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Stefan Kraft: "Kuscheln tue ich doch eher mit meiner Frau"

ÖSV-Adler Stefan Kraft (29) lässt vor der heutigen Qualifikation auf der Normalschanze tief blicken. Der Salzburger mag Schlagermusik, knirscht in der Nacht mit den Zähnen und kann eine Frage nicht mehr hören.

ÖSV-Adler Stefan Kraft
© GEPA pictures
ÖSV-Adler Stefan Kraft
Denise Maryodnig
Redakteurin Sport

Lieber ein sportliches oder eher persönliches Interview?
STEFAN KRAFT: Sehr gern ein persönliches, ist einmal etwas komplett anderes.

Scheint es etwas zu geben, das man über Sie noch nicht weiß?
Gute Frage. Ich bin ein sehr offener Typ, der gern und viel redet. So viele Geheimnisse gibt es nicht mehr. Vielleicht aber, dass ich zwischendurch gern Apres-Ski-Hits und Schlager höre, für die gute Stimmung versteht sich.

Wer hat es Ihnen angetan?
Ich war bei einem Helene Fischer-Konzert, wobei mich da meine Frau und die Schwiegermama überzeugt haben. Am Ende fand ich es lässig. Sie hat eine coole Show geboten.

Helene Fischer vor Sprüngen?
Ja passiert auch. Ich bin derjenige, der meistens die Box mithat und wenn wir von House genug haben, dann gibt’s Schlager.

Und da spielen auch alle ihre Teamkollegen mit?
Manuel Fettner nicht so (lacht). Er verschwindet oder setzt sich seinen Kopfhörer auf. Der Rest singt dafür lautstark mit.

Welche Eigenschaft können Sie bei anderen gar nicht abkönnen?
Unpünktlichkeit.

Sprechen Sie damit ihre Frau an?
Genau. Sie hat sich aber stark gebessert. Nur mein bester Freund hat diese 'Krankheit' auch, das nervt mich. Er reißt sich inzwischen etwas zusammen. Da kommen mir beide gut entgegen. Und ich sag ja gleich, dass es mich stört. Meine Worte finden Gehör (lacht).

Haben Sie etwaige Macken?
Scheint so. Mein Teamkollege und Kumpel Michi Hayböck meint, dass ich in der Nacht mit den Zähnen knirsche. Deshalb habe ich mir eine Schiene besorgt, die quietscht jetzt eher. Ansonsten bin ich sehr handzahm und sozial.

Das heißt, dass sie eigentlich gut träumen müssten?
Ich träume eigentlich sehr selten. Ich glaube, dass ich da eher meine Spannung abbaue.

Ist es frech zu fragen, ob Sie mehr Nächte mit Michi als mit ihrer Frau Marisa verbringen?
Nein, das ist vollkommen in Ordnung. Müsste man ausrechnen, ich schätze es auf 50:50.

Wer ist der Angenehmere?
Es hat jeder seine Vorteile (lacht), aber kuscheln tue ich doch eher mit meiner Frau.

Und Sie sind ein Fußballfan?
Fan von Salzburg, vom österreichischen Nationalteam und vom FC Bayern. München-Fan bin ich gefühlt ewig, da meine Tante seit 30 Jahren eine Dauerkarte besitzt und ich immer wieder mal mitgehen durfte. Das letzte Mal war ich vor der heurigen Saison dort. Das taugt mir immer wieder aufs Neue.

Was macht Sie als Athleten, aber auch als Typen, aus?
Da ticke ich ähnlich. Ich habe Spaß am Leben und beim Skispringen. Ich bin ein fröhlicher Mensch, bei dem der Schmäh nie zu kurz kommt. Selbstironie muss genauso sein, wenn etwas einmal nicht klappt, dass ich trotzdem drüber lachen kann.

Stimmt es, dass sie auf der Nintendo Switch im ÖSV-Lader ein gefürchteter Gegner sind?
Wir spielen derzeit gern Mario Kart, aber gefürchtet bin ich leider nicht, wir sind ziemlich ausgeglichen.

