammen.

Aufmüpfig und ungeduldig

Dass Junge mitunter aufmüpfiger, direkter und auch ungeduldiger sind, liegt in der Natur der Sache. Sie im Zaum zu halten gehört zu den Aufgaben einer Partei. „Man muss ihren Widerspruch und ein paar Ausreißer aushalten. Es gibt aber natürlich Grenzen, sobald es Richtung Parteischädigung geht. Auch bei antidemokratischem Verhalten, Radikalismus oder Aufruf zur Gewalt kann es für eine Partei kein Pardon geben“, sagt Stainer-Hämmerle, die gleichzeitig dafür plädiert, dass jungen Menschen für ein unbedachtes oder leichtsinniges Posting nicht gleich völlig die politische Karriere verbaut wird. Umgekehrt könne man auch nicht jeden jungen und politisch aktiven Menschen direkt der Partei vorwerfen.

Karriere und Rebellion

Die Beweggründe, sich schon in jungen Jahren einer Partei anzuschließen, variieren. Wer sich Netzwerke und Unterstützung bei der Karriere erwartet, gehe eher zu den Konservativen, die linke Jugend sei eher rebellisch und aus Prinzip gegen alles, erklärt die Expertin. „So gesehen haben es SPÖ und Grüne schwieriger mit ihrem Nachwuchs“, sagt Stainer-Hämmerle. Die FPÖ rekrutiert wiederum junge Menschen auch aus dem Umfeld der Burschenschaften, bei der ÖVP kommen zahlreiche Jungfunktionäre und Mitarbeiter im politischen Umfeld aus der Schülerunion. Meinungsstärke solle den Jungen aber da wie dort zugestanden werden. „Sonst hat man am Ende nur noch Nichts-Sager in der Partei“, sagt Stainer-Hämmerle.

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