KI braucht Innovation und Sicherheit

Wie kann man alle Anforderungen der Cybersecurity erfüllen und gleichzeitig die Chancen von Künstlicher Intelligenz optimal nutzen? Vier Expert:innen auf der Kleinen Zeitung Business Stage.

Dominic Neumann, Obmann der FG Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) an der WKO Steiermark, Sabine Balogh-Preininger, 
FMA Österreich, Xenia Daum, GF Kleine Zeitung, Herbert Tanner, Leitung Siemens Graz und Klagenfurt, und Markus Fallenböck, Vizerektor, UNI Graz
© KLZ / Stefan Pajman
Dominic Neumann, Obmann der FG Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) an der WKO Steiermark, Sabine Balogh-Preininger, FMA Österreich, Xenia Daum, GF Kleine Zeitung, Herbert Tanner, Leitung Siemens Graz und Klagenfurt, und Markus Fallenböck, Vizerektor, UNI Graz

Zwei der ganz großen digitalen Themen unserer Zeit – Cybersecurity und Künstliche Intelligenz – standen kürzlich im Fokus der Kleinen Zeitung Business Stage. Auf dem Podium: Sabine Balogh-Preininger (FMA Österreich), die das Event mit dem Impulsvortag „Digitale Resilienz und ihre Bedeutung für die Finanzmarktstabilität“ eröffnete, Dominic Neumann, Obmann der Fachgruppe Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie an der WKO Steiermark, Herbert Tanner, Leiter der Siemens-Niederlassungen Graz und Klagenfurt, sowie Markus Fallenböck, Vizerektor für Personal und Digitalisierung an der UNI Graz.

Künstliche Intelligenz (KI) bringt viele Chancen, aber auch neue digitale Sicherheitsrisiken. Wie sehen Sie dieses Spannungsfeld?

Sabine Balogh-Preininger: Für mich persönlich stehen die neuen Möglichkeiten im Vordergrund, die KI uns bei der noch besseren Absicherung unserer digitalen Welten bietet. Mein Credo ist, dass man bei Künstlicher Intelligenz Innovationen unterstützen, Chancen nutzen, aber auch Risiken adressieren soll.

Herbert Tanner: Selbstverständlich müssen wir auch die Probleme und Herausforderungen, die der Einsatz dieser neue Technologie mit sich bringt oder bringen wird, ganz offen diskutieren und Lösungen dafür finden.

Markus Fallenböck: KI ist schon so allgegenwärtig, dass ich darauf nur mit dem Satz „Für Pessimismus ist es zu spät“ antworten möchte. Man muss ihre Chancen nutzen und gleichzeitig auch ihre Risiken managen.

Dominic Neumann: Ich sehe das genau so: Künstliche Intelligenz ist da und sie wird auch nicht mehr weggehen. Aber wir Menschen müssen dafür sorgen, dass wir in der Entscheidungsfindung rund um KI-Prozesse der maßgebliche Faktor bleiben.

Sabine Balogh-Preininger, FMA Österreich, DORA-Hub
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Sabine Balogh-Preininger, FMA Österreich, DORA-Hub

Von allen Investitionen in Künstliche Intelligenz fließen nicht mehr als drei ­Prozent in das Thema Sicherheit. Das heißt, dass es hier ein großes Potenzial für Innovationen gibt – und das ist eine große Chance für unsere Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen.

— Sabine Balogh-Preininger

Stichwort KI und Chancen: Worin sehen Sie die größten für Europa?

Fallenböck: Wenn es uns in Europa gelingt, unser gewaltiges industrielles Know-how mit dem Know-how von Künstlicher Intelligenz zu verknüpfen, dann sehe ich ganz große Chancen.

Tanner: Ja, Europa ist hinsichtlich modernster Industriekompetenz weltweit führend. Deshalb müssen wir für neue Lösungen und Produkte unsere Kernkompetenzen mit KI-Ansätzen verbinden.

Markus Fallenböck, Vizerektor für Personal und Digitalisierung, UNI Graz
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Markus Fallenböck, Vizerektor für Personal und Digitalisierung, UNI Graz

Entscheidend ist, dass Künstliche Intelligenz jetzt gezielt in relevante ­Kernprozesse integriert wird. Dafür nutzen wir als UNI Graz auch den Know-how-Austausch im Rahmen unseres großen KI-Kongresses, des Technology Impact Summit.

— Markus Fallenböck

Im August 2024 ist der „AI Act“ der EU als weltweit erstes staatenübergreifendes Regelwerk für Künstliche Intelligenz in Kraft getreten. Wie stehen Sie dazu?