Aber ein gewisser Hang zur Sparsamkeit ist korrekt?
Ja, doch, allerdings nicht, wenn es um einen Traumurlaub und gutes Essen geht. Dann nutze ich die Tatsache aus, dass ich das ein oder andere gute Preisgeld verdient habe. Bei Kleidung bin ich sparsam. Ich bin sicherlich kein sinnloser Rausschmeißer.

Sind Sie ein Genussmensch?
Definitiv! Das wirkt sich so aus, dass ich meistens gut gelaunt bin. Zum Glück kann ich genügend essen, ohne dass ich viel zunehme. Natürlich muss man drauf achten, aber ich darf mir auch was gönnen. Ich muss ja zu Energie kommen und den Kopf freikriegen. Das hat ja seinen Nutzen. Manchmal bin ich sogar zu konsequent und zu streng zu mir.

Woher nimmt ein 56-Kilogramm-Mann diese Energie?
Ich kann mir ab und zu etwas Ungesundes oder eine Pizza genehmigen, wobei ich mich zu 90 Prozent gesund und abwechslungsreich ernähre. Das gibt mir Energie und dazu gehört ein gutes körperliches Training. Ich bin froh, dass es seit einem Jahr mit meinem Rücken wieder sehr gut funktioniert. Ich muss mich bei Aufwärmspielen nicht mehr fürchten, dass irgendetwas passiert. Ich kann Vollgas geben und strotze vor Energie.

Wie schätzen Sie die aktuelle Gewichtsthematik ein?
Es wird wieder mehr. Man sieht bei manchen, dass sie voll kämpfen und richtig hungern, da ja auch die Ski kürzer geworden sind. Momentan geht es in eine falsche Richtung und ich hoffe, dass die FIS die Augen offenhält und bezüglich des Reglements auf die Füße kommt.

Was haben Sie, was eventuell andere Springer nicht haben?
Ein perfektes Umfeld. Ich habe die volle Unterstützung meiner Frau, die sich komplett nach mir richtet. Meine Eltern nehmen mir organisatorisch viel Arbeit ab. Dazu kommt der ÖSV, "JumpandReach" und mein Coach Patrick Murnig, der mir seit zwölf Jahren einen perfekten Plan zusammenbastelt. Wenn es in diesem Bereich harmoniert, kann man lange erfolgreich sein.

Und welche Frage können Sie absolut nicht mehr hören?
Wenn ich kurz im Ziel stehe und selbst nicht weiß, warum der Sprung so war, wie er eben war. Und ganz klar, dass man genau nach dem gefragt wird. Da hält sich meine Freude in Grenzen (lacht).

Es wird oftmals unterschätzt, wie stressig ein Leben eines Skispringers ist. Wie viel harte Arbeit steckt wirklich hinter dem Erfolg?
Wir haben zwar nicht diesen Trainingsumfang, da wir nicht jeden Tag zweimal vier Stunden trainieren müssen, da die Ausdauerkomponente nicht im Vordergrund steht. Bei uns geht es um Schnellkraft, Geschmeidigkeit, man muss gut gedehnt sein und sich mental frisch fühlen. Die ideale Mischung macht’s.

Dann zum Saisonhighlight, der WM in Planica. Sind Sie startklar?
Aber so was von. Es läuft im Augenblick richtig gut, ich bin sehr stabil. Nur zwei, drei Athleten vor mir sind aktuell in unglaublicher Form und zerstören fast alles. So etwas gibt es immer wieder. Ich bin gleich dahinter und das stimmt mich äußerst positiv. Ziel ist eine Medaille, dafür bin ich da.

Zur Person

Stefan Kraft, geboren am 13. Mai 1993 in Schwarzach/Pongau.
Größe/Gewicht: 170 cm, 56 kg
Weltcupsiege Einzel: 27
Meilensteine: Olympiagold Team (2022), 3x WM-Gold Einzel (2x 2017, 1x 2021), Vierschanzentournee-Sieg 2014/15, Gesamtweltcupsieg 2016/17 und 2019/20.

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