Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Gelber Muskateller als wertvolle Nischensorte mit verborgenen Facetten

Gelber Muskateller gilt oft als Sommerwein, doch Sommellier René Kollegger und Winzer Johannes Gross erklären, welches Potenzial wirklich in ihm steckt.

Sommelier Rene Kollegger und Winzer Johannes Gross vor der Lage Perz
© Georg Hoffelner
Sommelier Rene Kollegger und Winzer Johannes Gross vor der Lage Perz
Georg Hoffelner
Themenlead Kulinarik

Der Gelbe Muskateller gilt als eine der spannendsten Rebsorten für die Sommellerie, erhält jedoch oft nicht die Anerkennung, die er verdient. In einem Gespräch zwischen Sommelier René Kollegger und Winzer Johannes Gross wird deutlich, warum diese Rebsorte besonders in der steirischen Lage Perz ihr volles Potenzial entfalten kann. „Muskateller ist eine Nischensorte, keine Sorte für die breite Masse“, erklärt Gross. Seine Aromatik ist intensiv, wodurch er polarisiert. Doch gerade diese Eigenschaften machen ihn besonders. Vor allem in der gehobenen Weinwelt.

Video – Zu Gast beim Weingut Gross

Die Lage Perz am Weingut Gross bietet optimale Bedingungen für den Gelben Muskateller: kalkfreier Sand-Schotterboden, hohe Lage und ständige Frische durch umliegende Wälder. „Der Wind pfeift hier drüber, es ist immer kühl. Die Rebsorte braucht Wärme, aber auch Kühle – genau diesen Reiz bietet Perz“, so Gross.

Kollegger hebt hervor, dass viele Konsumenten Muskateller nur als fruchtigen Sommerwein kennen. Doch das Potenzial reicht weiter: Riedenweine aus Muskateller sind in der Breite kaum bekannt – selbst Sommeliers haben sie selten verkostet. „Ich bin kein Freund von Disco-Muskateller, der einfach nur fruchtig und überladen ist“, betont der Sommelier. Stattdessen könne ein reifer Muskateller ein hervorragender Speisenbegleiter sein – etwa zu würzigen oder scharfen Gerichten sowie Fisch.

Kollegger und Gross besprechen, wie sich am richtigen Standort und mit gründlicher Pflege im Weingarten er ein sehr gutes Reifepotenzial entwickelt.
© Georg Hoffelner
Kollegger und Gross besprechen, wie sich am richtigen Standort und mit gründlicher Pflege im Weingarten er ein sehr gutes Reifepotenzial entwickelt.

Muskateller verändert sich mit der Zeit auf einzigartige Weise. „Ich vergleiche das eher mit einer Metamorphose als mit einer Reifung“, beschreibt Gross. Während der Wein in jungen Jahren traubige Blütenaromen mitbringt, entwickeln sich mit der Reife Kräuter-, Salbei- und Pfefferminznoten – eine Eigenschaft, die kaum eine andere Rebsorte zeigt. Der aktuelle Jahrgang 2024 etwa besticht durch seine reife Frucht, lebendige Zitrusnoten und kräuterwürzige Aromen. Verkostet man aber den Jahrgang 2021 der Lage Perz, schmeckt man Fenchel und Melisse. Der Winzer erklärt: „Dieser Wein wurde bewusst erst jetzt auf den Markt gebracht, um ihm die nötige Zeit zu geben.“

Am Ende sind sich beide einig: Der Gelbe Muskateller verdient mehr Beachtung. Seine Vielfalt, sein Reifepotenzial und seine Fähigkeit, große Weine hervorzubringen, machen ihn zu einer außergewöhnlichen Rebsorte.

Die Gegebenheiten der Weingärten, also Ausrichtung, Bodenformation und Mikroklima, sind entscheidend für die Wahl der Rebsorte.
© Georg Hoffelner
Die Gegebenheiten der Weingärten, also Ausrichtung, Bodenformation und Mikroklima, sind entscheidend für die Wahl der Rebsorte.

Gelber Muskateller

Herkunft:

Die Rebsorte stammt wahrscheinlich aus Italien oder Griechenland, die genaue Herkunft ist unbekannt.

Anbaufläche in der
Steiermark (2020):

505 Hektar

Abstammung:

Der Gelbe Muskateller zählt zu den ältesten Rebsorten überhaupt und existiert in zahlreichen Typen, besonders in Italien. Roter und Gelber Muskateller unterscheiden sich durch die Beerenfarbe.

Bedeutung, Ansprüche:

Für den Winzer ist von Vorteil, dass die Weinsorte geringe Ansprüche an den Boden stellt. Im Weingarten zeigt sie sich allerdings anspruchsvoll. Sie ist fäulnisanfällig und durch ihre Blüteempfindlichkeit ertragsunsicher. Nachteilig ist, dass sie warme, luftige Lagen benötigt.
Quelle: Wein Steiermark

Mehr zum Thema