Emir Karic: „Das, was Sturm auszeichnet, kriegen wir gar nicht auf den Platz“
Nach der 1:3-Heimniederlage des SK Sturm gegen die WSG Tirol lässt Emir Karic seiner Frustration freien Lauf. Was er sich für das Derby gegen den GAK erwartet und warum für ihn Trainer Jürgen Säumel keine Schuld trifft.
Die 1:3-Heimniederlage des SK Sturm gegen die WSG Tirol war für die Grazer die fünfte Heimniederlage im siebenten Heimspiel. Eine desaströse Bilanz für den regierenden Meister, der aber dennoch auf Platz zwei der Bundesliga liegt – einen Zähler hinter Spitzenreiter Salzburg. „Die Heimbilanz ist ein Wahnsinn. Fünf Niederlagen haben wir in den letzten zwei Saisonen ja nicht einmal zusammen kassiert“, sagt Emir Karic und liegt damit richtig. Jeweils nur zwei Mal (einmal im Grunddurchgang, einmal in der Meistergruppe) mussten sich die Steirer in den Spielzeiten 2023/24 und 2024/25 vor eigenem Publikum geschlagen geben.
„Das ist inferior“
Da verwundert es nicht, dass nur 10.021 Zuseher in die Merkur-Arena kamen und einige davon lange vor dem Abpfiff das Stadion enttäuscht verließen. „Ich kann die Zuschauer vollkommen verstehen. Die sind anderes gewöhnt in den letzten Jahren. Das ist ja keine kurze Phase, sondern zieht sich schon länger daheim. Respekt, dass an einem Mittwoch um 20.30 Uhr noch mehr als 10.000 Leute kommen. Wir können uns nur bei jedem Einzelnen entschuldigen“, sagt der Linksverteidiger, der die Leistung der Schwarz-Weißen schonungslos kritisiert. „Es ist gerade richtig schwierig und wir sind alle enttäuscht. Aber wir alle, da nehme ich mich nicht aus, haben viel zu wenig Körpersprache, Energie und Willen. Wir arbeiten alle daran, aber es funktioniert bei keinem irgendetwas. Es läuft nichts zusammen. Kleinste Fehler werden bestraft. Und am Ende müssen wir froh sein, nur drei Gegentore kassiert zu haben. Wir haben 23 Torschüsse der WSG zugelassen. Das ist inferior.“
Der Kommentar zum Spiel
Wer geglaubt hatte, dass der knappe 1:0-Auswärtssieg von Otar Kiteishvili und Co. in Hartberg eine Trendwende einleiten könnte, irrte. „Dieser Sieg hat uns nicht den nötigen Auftrieb gegeben, den er uns geben hätte sollen. Wir wirken unsicher trotz 1:0-Führung. Nach dem 1:1-Ausgleich waren bei uns die Köpfe sofort wieder unten. Und dann lassen wir die Gegenspieler viel zu einfach laufen und üben keinen Druck auf den Ball aus. Das, was Sturm auszeichnet, kriegen wir gar nicht auf den Platz“, erklärt Karic enttäuscht. „Ich glaube, dass es auch eine mentale Geschichte ist. Wir haben schon oft gesagt, dass wir an unseren Basics arbeiten müssen. Aber wir reden wohl viel zu viel und zeigen dann nichts auf dem Platz. Es ist an der Zeit, wenig zu reden und mehr zu machen.“
„Weniger reden, mehr auf dem Platz machen“
Dass die aktuelle Situation nicht spurlos am routinierten Oberösterreicher abprallt. will er gar nicht verstecken. Nach dem Ausfall von Dimitri Lavalee (Kreuzbandriss) gibt es auf der Linksverteidiger-Position keine Alternative mehr zu Karic. Immerhin hat der bosnische Teamspieler alle 25 Pflichtspiele der Grazer bestritten, stand in 24 davon in der Startelf und wurde dabei nur zwei Mal ausgewechselt. „Natürlich ist es keine einfache Situation, aber wir müssen als Profis alle drei Tage spielen. können. Ich bin so extrem enttäuscht von mir selbst, weil – egal, was ich probiere – kein Ball dort ankommt, wo ich ihn hinspielen will. Es ärgert mich am meisten – und ich kann verstehen, dass es die Zuschauer auch verärgert.“
Der mancherorts geführten Diskussion bezüglich einer möglichen Ablöse von Trainer Jürgen Säumel will Karic keine Bedeutung schenken. „Dem Trainer gebe ich die geringste Schuld. Der versucht wirklich alles Mögliche. Am Ende spielen schon noch wir Spieler auf dem Platz und nicht der Trainer. Wir Spieler müssen ganz andere Tugenden zeigen auf dem Platz. Der Trainer hat nichts damit zu tun, ob wir kämpfen, laufen oder Zweikämpfe gewinnen. Da geht es nicht um eine Systemfrage oder unseren Spielaufbau. Das sind individuelle Dinge. Da müssen wir uns alle an die eigene Nase fassen“, sagt der 28-Jährige, der seinen Fokus bereits in Richtung Sonntag (17 Uhr) gelenkt hat. Da empfängt Sturm ohne den gesperrten Emanuel Aiwu den GAK im Grazer Derby, bei dem ein neuer Zuschauerrekord in der Merkur-Arena aufgestellt werden wird. „Otar Kiteishvili hat gleich nach dem Spiel gegen die WSG eine Ansprache in der Kabine gehalten und betont, dass wir alles hinter uns lassen müssen und es komplett egal ist, was war. Auch aus meiner Sicht müssen wir alles geben und zeigen, damit wir dieses Derby gewinnen. Es ist scheißegal, wie. Wir müssen kratzen, beißen, rennen und den GAK ins Tor pressen oder umhauen. Wir müssen dieses Spiel am Sonntag gewinnen. Da gibt es kein Wenn und Aber. Das ist das wichtigste Spiel.“