Fallenböck: Ich bin nicht überzeugt, dass der Versuch, in einem Gesetz alle Bereiche zu regeln, ganz optimal war. Das heißt, es ist ein äußerst komplexes Regelungswerk geworden. Was sehr gut daran ist, dass wir damit einheitliche Regeln für den gesamten EU-Binnenmarkt haben.

Neumann: Ein ganz wichtiger Faktor am EU-AI-Act ist für mich, dass wir damit wichtige europäische Werte rund um Ethik und KI festgeschrieben haben. Mir ist bewusst, dass das manche Dinge für Unternehmen etwas ­teurer macht, aber das sollte es uns wert sein.

Dominic Neumann, Obmann ­Fachgruppe UBIT, WKO Steiermark
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Dominic Neumann, Obmann ­Fachgruppe UBIT, WKO Steiermark

Wir müssen in den Unternehmen noch viel mehr Bewusstsein für die Gefahren beim sorglosen Umgang mit KI schaffen. Sowohl das Management als auch die Mitarbeiter:innen müssen sich bewusst sein, was sie zur Daten- und Informationssicherheit ­beitragen können.

— Dominic Neumann

Ein anderer Act ist DORA, der Digital Operational Resilience Act. Was hat dieser gebracht, Frau Balogh-Preininger?

Balogh-Preininger: Ziel von DORA war, die digitalen Systeme von Finanzunternehmen und ihren ITK-Dienstleistern widerstandsfähiger zu machen. Der Act hat dazu geführt, dass in den von ihm betroffenen Unternehmen und bei ihren Informations- und Kommunikationstechnologie-Dienstleistern die IT-Abteilungen gestärkt worden sind. Mit der Verordnung wurde nämlich auch ganz klar festgehalten, dass die Führungsorgane in den Unternehmen die Verantwortung für das Thema tragen. 

Herr Tanner, Ihr Team entwickelt Software und beschäftigt sich intensiv mit Cybersecurity. Wie gehen Sie dabei vor?

Tanner: Wir haben den großen Vorteil, dass wir unsere Grazer Softwareentwicklungen gleich in unseren eigenen Siemens-Fabriken implementieren, analysieren und optimieren können. Erst wenn sie dort funktionieren, gehen wir mit ihnen zu den Kunden nach außen. Der Bereich Cybersecurity ist für uns ein Feld, auf dem wir in Graz mit viel Forschung und Innovation einen großen Mehrwert für unseren Konzern schaffen.

Herbert Tanner, Leiter der Siemens- Niederlassungen Graz und Klagenfurt
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Herbert Tanner, Leiter der Siemens- Niederlassungen Graz und Klagenfurt

Der beste Ansatz, um im eigenen Unternehmen einen Mehrwert zu erzielen, ist Forschung und Innovation. Speziell im Bereich Cybersicherheit und KI sehen wir enorme Potenziale. Noch dazu ist Graz ein Top-Cybersecurity-Hub mit exzellenten Forschungs- und Industriepartnern.

— Herbert Tanner

Wie sehen Sie die Problematik der digitalen Abhängigkeit von einigen wenigen Global Playern außerhalb von Europa?

Neumann: Angesichts der schwieriger werdenden Beziehungen in der Welt ist diese digitale Abhängigkeit ein großes Thema. Wir von der WKO haben schon vor zehn Jahren vor ihr gewarnt. Österreich bzw. Europa müssen viel mehr in ihre ­digitale Souveränität investieren. Aus diesem Grund erstellt die WKO Österreich gerade eine Landkarte für heimische Rechenzentren – als ein Anstoß, Daten regional zu speichern.

KI-Lizenzen sind auch ein nicht unwesentlicher Kostenfaktor für Unternehmen. Wie gehen Sie damit um, Herr Fallenböck?

Fallenböck: Wir an der UNI Graz hinterfragen genau, ob alle unserer Mitarbeiter:innen wirklich alle KI-Anwendungen brauchen. Deshalb werden wir beispielsweise bei der Einführung weiterer KI-Tools die Mitarbeiter:innen ersuchen, uns Argumente zu liefern, warum es für ihre Arbeit nützlich ist.

Herr Neumann, wie stehen die Chancen für steirische ­IT-Unternehmen?

Neumann: Sehr gut, denn wir haben in der Steiermark im IT-Bereich viele weltweit erfolgreiche Hidden Champions. Wer kreativ ist, hat in der Steiermark alle Chancen.

Die Bilder der Business Stage zum Durchklicken:

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Die gesamte Diskussion zum Nachsehen:

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